Chronik

Diese Schrift wurde recherchiert und zusammengestellt aus den erhalten gebliebenen Akten des Vereins, den Protokollbüchern, aus der Erinnerung des Verfassers sowie der von Rudi Strelow und Wolfgang Westphal.

Die Abbildungen bis ca. 1970 wurden den im Besitz des Vereins befindlichen Dias entnommen. Vier Fotos stellte Wolfgang Westphal zur Verfügung, die übrigen sind Aufnahmen des Verfassers. (Fotos werden aktuell noch aufbereitet – Anm. d. Red.)

Alle Rechte beim Verfasser.

Sehnde, im Mai 1998 Eckhard Müßigbrodt


Vorwort zur Chronik (1998)

Die vormalige Gemeinde und seit dem Herbst 1997 Stadt Sehnde (Landkreis Hannover) ist südöstlich von Hannover an der Bundesstraße 65, an der überregional angebundenen Eisenbahnlinie Lehrte–Hildesheim sowie dem Mittellandkanal gelegen. Sehnde hat sich vom Bauerndorf über die Industriegemeinde zum Dienstleistungsstandort mit einer stetig anwachsenden Bevölkerung entwickelt. Mit dem Zusammenschluss von 15 Dörfern zur Großgemeinde Sehnde im Jahre 1974 wuchs die Einwohnerzahl auf ca. 20.000 an – ein Potenzial, aus dem der Kleingärtnerverein „Heimatfrieden“ seine Unterpächter wirbt.

Der Kleingärtnerverein „Heimatfrieden“ e.V. Sehnde kann in diesem Jahr auf 50 Jahre erfolgreicher Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit zurückblicken. Gegründet in schwerer Zeit, noch vor der Währungsreform des Jahres 1948, konnten die Sehnder Kleingärtner erst im Jahr 1955 ihr Land „unter den Spaten nehmen“ und eine Kolonie einrichten. Diese ist mit ihren – für heutige Verhältnisse – relativ großen Parzellen zu einem stolzen Unternehmen von fast 80 Unterpächtern aufgeblüht, gekrönt durch die Errichtung eines eigenen Vereinsheims im Jahre 1972.

Fünfzig Jahre Arbeit für ein gemeinsames Ziel, davon 43 Jahre auf der eigenen Scholle, sind Anlass zum Rückblick und natürlich auch zum Feiern. Die Vereinsakten sind vollständig überliefert; das Wissen um die Pioniere des Vereinslebens droht allerdings mit dem voraussehbaren Abtreten der Erlebnisgeneration und deren unmittelbarer Nachfolger zu verblassen.

Aus Dankbarkeit gegenüber den Sehnder Mitbürgern, die die heute blühende Kolonie eingerichtet haben, hat sich der Verfasser der arbeitsaufwendigen Aufgabe gestellt, die Geschichte der vergangenen 50 Jahre zusammenzustellen. Dabei dienten Akten, eigenes Erleben und das Erinnerungsvermögen der beiden noch aktiven Mitgründer der Kolonie, Rudolf Strelow und Wolfgang Westphal, als Quellen, um das Wissen der Nachwelt zu überliefern.

Text und Abbildungen wurden mittels Computer erstellt. Bei dieser Technik ist eine mitunter nicht ausreichende Qualität der Abbildungen leider nicht zu vermeiden. Zudem mussten die Aufnahmen aus der Zeit vor 1970 von Dias übernommen werden, deren Farbqualität nach heutigen Maßstäben fragwürdig ist. Freuen wir uns trotzdem an dem vorliegenden Werk, das hoffentlich in recht viele Sehnder Familien Einzug halten wird, deren Väter oder Großväter zum heutigen Bild der Kolonie ihr Scherflein beigetragen haben.

Möge die Kolonie auch in weiteren 50 Jahren noch blühen und mögen sich auch dann wieder Menschen finden, die es der Mühe wert achten, die Geschichte des Vereins weiterzuschreiben!

31319 Sehnde, im Mai 1998

Der Vorstand im Kleingärtnerverein Heimatfrieden e.V.

  • Hans Huszar, 1. Vorsitzender
  • Erwin Bock, 2. Vorsitzender
  • Horst Spilker, 1. Kassenführer
  • Thomas Schlimme, 2. Kassenführer
  • Eckhard Müßigbrodt, 1. Schriftführer und Verfasser dieser Schrift
  • Hans-Joachim Gruba, 2. Schriftführer

Die Gründung – mitten in schwerer Zeit (1948)

Am 8. Juni 1948 wurde der Kleingärtnerverein Sehnde gegründet – gerade einmal drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und zwölf Tage vor der Währungsreform, die den Bewohnern der Westzonen die Deutsche Mark brachte. Die Zeit war geprägt von Entbehrung, Wohnungsnot und dem Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen.

Den entscheidenden Anstoß zur Gründung gab das ehemalige Sehnder Ratsmitglied und Bürgermeister Heinrich Pook, der als „Gründungsvater“ des Vereins gilt. Bereits im Sommer 1949 zählte der Verein 320 Mitglieder.

Der Kleingärtnerverein Heimatfrieden e.V. Sehnde

Gründung und Entwicklung

Der Kleingärtnerverein Sehnde wurde am 8. Juni 1948 in schwerer Zeit gegründet – drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und nur 13 Tage vor der Währungsreform, die den Bewohnern der drei westlichen Besatzungszonen die DM bescherte. Als „Gründervater“ gilt der ehemalige Sehnder Bürgermeister Heinrich Pook.

Erst im Herbst 1954 konnten die Sehnder Kleingärtner ihre (zum jetzigen Zeitpunkt 44 Jahre alte) Gartenkolonie einrichten. Seit der Mitgliederversammlung vom 7. November 1954 führt der Verein den Namen „Heimatfrieden“ – eine Bezeichnung, deren tiefere Bedeutung sich erst durch die Kenntnis des harten Kampfes um das Land erschließt.

Der Verein ist dem Bezirksverband Lehrte und dem Landesverband Hannover der Kleingärtner angeschlossen. Die Mitglieder erhalten monatlich die Zeitschrift „Deutscher Kleingärtner“ mit ausführlichem Regionalteil per Post. Der Verein verfügt über eine Satzung sowie eine Gartenordnung und ist beim Amtsgericht Lehrte seit dem 7. Oktober 1957 unter der Nummer 5 VR 70 eingetragen.

Die Kolonie „Am Trendelkamp“

Die Kolonie liegt an der Chausseestraße im Flurstück „Am Trendelkamp“ der Stadt Sehnde. Das Grundstück umfasst 50.913 qm und befindet sich im Besitz der Stadt.

  • Aufteilung: Ursprünglich in 82 Gärten unterteilt.
  • Veränderungen: * Drei Gärten wurden in den 60er Jahren für Gemeinschaftsbauten eingezogen.
    • Garten Nr. 68 wurde in 68 und 68a geteilt.
    • 1996 wurden die Gärten Nr. 18 und 19 wegen Unbewirtschaftbarkeit (dauerhafter Rückstau von Nässe) eingezogen.
    • Garten Nr. 1 war zeitweilig in 1a und 1b unterteilt (1977 rückgängig gemacht).
  • Stand 1998: Die Kolonie umfasst heute 78 bewirtschaftete Gärten.

Die durchschnittliche Parzellengröße beträgt 559 qm, wobei erhebliche Abweichungen vorkommen. Zum Gelände gehören zudem:

  • Wegesystem: Asternweg (320m), Dahlienweg (155m), Lilienweg (64m) und Rosenweg (306m).
  • Gemeinschaftsflächen: Vereinsheim, Gerätehaus, Festplatz, Teichgrundstück sowie die Neugestaltung der ehemaligen Gärten 18 und 19.

Mitgliederstruktur (Stand: März 1998)

Die Mitgliederzahl liegt seit 1954 stabil bei etwa 100 Personen. Aktuell sind 74 Gärten bewirtschaftet (4 stehen zur Weiterverpachtung an). Der Verein zählt:

  • 74 aktive Mitglieder (mit Garten)
  • 21 fördernde Mitglieder (ohne Garten)

Altersstruktur der Pächter:

  • 37 Pächter sind älter als 54 Jahre (davon 9 über 69 Jahre).
  • 12 Pächter sind 40 Jahre oder jünger (davon nur 2 unter 31 Jahre).
  • 6 Pächter sind ausländische Mitbürger, 2 sind Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion.
  • 12 Frauen führen die Parzellen gemeinsam mit ihren Partnern.

Vereinsheime und Infrastruktur

Der Verein besitzt:

  1. Großes Vereinsheim: 280 qm Nutzfläche, elektrisch beheizt, mit Saal, Küche und Büro. Es steht außerhalb der Wintermonate auch der Bevölkerung zur Anmietung zur Verfügung.
  2. Gerätehaus: 96 qm Nutz- und Abstellfläche (inkl. Werkstatt und Kühlraum). Hier lagern u. a. ein Motorschredder und ein Wurstbratstand.

Die Mieteinnahmen sind für die Deckung der laufenden Kosten (Versicherungen, Instandhaltung) zwingend erforderlich.

Vorstand und Verwaltung

Der Verein wird durch einen geschäftsführenden Vorstand geleitet: 1. und 2. Vorsitzender, 1. und 2. Schriftführer sowie Kassenführer. Hinzu kommen Kassenprüfer, ein Arbeitsausschuss und Fachberater. Um Kontinuität zu gewährleisten, finden die Wahlen versetzt statt. Dem Verein angegliedert ist eine Frauengruppe, die jedoch keinem offiziellen Verband angehört.

Finanzen und Ausblick

Die Pacht und Mitgliedsbeiträge werden vom Verein eingezogen und an die Verbände sowie die Stadt Sehnde weitergeleitet.

  • Pächterwechsel: Kündigungen erfolgen zum 31.10. eines Jahres. Eine Schätzung der Parzelle bildet die Basis für die Ablösesumme zwischen Vor- und Nachpächter.
  • Wirtschaftliche Lage: Aufgrund geringer Reserven und hoher Unterhaltskosten für die Gebäude ist eine Beitragserhöhung für 1999 unausweichlich. Im Jahr 2000 wird zudem eine Erhöhung der Grundsteuer durch die Stadt erwartet.
  • Infrastruktur: Eine Anbindung an das Stromnetz der HASTRA ist vorhanden; eine Frischwasserversorgung ist jedoch aufgrund der hohen Kosten nicht geplant.

Resümee: Das Interesse am Vereinsleben und an Gemeinschaftsveranstaltungen (wie Fasching oder Tanz in den Mai) ist rückläufig. Zwar finden sich immer wieder junge Familien für eine Parzelle, doch scheint das klassische Kleingartenwesen in Sehnde derzeit vor großen Herausforderungen zu stehen.

Die Gründung des Vereins und der Kampf um die Zuteilung von Gartenland

Über die früheren Bestrebungen, den Sehnder Einwohnern Gartenland in organisierter Form zur Verfügung zu stellen, ist nichts Schriftliches überliefert. Es darf aber angenommen werden, dass der Beschluss, einen Verein für die Interessenten von Koloniegärten in Sehnde zu gründen, kaum spontan gefallen ist. In den überlieferten Akten des Kleingärtnervereins ist wiederholt davon die Rede, dass Interessenten schon zur Zeit der Gründung des Vereins Grabeland bewirtschafteten, und der Verfasser weiß aus seiner Jugendzeit nach dem 2. Weltkrieg, dass es eines Tages hieß: „Die Bauern müssen den Flüchtlingen Grabeland zur Verfügung stellen“.

Auf diesen Parzellen durfte im wahren Sinne des Wortes nur gegraben, aber keine Bäume und Sträucher angepflanzt werden. Diese Situation war sicher für viele Menschen unbefriedigend, und so dürften sich schon bald nach Kriegsende Männer und Frauen in Sehnde zusammengefunden haben, die mehr als ein Stück Land unter dem Spaten, nämlich Dauerland, haben wollten.

Der Kleingärtnerverein Sehnde wurde am 8. Juni 1948, 12 Tage vor der Währungsreform, gegründet. Es sei vorweg gesagt, dass der Beiname „Heimatfrieden“ zu dem Zeitpunkt noch nicht im Gespräch gewesen ist. Leider geht aus dem Protokoll der Gründungsversammlung weder Gründungslokal noch -uhrzeit hervor, noch ist eine Anwesenheitsliste überliefert. Eine solche ist in gebundener Form auch erst mit der Jahreshauptversammlung vom 7.4.1972 eingeführt worden.

In Gegenwart der Herren Hacha, des 1. Vorsitzenden des Landesverbands Niedersachsen der Kleingärtner, und Hapke, 1. Vorsitzenden des Bezirksverbands (Bez.Verb.) Lehrte der Kleingärtner, eröffnete das Ratsmitglied und ehemaliger Bürgermeister Heinrich Pook die Versammlung der Interessenten. Das Gründungsprotokoll ist im Original erhalten geblieben. Es sei aber vorweg erwähnt, dass noch am Gründungstage ein Vorstand gewählt worden ist, der sich aus den Herren:

  • Franz Mollenhauer, 1. Vorsitzender,
  • Reuß, 2. Vorsitzender,
  • Buschmann, 1. Kassierer,
  • Zellmer, 2. Kassierer,
  • Lischke, 1. Schriftführer,
  • Bahr, 2. Schriftführer,

zusammensetzte.

Der Jahresbeitrag für die Mitgliedschaft wurde auf 4,– RM festgesetzt, der nach der nahen Währungsreform nur noch 1,– DM betragen sollte. Es war ferner eine Aufnahmegebühr von 1,– RM vorgesehen. Nach heutigen Maßstäben märchenhaft niedrige Beträge, aber die Einkommen waren zu der Zeit um ca. das 20-fache niedriger als zur Zeit der Niederschrift dieser Chronik.

Mit Datum vom 25.6.1948 wurde dem Kleingärtnerverein Sehnde vom Landesverband der Kleingärtner bescheinigt, dass er sich am 9.(!) Juni 1948 gegründet habe und dass er dem Bezirksverband Lehrte sowie dem Landesverband Niedersachsen der Kleingärtner angeschlossen sei.

Am 11.7.1948, drei Wochen nach der Währungsreform vom 21.6.1948 und der Einführung der DM in den Westzonen Deutschlands, fand eine erste Generalversammlung der Kleingarteninteressenten um 14 Uhr im Saal der Gastwirtschaft Karl Ehlers, Bahnhofstraße, statt. Im Protokoll wird der Verein als „Kleingartenverein“ bezeichnet. Die Versammlung beschloss einen Jahresbeitrag von nunmehr 3,– DM, wählte die Beisitzer Fabich, Klempke sowie Frau Figiel, und zu Kassenprüfern wurden die Herren Winnefeld und Zernickel gewählt.

Das beherrschende Thema dieser wie aller weiterer Versammlungen der Interessenten war natürlich die Beschaffung von Land zur Einrichtung einer umfriedeten Kolonie. Dieser Kampf sollte noch sechs Jahre währen, und manchen „Kämpfer“ schon vorher resigniert aufgeben lassen.

Vorerst dachte man allerdings praktischer und bemühte sich, wie in einem ersten diesbezüglichen Schreiben (Schr.) vom 30.7.1948 an den Landesverband, um das Muster einer Satzung. Ohne gültige Satzung kein Verein, und keine amtliche Eintragung desselben in das Vereinsregister beim Amtsgericht! Die Satzung regelt das Miteinander der Mitglieder und die Eintragung ins Vereinsregister gibt dem Ganzen den offiziellen Status.

Mit Schreiben (Schr.) vom 15.07.1948 war schon vorher bei der Bezirksregierung in Lüneburg ein „Antrag auf Erteilung der Gemeinnützigkeit“ eingereicht worden. In dem Antragsschreiben wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, noch in diesem Jahre in den Besitz von Kleingartenland zu kommen.

Mit Datum vom 30.07.1948 lud der Gemeindedirektor der Gemeinde zu einer ersten Besprechung wegen der Einrichtung von Kleingärten auf den nächsten Tag, den 31.07. um 20:30 Uhr, in das Verwaltungsgebäude (Zimmer 3) ein, nachdem der neu gegründete Verein am 16.07.1948 einen Antrag auf Zuteilung von Land an den Gemeinderat der Gemeinde Sehnde gerichtet hatte.

Wegen der Beschaffung von Gartenland wandte sich der Verein mit Schr. v. 03.08.1948 auch an den Herrn Generaldirektor Reuleaux, Kali-Chemie AG, Sehnde/Hann. Es ist interessant (und wiederholt sich in den Schriftstücken immer wieder), dass man sich zuerst um ein im Interessenbereich der Kali-Chemie befindliches Grundstück „Im Beekfelde“ bemühte. Dieses lag hinter der noch heute dort stehenden Frieling’schen Windmühle und zog sich bis an das Gelände der Kali-Chemie hin. Noch heute wird es landwirtschaftlich genutzt.

Es sei hier vorweg gesagt, dass der Wunsch nach einer Gartenkolonie immer wieder mit dem enormen Bevölkerungszuwachs in der Gemeinde Sehnde durch die Zuwanderung von Heimatvertriebenen und ausgebombten Familien sowie deren Bedarf an einem damals dringend erforderlichen zusätzlichen Nahrungserwerb begründet worden ist. Von einem „Freizeitparadies“ war damals noch nicht die Rede, weil die arbeitende Bevölkerung von Montagmorgen bis Sonnabendnachmittag arbeitete und das Wort „Freizeit“ noch nicht zum Wortschatz der Deutschen gehörte.

Einen weiteren, ausführlichen Antrag auf Zuweisung von 100 Morgen Land zur Einrichtung einer Kolonie richtete der Verein an den Oberkreisdirektor des Landkreises Burgdorf mit Datum vom 28.09.1948. In einem zwei Schreibmaschinenseiten umfassenden Schriftsatz firmiert der Verein nun schon unter „e.V.“. Der Wunsch nach Land wird ausführlich dargelegt und es werden konkrete Vorschläge zur Lage der Kolonie gemacht:

  • Zuteilung von ca. 45 Morgen Land im Beekfelde.
  • Sowie 45 Morgen Land rechts der Gretenberger Straße in Höhe des Mittellandkanals (etwa im heutigen Bereich von Stettiner, Frankensteiner und Marienburger Weg).

(Man beachte, dass die heutige Kolonie nur 20 Morgen Land umfasst). Bei dem unter Punkt 3 nicht gewünschten Land dürfte es sich um das spätere Baugebiet „Musikantenviertel“ gegenüber der ÜSTRA-Zentrale handeln. Verständlich: Dort hatte der Verfasser später ein Reihenhaus in Besitz, das „in den blanken Ton“ gesetzt worden war, der zur kleingärtnerischen Nutzung nun wirklich nicht geeignet war.

In dem Schreiben wird auch schon ein Problem angesprochen, das die Ausweisung einer Kolonie auf Jahre behindern (man kann schon sagen: verhindern) sollte: Die angesprochenen Grundbesitzer, vorwiegend Landwirte, wollten das Land nicht an Kleingärtner verpachten. Nicht, dass man das beanspruchte Land in jedem Falle selbst nutzte – es war zum größten Teil weiterverpachtet – aber den Kleingärtnern wollte man es um keinen Preis herausgeben. Wie sich später ergab, musste letztendlich geklagt und die heutige Kolonie in Zwangspacht genommen werden.

Auf einer Versammlung am 30.07.1948 waren nur wenige Bauern anwesend, und diese leisteten mit zum Teil faulen Ausreden (wie z. B., es sei doch schon genug Grabeland unter dem Spaten) erbitterten Widerstand gegen den Wunsch der potenziellen Kleingärtner, die nicht nur graben, sondern auch pflanzen wollten.

Die Kali-Chemie ließ den Verein in einem Schr. v. 19.08.1948 inzwischen wissen, dass man das Gelände im Beekfelde für eigene Zwecke reserviert halten wolle, und bat die Kleingärtner, sich anderweitig umzuschauen. Die Kreisverwaltung Burgdorf verwies den Verein zwischenzeitlich an ein an der Lehrter Straße gelegenes, im Besitz der Kirchengemeinde befindliches Grundstück in der Größe von ca. 15 Morgen, welches wahrscheinlich das heute mit dem Aussiedlerbauernhof Könnecker bebaute Land sein dürfte.

Der Verein bemühte sich in der Folge um Unterstützung des Wunsches nach Dauerland bei der Gemeindeverwaltung Sehnde, der Kreisverwaltung Burgdorf, der Bezirksregierung in Lüneburg sowie dem Bezirksverband Lehrte und dem Landesverband Niedersachsen der Kleingärtner. Das Drängen der engagierten Vorständler des Vereins kam bei den bemühten Gremien im politischen Raum nicht immer gut an, und die Akten des Vereins geben von vielerlei schriftlichen und verbalen Auseinandersetzungen (letztere als Protokolle von Telefongesprächen) Kunde. Man verdächtigte sich gegenseitig, nicht genug Interesse an der Förderung der Bemühungen um Land zu haben. Die Kleingärtner warfen der Gemeinde Sehnde sowie dem Landkreis Burgdorf Verschleppung der Angelegenheit vor, und auf die Sehnder Bauern war man eh nicht gut zu sprechen. Aus einem Schreiben (Schr.) des Vereins vom 25.04.1949 geht hervor, dass dieser die Gemeindeverwaltung Sehnde verdächtigte, hinter dem Rücken des Vorstands Interessenten Grabeland zu vermitteln, um diese ruhigzustellen – im Übrigen aber die Vergabe von Land an den Verein zu sabotieren.

Die Bemühungen des Bezirksverbands (Bez.Verb.) sowie des Landesverbands darf man hingegen als seriös und hilfreich bezeichnen, was diesen wiederum von den Sehnder Kleingärtnern ihrerseits nicht immer richtig gelohnt worden ist. So hatte man es mit der Zahlung der Abgaben an die übergeordneten Verbände zuweilen nicht besonders eilig oder drückte die gemeldete gegenüber der tatsächlichen Mitgliederzahl etwas herunter.

In dem schon erwähnten Antrag an den Oberkreisdirektor vom 28.09.1948 wird erstmals die Anzahl der Mitglieder genannt: stolze 367! Dagegen werden gegenüber dem Bezirksverband bald wesentlich kleinere Zahlen genannt. In einem Schr. vom 19.11.1949 an den Bez.Verb. Lehrte z. B. druckst der Schriftführer etwas fadenscheinig herum, erklärt sich für nicht in der Lage befindlich, eine konkrete Mitgliederzahl zu nennen, und vertröstet auf das Jahr 1950. In der Antwort mahnt der Bez.Verb. nochmals die Zahlung des Beitrags für das Jahr 1949 an und bezieht sich darauf, dass der Sehnder Verein mit Austritt aus dem Verband gedroht haben solle. Es wird eine Mitgliederzahl von 199 unterstellt, worauf der Sehnder Verein sofort 199,– DM überwies, was wiederum vom Bez.Verb. auf einer Postkarte vom 01.12.1949 als zu geringe Zahlung beanstandet wurde; man schlug Ratenzahlung vor, da der Bezirksverband 298,50 DM an Abgaben forderte.

Das Verfahren der Entnazifizierung

Einen Aspekt der Vereinsgeschichte sollte man vor der Schilderung der weiteren Bemühungen um Land nicht vergessen: Wie überall im öffentlichen Leben des Nachkriegsdeutschlands war es für die Übernahme von Ämtern unbedingt erforderlich, eine politisch reine Vergangenheit gehabt zu haben. Dazu diente das von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs ersonnene Verfahren der „Entnazifizierung“. Wer nicht „entnazifiziert“ war, konnte kein öffentliches – und eben auch kein Vereinsamt – bekleiden.

Da mussten also auch die Kleingärtner vorsorgen, und so wird in den Akten anfangs mehrmals diese Frage angeschnitten. Es stellte sich jedenfalls so nach und nach heraus, dass alle Vorstandsmitglieder wohl Widerstandskämpfer gewesen sein müssen, denn sie sind alle unbelastet aus dem Verfahren hervorgegangen. Eine Kostbarkeit in den Akten ist der Bescheid des „Öffentlichen Klägers“ vom 24.09.1949, der dem Schriftführer Georg Lischke eine reine Weste mit der Floskel „nicht betroffen“ bescheinigt. Der Verfasser denkt da noch gern an den Bescheid für seinen Vater, der wegen geringfügig belastender Mitläuferschaft zu einer ebenso geringen Geldstrafe verdonnert worden ist.

Georg Lischke und der Vorstandswechsel

Zu der Person des Georg Lischke darf in diesem Zusammenhang gesagt werden, dass dieser zum Zeitpunkt seiner Wahl zum 1. Schriftführer erst 23-jährige Büroangestellte ausweislich der Akten eine erstaunliche Arbeit im Interesse des Vereins geleistet hat. Durch andauernden Schriftwechsel mit allen Gremien und Personen blieb er beharrlich am Ball. Zudem war er scheinbar im Besitz eines damals noch kostbaren Gutes: einer Schreibmaschine samt dazugehöriger Farbbänder!

Inzwischen war das Jahr 1949 gekommen. Die Bevölkerung lebte nachkriegsbedingt schon im vierten Jahr nacheinander in ärmlichen und beengten Verhältnissen, und der Wunsch nach einer noch so geringen eigenen Scholle war weiter eine Lebensnotwendigkeit. In der Führung des Vereins muss es zu einem unbestimmten Zeitpunkt eine Änderung gegeben haben, denn als 1. Vorsitzender unterzeichnet im Jahr 1949 der ehemalige Bürgermeister Heinrich Pook, der sich schon auf der Gründungsversammlung des Vereins exponierte, aber zunächst kein Amt im Vorstand übernahm. Franz Mollenhauer war danach nur noch als 2. Vorsitzender tätig und wird in einem Schr. an den Verein vom 29.04.1949 auch als solcher angeschrieben. Oberkreisdirektor (OKD) Blanke, Burgdorf, der Pressionen um die Landbeschaffung in Sehnde wohl schon etwas überdrüssig, moniert in einem Schreiben (Schr.) v. 18.05.1949 an den Regierungspräsidenten zu Lüneburg die vermeintlichen Kompetenzüberschneidungen und meint, in der letzten Zeit seien die Schreiben des Kleingärtnervereins Sehnde schon wieder von zwei anderen Personen unterzeichnet gewesen, nämlich von den Herren Buschmann und Zelmer; wobei ihm wohl entgangen ist, dass diese durchaus dem Vorstand zugehörten.

In dem Schreiben geht der OKD auch darauf ein, dass der Verein keine aktuelle Mitgliederliste zur Verfügung habe und deshalb die Anzahl der ernsthaften Interessenten für Gartenland so nicht feststellbar sei. Da der Verein der Gemeinde Sehnde (wie auch dem Bez.Verb. der Kleingärtner) eine solche vorenthielte, sei es bei der Gemeindeverwaltung inzwischen schon zu Mehrfachbewerbungen für Grabeland gekommen, und das in einer Situation, in der das Land nicht einmal zur Einmal-Vergabe ausreichte.

In einem Schr. v. 13.6.49 an den Landesverband wird erwähnt, dass Franz Mollenhauer als Vorstandsmitglied suspendiert sei und der Verein nunmehr 320 Mitglieder zähle. In einem Schr. an den Hauptausschuss für Entnazifizierung vom 8.8.49 wird Franz Mollenhauer allerdings wieder als 2. Vorsitzender bezeichnet. Der Stress der andauernden Bemühungen um Land dürfte wohl an den Nerven der Vorstandsmitglieder genagt und zeitweilig zu Auseinandersetzungen geführt haben.

Der 1. Schriftführer schrieb sich weiter die Finger wund: Mit Datum vom 22.6.1949 gleich vier Schreiben an den Landkreis Burgdorf.

  1. Im ersten wird beantragt, im Bereich der Gemeinde Sehnde gelegenes Land des Bauern Diers aus Aligse, das dieser an den Bauern Falkenhagen, Sehnde, verpachtet hatte, in Zwangspacht zu nehmen. Als Pachtdauer werden 10 Jahre mit Beginn vom 1.10.1949 sowie ein Pachtpreis von 300,– DM pro Hektar (ha) vorgeschlagen.
  2. Das zweite Schreiben behandelt die an die Bauern Könnecker und Rust verpachteten Grundstücke der Pfarre Sehnde,
  3. das dritte Grundstücke des Bauern Rust,
  4. und das vierte Grundstücke des Bauern Ihring.

In allen vier umfangreichen Schreiben wird auf die Lage der in Sehnde zusammengedrängten Menschen, vorwiegend ohne Hab‘ und Gut in beengten Verhältnissen hausende Flüchtlinge hingewiesen, deren durch diese Umstände hervorgerufene drohende Unzufriedenheit durch Zuteilung einer eigenen Scholle gemindert werden könnte. Es wird eine Mitgliederzahl von „über 300“ erwähnt. In allen vier Fällen wird Zwangspacht unter Hinweis auf § 5 der Kleingarten- und Pachtlandordnung vom 31.7.1919 (RGBl. S. 1371) beantragt. Man sah jetzt keine andere Möglichkeit mehr, in absehbarer Zeit zu Pachtland zu kommen, als auf dem Wege des Abgabezwanges, wohlgemerkt mit der Bereitschaft verbunden, eine angemessene Pachtzahlung leisten zu wollen.

Mit Schr. v. 20.9.49 unterrichtet der Landesverband den Verein davon, dass der Oberkreisdirektor für die Beschlagnahme des geforderten Landes plädiere und bei der Regierung in Lüneburg die diesbezügliche Entscheidung forcieren wolle. Die Bemühungen um Land führten zu verzweifelten Aktionen, und so wird drei Wochen nach der Beantragung von Zwangspachten in vier Fällen in einem Schr. an den Landesverband das Einverständnis signalisiert, ggf. auch Land des Bauern Dröse, gelegen „Am Koppersberg“, (lt. „Chronik der Gem. Sehnde“ nicht in der Gemarkung Sehnde gelegen) in Anspruch zu nehmen.

Wie die Bemühungen um die vorgenannten Ländereien im Einzelnen ausgegangen sind, kann anhand der Akten nicht mehr nachvollzogen werden, aber Ende Oktober 1949 kommt ein neuer Name und ein neues Grundstück auf das Landbeschaffungs-Karussell, nämlich der der vom Kot-Hof Nr. 41 stammenden Frau Luise Stöckmann, geborene Rust, Ehefrau des aus Bilm stammenden Pastors Stöckmann zu Hannover. Das Land – eine Koppel – ist am Trendelkamp gelegen: das Gelände der heutigen Kolonie „Heimatfrieden“.

Der Name Rust taucht zwar schon in den vier Zwangspachtanträgen vom 22.06.1949 auf, aber es handelt sich dabei um ein Grundstück von nur 0,78 ha. Die fraglichen Grundstücke, um die es nun geht, sind im Grundbuch der Gemeinde Sehnde, Band 2, Blatt 41 enthalten und umfassen mehrere Flurstücke. Es sollte nun zwar immer noch vier Jahre dauern, bis die Kleingärtner das Land unter den Spaten nehmen konnten, aber sie ließen nun nicht mehr locker.

In einem Schreiben (Schr.) v. 31.10.1949 teilt der Landesverband der Kleingärtner den Sehnder Kleingärtnern Einzelheiten zu dem an mehrere Bauern verpachteten Land am Trendelkamp mit:

  • Für das vom Bauern Nawo gepachtete Teilstück würde Ersatzland durch den Bauern Diers gestellt.
  • Das übrige Land war an zwei Bauern aus Wassel verpachtet, und diese weigerten sich beharrlich, das Land zur Verfügung zu stellen.

Weiter gäbe es Schwierigkeiten um das Flurstück Nr. 121, mitten im Interessengebiet gelegen und dem Frauenarzt Dr. med. Alfred Dröse (Hof Nr. 6) gehörend. Dieses Land war parzelliert und an Kleinpächter u. a. für Viehhaltung verpachtet worden. Diese weigerten sich, Ersatzland des Bauern Diers anzupachten, weil dies für die Bearbeitung als Kleingarten nicht geeignet sei. Die Gemeinde Sehnde unterstützte allerdings diese Pächter und wies den Verein darauf hin, dass in der Nähe der Kali-Chemie ebenfalls verpachtetes Land der Frau Stöckmann läge und man dies beanspruchen solle.

Der Kampf um den Trendelkamp (1950–1953)

Die Sehnder Kleingärtner waren nunmehr fest entschlossen, das Land an der Chausseestraße anzupachten – und sei es unter Zwang. Mit Schreiben (Schr.) vom 08.07.1950 teilte der Landkreis Hannover Frau Stöckmann mit, dass der „Niedersächsische Minister für Arbeit, Aufbau und Gesundheit durch Erlass vom 28.04.1950 sein Einverständnis zur Zwangsanpachtung von Land im Umfange von 5,09 ha für den Kleingärtnerverein Sehnde erteilt“ habe. Es wurde eine Frist bis zum 15.08.1950 für eine gütliche Einigung gesetzt. Da auch die Landwirtschaftskammer Hannover am 07.06.1950 ihr Einverständnis erklärt hatte, wurde Frau Stöckmann letztmalig aufgefordert, auf freiwilliger Basis zu verpachten.

Der Verein bot Frau Stöckmann laut Schr. vom 25.07.1950 Verhandlungen an, kündigte jedoch an, andernfalls die Zwangsanpachtung einzuleiten. Frau Stöckmann bestätigte das Schreiben am 04.08.1950, ging jedoch nicht auf das Angebot ein. Stattdessen wies sie darauf hin, dass sie das Land bereits zum 01.07.1950 an den Flüchtlingsbauern Riess verpachtet habe, was Vorrang vor der Zwangspacht des Vereins habe. In einem ausführlichen Schriftsatz an den Landkreis Burgdorf vom 30.08.1950 breitete sie die gesamte Palette ihrer Gegenargumente aus.

Bauer Riess nahm unterdessen das umstrittene Land unter den Pflug. Der Landkreis Burgdorf wies ihn am 04.10.1950 darauf hin, dass er den Kleingärtnern gegenüber schadenersatzpflichtig sei, falls diesen durch die verzögerte Inbesitznahme ein Schaden entstünde. Gleichzeitig musste der Landkreis dem Verein mitteilen, dass mit der Zwangspachtverfügung die rechtlichen Mittel erschöpft seien und ein direktes Bewirtschaftungsverbot gegen Riess nicht möglich sei.

Vereinsinterna und Mitgliederzahlen

Mit Datum vom 09.05.1950 liegt ein Kassenbericht der Kassenprüfer vor, in dem die Anzahl der Mitglieder des Kleingärtnervereins Sehnde mit sage und schreibe 424 beziffert wird, von denen allerdings 125 mit dem Jahresbeitrag von 3,– DM im Rückstand seien. Der Verein hat zu dem Zeitpunkt ein Gesamtvermögen von 878,74 DM.

Am 18.09.1951 legt übrigens der 1. Kassierer, Buschmann, sein Amt nieder, weil er nach Hannover verzogen ist, und der 2. Kassierer, David, übernimmt dessen Amt. Das daraufhin am 12.09.1951 aufgestellte Übergabeprotokoll weist einen Kassenbestand von 862,04 DM aus und bescheinigt eine ordnungsgemäße Führung der Kassengeschäfte.

Juristische Auseinandersetzungen


Im Jahr 1951 durften die Kleingärtner zusehen, wie Bauer Riess auf dem von ihnen begehrten Land säte und erntete, sowie Frau Stöckmann erbitterten Widerstand gegen die Abgabe ihres Landes an die Sehnder Kleingärtner leistete. Nachdem Frau Stöckmann gegen den Regierungspräsidenten zu Lüneburg beim Landesverwaltungsgericht Braunschweig, Kammer Lüneburg, Klage wegen des Zwangspachtvertrags eingereicht hatte, ließ man sich in dieser Sache vom Landesverband Niedersachsen der Kleingärtner in Person des Geschäftsführers Heinrich Schmidt als Nebenkläger vertreten.

Es wird nun vonseiten der Frau Stöckmann sogar intrigiert. Einem in ihrem Namen verfassten Schriftsatz ihres beauftragten Rechtsanwalts Herbert Weyher, Hannover, an das Landesverwaltungsgericht vom 19.06.1951 liegt die schriftliche Erklärung einer Frau Hedwig Becker vom 13.06.1951 bei, in welcher diese erklärt, dass ihr in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Kleingärtnervereins, Klemke, bekanntgeworden sei, dass der Verein nur 80 Mitglieder habe und ein Teil des zu pachtenden Landes für die Einrichtung eines Kinderspielplatzes verwendet werden soll.

In einem Schreiben (Schr.) v. 26.09.1951 teilt der Landesverband dem Sehnder Verein mit, dass Frau Stöckmann gegen das beim Verwaltungsgericht am 19.06.1951 ergangene Urteil beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg Berufung eingelegt habe.

Stagnation und Spannungen (1952–1953)

Was in den Jahren 1952 und 1953 in dieser Sache geschieht, geht aus den Akten des Vereins nicht hervor. Jedenfalls ergeht in den beiden Jahren kein Urteil des OVG und keine Zuteilung des Grundstücks an den Verein. Dafür wird der Verein ohne Land im Jahr 1952 zweimal, mit Datum vom 21.02.1952 und 11.09.1952, vom Bezirksverband (Bez.Verb.) Lehrte aufgefordert, Fachberateranwärter zu benennen und diese ausbilden zu lassen.

Die Gemeinde Sehnde stand dem Anliegen der Kleingärtner von Anfang an wenig hilfreich bei, und so sah sich der Vorstand des Kleingärtnervereins Sehnde in einem Schr. an den Rat der Gemeinde Sehnde mit Datum vom 28.01.1953 veranlasst, diesen davor zu warnen, sich in die schwebende Angelegenheit einzumischen. Bauer Riess, der das strittige Land seit dem 01.07.1950

Über die Jahre 1952 und 1953 finden sich kaum Aktennotizen zum Fortgang des Verfahrens; ein Urteil des OVG blieb zunächst aus. Dennoch forderte der Bezirksverband Lehrte den (noch immer landlosen) Verein mehrfach auf, Fachberateranwärter zur Ausbildung zu benennen.

Das Verhältnis zur Gemeinde blieb gespannt. Am 28.01.1953 sah sich der Vereinsvorstand genötigt, den Rat der Gemeinde Sehnde in einem Schreiben davor zu warnen, sich eigenmächtig in die schwebende Angelegenheit einzumischen. Bauer Riess, der das strittige Land bereits seit dem 01.07.1950 von der Frau Stöckmann gepachtet und bewirtschaftet hatte, wollte über den Gemeinderat eine endgültige und unwiderrufliche Verpachtung erreichen, was durchaus verständlich ist, aber eben den Interessen der Kleingärtner entgegenstand. Der Verein verlangte seinerseits, bei der Entscheidungsfindung den Landesverband der Kleingärtner einzuschalten, und sagte voraus, dass eine Wegnahme des Landes den Zusammenbruch des Vereins bedeuten würde, weswegen man schärfsten Protest erhebe.

Im Jahr 1954, sechs Jahre nach der Gründung, war dann der Verein endlich am Ziel seiner Wünsche. Mit Urteil vom 26.03.1954 verfügte das OVG Lüneburg, dass die Zwangspacht des Landes rechtens sei, und wies alle Gegenklagen der Frau Stöckmann zurück. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Das Gericht ging noch einmal auf die Argumentation der Frau Stöckmann ein, die eingelassen hatte, dass der in ihrem Erbbesitz stehende Hof, der schon in den Jahrzehnten davor durch Landabgabe reduziert worden sei, durch die Abgabe von Land zu nicht landwirtschaftlichen Zwecken letztendlich zerstört würde und den ostpreußischen Flüchtlingsbauern Ernst Rieß in seiner Existenz bedrohe. Dieser hatte sich auf diese Argumentation jahrelang mit eingelassen, konnte aber nach der Abgabe des Kleingartenlandes gleich darauf Land des Rittergutes Rethmar in der gleichen Größenordnung anpachten. Das Gericht wies diese Argumentation unter Hinweis auf den länger zurückliegenden Niedergang des Hofes zurück und unterstellte der Frau Stöckmann seinerseits, auf die Ausweisung der übrig gebliebenen Ländereien als Bauland zu spekulieren.

Das Erbe der Frau Stöckmann, der Kot-Hof Nr. 41 (Jürgen-Rust-Hof), ist westlich gegenüber der ev. Kirche in Sehnde gelegen gewesen. Das Bauernhaus wurde Anfang der 70er Jahre von der Gemeinde Sehnde zu Büroräumen umgebaut, und die Scheune des Hofes hat die ev. Gemeinde zu Sehnde Anfang der 90er Jahre in ein Gemeindeveranstaltungszentrum umgebaut. Zu der Geschichte des Hofes sei auf die Chronik „SEHNDE – vom Bauerndorf zur Industriegemeinde“ von Adolf Meyer, Sehnde, 1975, Seite 234–237, hingewiesen.

In dem Zusammenhang soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass in der Verhandlung des OVG noch einmal zur Frage der anderweitigen Unterbringung des Kleingärtnervereins Stellung genommen und dabei ein Grundstück im heutigen Siedlungsgebiet „Am Rothbusch“, das die Gemeinde Sehnde 1952 käuflich erwarb, zur Sprache gekommen ist. Dieses war aber als für Kleingartenzwecke ungeeignet schon früher vom Verein abgelehnt worden.

Der Verein handelte nun schnell, und in einem vom 08.04.1954 datierten Protokoll wurde die Übergabe des Landes durch den Bauern Riess zum 15.10.1954 vereinbart, nachdem dieser bis dahin einschließlich der Zuckerrüben alle Früchte abgeerntet habe. Die am 03.11.1954 in der Gastwirtschaft von Fritz Höfer abgehaltene Mitgliederversammlung wird wohl allerhand zu besprechen gehabt haben, und mit Schreiben (Schr.) v. 25.11.1954 teilt der Verein der Kreisverwaltung Burgdorf die nunmehrige Inbesitznahme des Grundstücks mit.

Mit Frau Stöckmann wurde nun der mit Zwangspachtverfügung vom 08.08.1950 vereinbarte Pachtpreis von 80,– DM abgerechnet. Nach einem Kassenbericht vom 19.09.1954 hatte der Verein zu dem Zeitpunkt ein „Vermögen“ von 824,57 DM. Da ging es erst einmal ans Betteln.

Als erste Baumaßnahme war die Einfriedung der neu einzurichtenden Kolonie fällig, und die Fa. Wendelin Heck, Drahtwarenfabrik zu Hannover, erhielt mit Datum vom 27.01.1955 den Auftrag, einen Drahtzaun zum Preis von 2,60 DM pro laufendem Meter einschl. Fundamentarbeiten für die Pfosten fertigzustellen sowie Stacheldraht zum Preis von 4 Pf./m zu montieren. 1000 Meter (m) Maschendraht, 2100 m Spanndraht und 1200 m Stacheldraht sind dem Verein lt. einem Schr. vom 10.12.1954 geschenkt worden und wurden nachträglich aus dem ursprünglichen Angebot der Fa. Heck vom 19.11.1954 herausgenommen.

Da der Verein für die Errichtung der Umfriedung natürlich kein Geld hatte, wurden die Kali-Chemie, die Zuckerfabrik und die Gemeinde Sehnde mit gleichlautenden Schr. vom 01.11.1954 um Zuschüsse gebeten. Die Zuckerfabrik antwortete unter dem 13.11.1954 und lehnte mit faulen Ausreden einen Zuschuss ab, was verständlich ist, denn ihre Aktionäre waren ja die Bauern, die vorher eine Landabgabe an den Verein abgelehnt hatten. Die Gemeinde Sehnde lässt sich Zeit, lehnt mit Schr. v. 09.05.1955 eine Bezuschussung ab und vertröstet auf eine spätere Zeit. Die Reaktion der Kali-Chemie ist im Protokoll der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 17.12.1954 überliefert, im Laufe derer Heinrich Pook mitteilte, dass die Kali-Chemie Materialien im Werte von 2.000,– DM gespendet habe, offensichtlich also die erhebliche Mengen an verschiedenen Drahterzeugnissen. Das stets gute Verhältnis zwischen der Kali-Chemie und dem Kleingärtnerverein Sehnde wird in einem separaten Aufsatz behandelt.

Wie vom Verein bei der ersten Ausschreibung verlangt, war die Einzäunung nach 20 Jahren allerdings schon wieder marode – insbesondere die Nordseite, welche von einer Hecke teilweise zugewachsen war. Nachdem man erst erwogen hatte, nur die Außenlieger für den neuen Zaun bezahlen zu lassen, wurden die Kosten schließlich auf die Allgemeinheit umgelegt: Jeder Gartenpächter musste bis zum 30.06.1977 den Betrag von 20,– DM auf das Konto des Vereins eingezahlt haben. Entlang der Chausseestraße wurde 1977 zusätzlich eine Weißbuchenhecke gepflanzt.

Die Wasserversorgung

Die nächste große Maßnahme war die Herstellung von Bohrbrunnen für die Wasserversorgung der Koloniegärten per Handpumpen – ein System, das teils nach fast 50 Jahren noch Bestand hat. Diese Arbeiten wurden im Sommer 1956 durchgeführt.

  • Unter dem Datum vom 15.09.1956 stellte die Fa. Karl Lies, Lehrte, für die Herstellung von sechs Bohrbrunnen einen Betrag von 1.283,28 DM in Rechnung.
  • Mit Schreiben (Schr.) v. 28.09.1956 wurde der Gemeinde Sehnde für die Bewilligung von 1.000,– DM als Kostenbeitrag gedankt.
  • Ein besonderes Detail: Mit Schr. v. 30.11.1956 wurde Herrn August Kegenbein, Lehrte, für die Hilfe bei der Suche nach Wasseradern gedankt und ihm eine Belohnung von 20,– DM per Postanweisung zugeschickt.

Entwässerungsprobleme

Ebenfalls im Jahre 1956 wurde die Gemeinde Sehnde (Schr. v. 18.10.56) um die Aushebung der Vorflutgräben an der Westseite des Geländes gebeten. Ein Jahr später (Schr. v. 23.08.57) erfolgte eine ähnliche Bitte für die Nordseite der Kolonie. Zu den schwierigen Wasserverhältnissen im Norden der Kolonie wird im weiteren Verlauf dieser Chronik noch näher eingegangen.

Zeitkolorit: Bier und Tabak

Etwas Zeitkolorit sei am Rande erwähnt:

  • Mit Schr. v. 07.05.1956 beantragte der Gartenfreund Günter H… die Genehmigung, auf seiner Parzelle Nr. 3 Flaschenbier und Erfrischungsgetränke verkaufen zu dürfen.
  • Ähnliches beantragte Gartenfreund Friedrich K… am 03.07.1958 mit dem Zusatz, auch Tabakwaren anbieten zu wollen.

Der neue Streit um den Pachtpreis

Wer geglaubt hatte, die Kleingärtner könnten sich nun ausruhen, sah sich bald getäuscht. Der von der Grundbesitzerin Frau Stöckmann beauftragte Rechtsanwalt Stakemann teilte am 25.10.1956 den Wunsch mit, die Pacht von 80,– DM auf 125,– DM pro Morgen zu erhöhen.

Der Verein holte Rat beim Bezirksverband Lehrte ein. Dieser teilte mit, dass andere Vereine bereits wesentlich mehr bezahlten und man eine Erhöhung um zumindest 20,– DM pro Morgen anbieten sollte. Dies bot der Verein Frau Eleonore Bock (Tochter von Frau Stöckmann) an, die als Interessenvertreterin ihrer Mutter fungierte.

Der Anwalt der Gegenseite erhob jedoch Einspruch. Daraufhin führte der Verein am 05.06.1957 gegenüber dem Ordnungsamt des Landkreises Burgdorf eine neue Argumentation ein:

Das im Norden der Kolonie gelegene Stück Land (heute Vereinsheim, Geräteschuppen sowie die Gärten Nr. 18 und 19) sei schon immer ein „nasses Loch“ gewesen. Eine gärtnerische Nutzung sei dort hoffnungslos.

Zur Untermauerung ließ man den Landwirt Köhler (Wassel) schriftlich erklären, dass er das Land seit 1919 kenne: Der Boden sei schlecht, es wüchsen dort nur Binsen und „schlechte Gräser“, und oft sei sogar der zweite Schnitt ausgefallen.

Die Einigung

Nach einer Begehung durch Vertreter des Landkreises Burgdorf wurde am 03.04.1957 im Gasthaus „Zur Linde“ ein durchschnittlicher Pachtpreis von 102,50 DM ausgehandelt. Der Verein überwies für die Jahre 1957 und 1958 jeweils 100,– DM pro Morgen, was von der Gegenseite zunächst vorbehaltlich einer endgültigen Entscheidung akzeptiert wurde.

Im Jahr 1960 kam dann wieder ein Paukenschlag. Mit Schreiben (Schr.) v. 19.3.60 kündigte Frau Eleonore Bock den Pachtvertrag für das Grundstück der Kolonie, der in der Tat – zieht man das Jahr der Zwangspacht, 1950, in Betracht – nach den vereinbarten 10 Jahren auslief. Der Verein schaltete wieder den Landkreis Burgdorf ein; dieser wies mit Datum vom 25.6.60 die Kündigung kraft Amtes zurück und beantragte seinerseits eine Entscheidung bei der Bezirksregierung in Lüneburg sowie dem Niedersächsischen Ministerium für Vertriebene und Flüchtlinge.

Frau Stöckmann scheint sich aber in den folgenden Jahren mit dem Pachtzins von 102,50 DM abgefunden zu haben, und von der Kündigung des Landes ist in den Akten des Vereins nicht mehr die Rede. Mit Verfügung des Landkreises Burgdorf vom 29.9.66 wurde der Pachtpreis wiederum, diesmal auf 120,– DM pro Morgen, erhöht. Auf die Fläche von 50.000 Quadratmeter (qm) umgerechnet ergab sich eine Belastung von 4,8 Pf. – gering angesichts von 20 Pf. im Jahr 1998 und 27 Pf. im Jahre 2000.

Der Verein überwies entgegen der Verfügung für ein Teilstück von 7.800 qm nur 80,– DM pro Morgen, was eine Reklamation seitens der Frau Bock herausforderte. Aus den Akten geht zwar keine Reaktion des Landkreises hervor, aber in einem Schr. an Frau Bock vom 30.1.68 erwähnt der Verein, dass bei einer mündlichen Erörterung im Gebäude der Kreisverwaltung zu Burgdorf am 22.1.68 vereinbart worden sei, in Zukunft einen Pachtpreis von 102,50 DM für das fragliche Teilstück zu zahlen. In einem Schr. an den Verein vom 29.9.67, das Unstimmigkeiten bei der Abrechnung der laufenden Pachtzahlung beinhaltet, erwähnt Frau E. Bock (die Tochter der Frau Stöckmann), dass sie sich im Namen ihrer Mutter mit einer Minderung einverstanden erklärt habe.

Im Jahre 1968 war Frau Bock offensichtlich die Querelen um das Grundstück leid, und mit Schr. v. 1.7.68 bot sie dem Verein das Gelände zum Kauf an, wobei sie einen Kaufpreis von 5,– DM pro qm forderte. Die Forderung erscheint dem Verfasser nicht zu hoch gewesen zu sein, aber der Verein war damals wie auch heute nicht in der Lage, 250.000 DM für das Grundstück aufzubringen. Die Gemeinde Sehnde zeigte sich zu dem Zeitpunkt nicht interessiert, wie Gemeindedirektor Hublitz dem Verein schriftlich mitteilte, kaufte aber schließlich doch das Grundstück, dessen Besitzer sie heute noch ist.

Es sei noch angemerkt, dass im Jahre 1963 versucht worden ist, die Bodenverhältnisse im strittigen feuchten Nordteil der Kolonie zu verbessern. Laut des Antrags auf Beihilfe zu dieser Maßnahme an den Bezirksverband (Bez.Verb.) Lehrte v. 13.8.63 wurden 80 Kubikmeter (cbm) Mutterboden abgetragen und dafür 210 cbm Füllmaterial in Form von sogenannter Zuckerfabrikerde eingebracht, was zusammen 920 veranschlagte Arbeitsstunden erforderlich machte – das sind bei 80 Gärten 11,5 Arbeitsstunden pro Garten. Aus Mitteln des Landkreises wurde die Maßnahme im Werte von 2.217,– DM mit 315,– DM bezuschusst. Der damalige 1. Schriftführer, Rudolf Strelow, Sehnde, erinnert sich, dass Frau Stöckmann bzw. später Frau Bock zu dieser Maßnahme (wie übrigens auch zum Bau des ersten Vereinsheims) ihre Zustimmung als Verpächter verweigerten.

Weiter von Interesse ist, dass im Jahre 1963 seitens der HASTRA elektrischer Strom zur Versorgung des Vereinsheims an die Kolonie herangeführt worden ist, wofür ein Preis von 2.545,– DM vereinbart war, der lt. Schreiben (Schr.) v. 16.10.63 von der Gemeinde Sehnde bezahlt wurde.

In der Folge wurde dem Verein bekannt, dass der an der Chausseestraße gelegene Neubau des Baumeisters Jürgens, Sehnde – bei dem es sich wahrscheinlich um das später von Dr. Gunia genutzte Haus handelt – mittels der vom Verein bzw. der Gemeinde Sehnde bezahlten Stromleitung ebenfalls an das Netz der HASTRA angeschlossen worden war. Man monierte dies bei der HASTRA, forderte von dieser mit Schr. v. 24.09.1968 eine Beteiligung des Jürgens an den Kosten der Leitung und erhielt daraufhin mit Schr. v. 22.01.1969 eine Kostenerstattung von 1.138,– DM zugesprochen.

Vielleicht war dies auch eine kleine „Retourkutsche“ des Vereins. Jürgens hatte nämlich mit Schr. an den Verein v. 05.11.1956 moniert, dass auf seinem damals noch unbebauten Grundstück die Kleingärtner ihren sämtlichen Müll ablagerten, worauf ihm mit Datum v. 26.02.1957 etwas piekiert geantwortet und Abstellung des Übelstands zugesagt worden war.

Hier ist die extrahierte und korrigierte Fassung des Textes:


Es erübrigt fast, zu sagen, dass auch die Kali-Chemie ihr Scherflein dazu beitrug, dass die Kleingärtner Strom an ihr zu dem Zeitpunkt schon aufgebautes erstes Vereinsheim heranführen konnten. Mit großzügigen 3.000,– DM war die Kali-Chemie dabei, wie mit Schreiben (Schr.) v. 08.08.1963 versprochen wurde.

Im Winter 1965/66 wurden die heute noch den Festplatz säumenden Weißbuchenhecken gepflanzt, wie aus einer Anfrage an die Fa. Horstmann, Elmshorn, v. 25.10.1965 hervorgeht, in der eine Bestellung von 500 Pflanzen zum Gesamtpreis von 340,– DM angekündigt wurde.

Letztendlich beantragte der Verein mit Schr. v. 15.08.1969 bei der Gemeinde Sehnde den Anschluss des Vereinsheims an das Wassernetz der Gemeinde. Mit Datum v. 04.02.1970 teilt die Gemeindeverwaltung dazu mit, dass das Wasserwerk zur Verlegung eines Hauptanschlusses bereit sei, dass die Übernahme der Materialkosten noch zu entscheiden sei, und wirft dabei die Frage der Notwendigkeit einer Klärgrube auf, wozu der Landkreis noch befragt werden soll.

Die Klärgrube ist gebaut worden und diente ca. 25 Jahre der Zwischenlagerung der Abwässer des Vereinsheims, die jährlich einmal mittels Tankwagen des Landkreises Hannover entsorgt worden sind. Anfang 1995 ließ die Gemeindeverwaltung Sehnde im Auftrage des Landkreises Hannover den Verein wissen, dass ein Anschluss des Vereinsheims an die Abwasserringleitung der Gemeinde Sehnde zwingend erforderlich sei und die Maßnahme baldmöglichst erfolgen solle.

Auf einer Mitgliederversammlung am 30.06.1995 wurde den Mitgliedern das Ansinnen der Gemeinde nahegebracht und vor allem die Frage der Finanzierung diskutiert. Nach den ersten Berechnungen hätte der Verein den Anschluss niemals bezahlen können. Durch Verhandlungen mit der Gemeinde Sehnde wurde erreicht, dass diese als Grundeigentümer die Zuleitung von der Anschlussstelle Chausseestraße bis zum Vereinsheim verlegen lässt und bezahlt, der Verein dagegen die erforderliche Pumpanlage, die den Höhenunterschied zwischen dem Vereinsheim und der Chausseestraße ausgleichen muss, beschaffen, installieren und finanzieren solle.

Das erforderte letztendlich einen finanziellen Kraftakt des Vereins, dem sämtliche finanziellen Reserven geopfert werden mussten. Die Verlegung der 300 m langen Rohrleitung wurde im Winter 1995/96 vorgenommen und im Sommer des Jahres 1996 die Pumpanlage installiert sowie in Betrieb gesetzt. Die Sammelgrube unter dem Vereinsheim wurde verfüllt, und als letzte Maßnahme auch das Gerätehaus an die Abwasserleitung angeschlossen.

Der Bau der Vereinsheime und des Gerätehauses wird in einem separaten Kapitel besprochen. Abschließend soll aber noch auf die verschiedenen Versuche eingegangen werden, jede einzelne Parzelle des Vereinsgeländes mit einem eigenen Stromanschluss zu versorgen.

Die Kolonie „Heimatfrieden“ Sehnde ist eine der wenigen Kolonien im Umland, die weder Wasser- noch Stromanschluss auf den einzelnen Parzellen anbieten kann. Inwieweit die Frage dieser Anschlüsse schon früher behandelt worden ist, kann der Verfasser aus den Akten nicht ersehen. Seit seiner Zugehörigkeit zum Verein und dessen Vorstand im Jahre 1977 sind beide Fragen mehrfach erörtert worden. Während die Versorgung mit Wasser mittels Handpumpen nunmehr allseits akzeptiert oder zumindest hingenommen wird, weil Trinkwasser an einer Zapfstelle am Gerätehaus zur Verfügung steht und Brauchwasser auf etlichen Parzellen mittels Hand- oder Motorpumpe gefördert wird, gab es zur Stromversorgung doch mehrfach Initiativen.

Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am 24.10.1980 war die Frage „Strom- und Wasseranschluss“ ein Diskussionsthema unter dem Punkt „Verschiedenes“. Die Diskussion zu beiden Fragen war kontrovers, und eine Probeabstimmung für oder gegen Strom gab 10 Befürworter bei 37 Anwesenden. Allgemein wurde die Stromversorgung als zu teuer angesehen und abgelehnt. Zur Frage der Wasserversorgung wurde nicht abgestimmt, sondern hier stellte sich allgemeine Ablehnung im Verlauf der Diskussion heraus.

Aktuell wurde die Frage der Stromversorgung wieder im Jahre 1997. Eine Sehnder Firma bot von sich aus die Errichtung einer Stromversorgung der Kolonie an. Da sich diesmal ein größeres Interesse an dieser Frage herausstellte, ließ man die Firma ein konkretes Angebot unterbreiten, welches vom Vorstand aufbereitet und den Mitgliedern unter Beifügung eines Stimmzettels schriftlich vorgestellt wurde. Unter der Teilnahme von 26 Mitgliedern und Vertretern der Firma fand am 04.04.1997 eine nur zu diesem Zwecke einberufene Mitgliederversammlung statt. Eine moderne Stromversorgung der Parzellen sollte nach dem Modell der Firma ca. 2.000,– DM pro Garten kosten. Eine Abstimmung und die Auszählung der vorliegenden schriftlichen Stimmen ergab 25 Stimmen dafür und 25 Stimmen gegen die Verstromung. Daraus ließ sich kein klarer Auftrag der Mitglieder zur Einleitung der erforderlichen Maßnahmen herleiten, so dass die Angelegenheit vertagt wurde, um der Firma Zeit für ein Anschlussmodell für weniger als die gesamten Gärten zu lassen. Das Angebot lag zu Ostern 1998 noch nicht vor.

Der vorerst letzte Kampf der Kleingärtner um ihre Kolonie findet in diesen Tagen und Wochen statt. Die Stadt Sehnde hat den Ausbau der Chausseestraße beschlossen, an welcher die Kolonie „Heimatfrieden“ liegt, und man befürchtet seitens der Anlieger, dass mittels dieser Maßnahme Durchgangsverkehr aus dem neuen Baugebiet an der Lehrter Straße zur B 65 herangezogen werden könnte.

Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen (Ostern 1998) ist der Stand der Dinge so, dass die Trasse der Straße zumindest bis zur Hecke an der Südseite der Kolonie heranreichen wird, womit die Parkplätze zwar in der Tiefe noch ausreichend dimensioniert wären, aber das Heck eines Autos ggf. verkehrsbehindernd in einen Fußweg hineinragen könnte. Die Anliegerversammlungen zu diesem Thema fanden unter Mitwirkung von Vertretern des Vereins statt, und rührige Anwohner der Straße, die den Ausbau ablehnen, verstanden es wiederholt, die Presse in dieser Angelegenheit zu mobilisieren.

Der Bau der Vereinsheime

I. Das 1. Vereinsheim

Nach der Einfriedung der Kolonie und der Erstellung von Bohrbrunnen zur Versorgung der Gärten mit Grundwasser stand der Bau eines Vereinsheims an.

Der Verein als Pächter war verpflichtet, die Grundeigentümerin um Erlaubnis für die Errichtung von Baulichkeiten zu fragen, was auch erfolgte. Die Tochter der Grundeigentümerin Stöckmann, Frau Bock, bat kraft ihrer Stellung als Wahrnehmerin der Interessen ihrer Mutter offensichtlich daraufhin um Erläuterung des Vorhabens, denn mit Schreiben (Schr.) v. 03.07.1958 legte der Verein ausführlich erst einmal die Situation dar, die die Errichtung eines Hauses dringlich werden ließ. Es wird alles das angeführt, was uns heute als selbstverständliches Beiwerk zur Führung eines Vereins erscheint, wie eben die Einrichtung einer Versammlungsstätte, eines Büroraumes für die Erledigung der Verwaltungsarbeiten, Aufbewahrungsräume für Maschinen und Materialien – und das alles unter einem Dach.

Frau Bock ließ sich mit der Antwort viel Zeit, und schließlich ließ Rechtsanwalt Stakemann (Hannover), dem das Schr. v. 03.07.1958 durch Frau Bock offensichtlich zugeleitet worden war, mit Datum vom 9. März 1959 wissen, dass Frau Bock das Vorhaben aus grundsätzlichen Erwägungen heraus ablehne (siehe dazu Kopie des Schreibens).

Zu dem Zeitpunkt waren allerdings längst vollendete Tatsachen geschaffen worden, denn mit Datum vom 20.10.1957 hatte der Verein einen Baugenehmigungsantrag beim Landkreis Burgdorf als Genehmigungsbehörde eingereicht. In einer beigefügten „Erklärung des geschäftsführenden Vorstands des Kleingärtnervereins Heimatfrieden e.V. Sehnde/Hann.“ ging der Verein auch auf die Frage der fehlenden Genehmigung der Grundeigentümer ein. Nach ausführlicher Darlegung der Situation um die Zwangspacht schreibt man:

„Wenn wir nun an Frau Luise Stöckmann bzw. an ihren Bevollmächtigten, Herrn RA Dr. Stakemann, herantreten würden mit der Bitte um Bauerlaubnis für ein Vereinshaus, würden wir u.E. nur einen abschlägigen Bescheid erhalten. Wir bitten daher, uns im Aufbau des Schrebergartenwesens mit zu unterstützen und von der Genehmigung der Grundstückseigentümerin abzusehen.“

In einer „Berechnung des umbauten Raumes nach DIN 277“ ging man von 410,40 cbm umbauten Raumes à 10,– DM aus, was eine Bausumme von 4.104,– DM ergeben sollte.

Offensichtlich und wider Erwarten genügte der Genehmigungsbehörde diese Erklärung für ihre Tatsachen schaffende und das Recht der Grundeigentümerin ignorierende Entscheidung. Mit Datum vom 24. April 1958 wurde der Bauschein für ein Vereinsheim durch die Kreisverwaltung Burgdorf erteilt, aber bis zur Vollendung des Baues sollten von nun an wiederum noch über 2 Jahre vergehen.

Wie so oft in den Aufbaujahren des Vereins wurde auch diesmal die Kali-Chemie in Anspruch genommen. Mit Schr. v. 07.07.1956, adressiert an die Direktion der Kali-Chemie AG, Sehnde, bat der Verein um „Überlassung einer Baracke“. Durch den Bau eines neuen Ledigenheims der Firma, nehme man an, werde das alte Ledigenheim aufgelöst und die diesem Zwecke dienenden Baracken abgerissen. Man bat darum, eine Baracke „zu einem annehmbaren Preis als Vereinshaus zu überlassen“ (Unterschrift: Thiele, 1. Vorsitzender; Vierus, 2. Vorsitzender).

Die Kali-Chemie ließ sich Zeit und antwortete am 23.11.1956 unter Bezugnahme auf das Schr. v. 07.07.1956, dass man nunmehr, nach der Einrichtung des neuen Ledigenheims, in der Lage sei, eine Baracke abzugeben, und bat um Mitteilung, ob überhaupt noch Interesse vorhanden sei. Der Verein war interessiert und antwortete schon mit Datum v. 29.11.1956. Nach mündlicher Rücksprache mit Herrn Direktor Schmidt von der Sehnder Betriebsleitung sei man bereit, einen Preis von 500,– DM für die Baracke sofort in bar zu bezahlen.

Der Verein musste nun, da für die Errichtung eines Vereinsheims ja erst eine Baugenehmigung eingeholt werden musste, diese Baracke zwecks Erhaltung der Substanz nach dem Abbau vorübergehend zwischenlagern. Noch am 29.11.1956 hat der damalige Schriftführer Rudolf Strelow, wie aus einer schriftlichen Notiz hervorgeht, die in den Akten überliefert ist, mit Herrn Bremer (Sehnde, Im Winkel) wegen der Unterstellung der Barackenteile in dessen Scheune gegenüber dem alten Pfarrhaus der ev. Kirche verhandelt und einen Mietpreis von 40,– DM für die Dauer der Unterstellung vereinbart, welchen man als moderat bezeichnen darf.

Hier ist die extrahierte und korrigierte Fassung der Seite 39:


Dem Bauern Karl Rust, Im Winkel, ist mit Schreiben (Schr.) v. 30.08.1957 für die Überlassung des Traktors und eines Anhängers zum Transport der Barackenteile gedankt worden.

Die Kali-Chemie ihrerseits ließ den Verein in einem umfangreichen Schr. v. 08.12.1956 wissen, wie sie sich die Verbringung der Baracke von ihrem Grundstück vorstellte:

„…Sie übernehmen die Baracke in dem besichtigten Zustand ab Standort. Eine Gewährleistung für die Wiederverwendung (Wiederverwendbarkeit?, der Verf.) des bei dem Abbruch anfallenden Materials wird unsererseits nicht übernommen. Der Abbruch muss sach- und fachgemäß erfolgen. Das Fundament ist mit zu entfernen und bis 20 cm unter Gelände aufzunehmen. Alle anfallenden Baustoffe müssen ohne Rücksicht auf ihre Beschaffenheit und Menge vom Abbruchplatz entfernt werden… Das Terrain ist einzuebnen. Der Abbruch der Baracke und der Abtransport der anfallenden Materialmengen geschieht für Ihre Rechnung und Gefahr. Für Schäden irgendwelcher Art, die uns oder Dritten hierdurch entstehen können, übernehmen Sie die Haftpflicht. Sie übernehmen auch die Haftpflicht für etwaige Unfälle… Der Abbruch der Baracke kann sofort erfolgen…“

Der Verein lud daraufhin per Handzettel für „Sonntag, den 09.12.1956, um 9 Uhr“ einen ausgewählten Kreis von Mitgliedern zur Besichtigung der Baracke und Vorbesprechung der Modalitäten am alten Ledigenheim der „KCHS“ ein, und mit eben diesem Datum wurde auch ein „Sonderrundschreiben an alle Mitglieder des Kleingärtnervereins“ verfasst. Man richtete „in aller Schärfe an jeden einzelnen von uns die Bitte, dass, wenn Euch ein Aufforderungsschreiben zur Mithilfe beim Abbruch sowie später beim Aufbau unseres zukünftigen Vereinshauses zugeht, dass sich jeder bereithält, hieran mitzuwirken… Wir werden jedenfalls scharf darüber wachen, wer immer mit der Ausrede ‚keine Zeit zu haben‘ ankommt und sich damit von der Gemeinschaftsarbeit zu entziehen glaubt…“ Man kannte eben auch damals schon seine „Pappenheimer“.

Die Aufforderung ist offensichtlich befolgt worden, denn mit Datum vom 12.02.1957 teilte man der Kali-Chemie mit, dass man die Baracke abgebaut, das Fundament ca. 10 cm unter der Erde entfernt und den Platz eingeebnet habe.

Obwohl der Bauschein Nr. 75/58 erst mit Datum vom 24.04.1958 durch die Kreisbaubehörde erteilt worden war und man auch die dafür fällige Verwaltungsgebühr von 20,– DM beglichen hatte, ging es ab Anfang Juli 1957 an den Aufbau der Baracke. Von den dazu nötigen Arbeiten ist in den Akten nichts überliefert, aber der damalige Schriftführer, Rudolf Strelow, erinnert sich, dass man die großen Wandtafeln bei stürmischem Wetter aufgerichtet und zusammengefügt habe; und scheinbar niemand auf die Idee kam, auch einmal eine Wasserwaage anzulegen.

Jedenfalls stellte sich nach Fertigstellung der Bauarbeiten und der Einrichtung des Innenraums beim Aufhängen der Lampen heraus, dass das ganze Haus mit der damaligen Windrichtung in erheblichem Maße schief stand, was jedoch der Stabilität keinen Abbruch tat und scheinbar auch bei der Bauabnahme nicht registriert wurde.

Im Sommer 1957 wurde mit Schr. v. 23.07.1957 die Gemeinde Sehnde um finanzielle Unterstützung für den Weiterbau des „zur Zeit noch nicht winterfesten Vereinsheims“ gebeten, deren Gewährung die Gemeinde mit Schr. v. 02.08.1957 vom Nachweis der baupolizeilichen Genehmigung und von einem genauen Kostennachweis abhängig machte. Das war also nichts!

Immerhin aber stellte die Gemeinde Sehnde auf Bitten des Vereins mit Schr. v. 16.05.1958 20 cbm Kies für den Bau des Vereinsheims zur Verfügung, der allerdings an der Zuckerfabrik abgeholt werden sollte. Ebenfalls im Jahr 1958 stellte der Verein unter dem Datum vom 19.09.1958 bei der Gemeinde Sehnde den Antrag, mit einer jährlichen festen Summe gefördert zu werden, was diese per 16.10.1958 aus „grundsätzlichen Erwägungen“ ablehnte, aber anheimstellte, „begründete Unterstützungsanträge“ zu stellen, über die „von Fall zu Fall“ entschieden werden könne.


Im gesamten Jahr 1958 wurde weiter am Aufbau des Vereinsheims gearbeitet, aber die Errichtung desselben unter erheblichen finanziellen Opfern der Mitglieder stockte im Herbst 1959 auch aus Finanzgründen etwas, andererseits stand der Bau nun schon im 2. Jahr unvollendet und nicht unbedingt wetterfest da. Deshalb ging man den Rat der Gemeinde Sehnde mit einem Schr. v. 18.09.1959 um „Gewährung einer Beihilfe zur Förderung des Kleingartenwesens im Rechnungsjahr 1959“ an. Detailliert wurden die erforderlichen Arbeiten und die zur Winterfestmachung noch benötigten Materialien aufgeführt und daraus ein Zuschussbedarf von 2.833,75 DM errechnet, den man zu bewilligen erbat.

Hier ist die korrigierte Extraktion der Seite 41:


Es geht aus den Akten nicht hervor, ob die gewünschte Zahlung erfolgte, aber zumindest die Kali-Chemie zeigte sich wieder großzügig und bewilligte im Juli 1960 den Betrag von 1.000,– DM zum Aufbau des Vereinsheims, wofür mit Schreiben (Schr.) v. 12.07.1960 seitens des Vereins gedankt wurde.

Im Jahr 1960 war das gute Werk denn auch vollendet. Mit Schr. v. 30.08.1960 meldete man der Kreisbaubehörde zu Burgdorf die Fertigstellung des Vereinsheims und bat nunmehr um Bauabnahme. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtete unter dem Datum vom 19.10.1960 von der „vor kurzem erfolgten feierlichen Übergabe des schmucken Vereinshauses des Kleingärtnervereins Heimatfrieden Sehnde“. Da die Ausgabe vom Mittwoch datiert war, geht der Verfasser davon aus, dass das Vereinsheim am Sonnabend, 15.10.1960, eingeweiht worden ist. Der Wortlaut des Artikels in der HAZ liegt in Kopie bei.

Mit Datum vom 26.02.1961 stellte der Verein bei der Gemeinde Sehnde einen „Antrag auf Bestuhlung unseres Vereinsheims“. 125 Stühle zum Preis von ca. 30,– DM pro Stück und 15 Tische zum Preis von ca. 150,– DM pro Stück sollten beschafft und möglichst von der Gemeinde Sehnde bezahlt werden, mit der Begründung:

„Eine Umlage unserer Vereinsmitglieder ist in diesem Jahr nicht möglich, da wir im letzten Jahr der Fertigstellung unseres Vereinshauses bereits eine Umlage gemacht haben, die die einzelnen Mitglieder schon hart getroffen hat.“

Diese Aussage dürfte auch ohne Nennung von konkreten Zahlen richtig sein, wenn man sich noch erinnert, was ein Familienvater damals am Monatsende nach Hause gebracht hat.

Leider ist die Reaktion der Gemeinde Sehnde nicht überliefert, aber unter dem Datum vom 26.08.1961 dankt man „herzlichst allen maßgeblichen Herren der Gemeindeverwaltung Sehnde für die Bereitstellung von drei Sitzbänken für unser Schrebergartengelände“. Immerhin etwas, und mit Datum vom 28.01.1962 teilte man der Gemeinde Sehnde die Nummer des Kontos bei der Kreissparkasse (Nr. 1008) mit. Man erwartete also zumindest auch eine Zahlung.

In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass man im Jahre 1969 nochmals Anlass zum Dank für die Spende von drei Parkbänken hatte. Unter dem Datum vom 22.07.1969 wurden bei der Fa. Robert Gennerich in Lamspringe drei Parkbänke zum Preis von jeweils 255,– DM „o. MWSt.“ bestellt, und um Rechnungsstellung für die Kreissparkassenfiliale Sehnde, die Sehnder Bank und die Volksbank Lehrte – Zweigstelle Sehnde – gebeten, nachdem man die Spender unter dem Datum vom 26.06.1969 um die milde Gabe gebeten hatte.

Das Vereinsheim hatte anfangs keinen Anschluss an das Stromnetz der HASTRA und ebenso keinen Anschluss an das Wassernetz der Gemeinde Sehnde. Toiletten waren allerdings eingebaut, die mit Wasser aus der Pumpe über Wassertanks versorgt und über die Sammelgruben unter dem Haus entsorgt werden konnten. Trinkwasser für Feste und ggf. Vermietungen wurde in großen Behältern bereitgestellt, die mit Leitungswasser gefüllt und mühsam herangeschleppt werden mussten. Das Haus wurde offensichtlich in der Zeit ohne die Möglichkeit der elektrischen Beleuchtung noch nicht intensiv genutzt.

So fand die erste Mitgliederversammlung in dem Hause erst am 18.04.1962 statt, während man sich vorher zwischen 1957 und 1962 im Gasthaus „Zur Linde“ in Sehnde zu diesem Zwecke traf. Davor wurden die Versammlungen in den Gastwirtschaften von Fritz Höfer in der Breiten Straße und Karl Ehlers in der Bahnhofstraße sowie dem „Deutschen Haus“ abgehalten. Wo die Gründungsversammlung des Vereins am 08.06.1948 stattfand, ist im Protokoll der Versammlung nicht vermerkt; dürfte aber, wie die folgende, bei Karl Ehlers abgehalten worden sein.

In ihrer Ausgabe von Mittwoch, den 11.12.1963, meldete die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ unter der Überschrift „Zum ersten Mal im neuen Vereinshaus“, dass die Jahreshauptversammlung vom 06.12.1963 „im renovierten Vereinshaus, das diesmal auch zum ersten Male durch elektrisches Licht erleuchtet war“, stattfand. Wie im Kapitel „Landbeschaffung“ beschrieben, wurde erst im Jahre 1963 elektrischer Strom an das Vereinsheim herangeführt. In eben diesem Jahre ist auch der noch aus der Baracke stammende Fußboden erneuert worden, zu dessen Finanzierung die Gartenfreunde Hermann Thiele und Helmut Schmolze eine Sammlung durchführten, die 670 DM ergab.

Hier ist die korrigierte Extraktion der Seite 42:


So konnte man am Nikolaustag des Jahres 1963 vor 43 erschienenen Mitgliedern und in Anwesenheit des 2. Vorsitzenden Miller und des 1. Schriftführers Hans Anis vom Bezirksverband Lehrte erstmals Gartenfreunde mit der „Silbernen Ehrennadel“ des Bezirksverbands für ihre Verdienste um die Gemeinschaft auszeichnen. Geehrt wurden die Herren Franz Amelang, Walter Rommel, Wilhelm Schaffner, Hermann Thiele und Martin Wußmann. Übrigens wurden auf der Versammlung „mindestens“ 20 Pflichtarbeitsstunden für Gemeinschaftsarbeiten im Jahre 1964 beschlossen.

Im Jahr 1970 wünschte der Verein die Installierung eines Fernsprechanschlusses im Vereinsheim. Die vorgeschriebene Erlaubnis des Grundstückseigentümers – in diesem Falle der Frau Bock in Finthen bei Mainz – wurde schriftlich erbeten, aber von dieser, wie zu erwarten, abgelehnt. „Hat nicht unterschrieben“, notierte der Schriftführer auf der Durchschrift des Anschreibens. Es wurde die Gemeinde Sehnde gebeten, bei Frau Bock zu intervenieren, aber mit Datum vom 04.02.1971 teilte Gemeindedirektor Hublitz dem Verein mit, dass „Frau Dr. Bock in Anbetracht der schwebenden Verkaufsverhandlungen keinerlei Veränderungen im Bereich des Kleingartengeländes vornehmen lassen will…“. Der Fernsprechanschluss wurde schließlich doch gelegt und im Jahre 1997 modernisiert, indem eine Station mit drei Handys beschafft wurde.

Der 18. März 1972 war dann der schwärzeste Tag in der bis dato 24-jährigen Geschichte des Kleingärtnervereins „Heimatfrieden“ Sehnde. Das unter großen finanziellen Opfern und ebenso großem persönlichen Einsatz errichtete Vereinsheim stand am frühen Nachmittag dieses Tages in Flammen und brannte in kurzer Zeit mitsamt dem Inhalt restlos ab.

Mit verbrannt sind die Dekorationen und die Geschenke einer Hochzeitsgesellschaft, die zur Stunde des Brandes in der nahen katholischen Kirche der Trauung des Brautpaares Christina und Jörg Wischnat beiwohnte. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 25.03.1997 unter der Überschrift „Beim Jawort machte sich Unruhe in der Kirche breit“ von diesem denkwürdigen Tag im Leben der nunmehr 25 Jahre verheirateten Eheleute, die aus den Flammen nur eine unversehrte Bierflasche der Marke „Wülfeler Jägerbräu“ retten konnten, die heute noch an diesen Tag erinnert.

An die Geschichte der ersten 25 Jahre des Vereins erinnern konnte allerdings der Chronist nur, weil geistesgegenwärtige Gartenfreunde aus den Flammen auch zwei Ordner mit schriftlichen Unterlagen des Vereins gerettet haben, die heute, leicht angekokelt, ihr Dasein im Büro fristen. Aus den Schriftstücken ließ sich so immer noch die Geschichte des Vereins bis um 1970 recherchieren, in welchem Jahre dann die Erinnerung der noch lebenden Zeugen der Ereignisse einsetzt.

Hier ist die korrigierte Extraktion der Seite 48, die den Bau des Gerätehauses behandelt:


II. 2. Das Gerätehaus

Schon einige Jahre vor dem Brand des Vereinsheims stellte sich die Frage der Errichtung eines weiteren, Vereinszwecken dienenden Gebäudes immer dringender. Wer den heutigen Umfang und die Anzahl der vereinseigenen Materialien und Maschinen kennt, sieht ein, dass da etwas geschehen musste. Mit Datum vom 25.08.1965 stellte man den förmlichen Bauantrag, der dem Bauausschuss der Gemeinde Sehnde übergeben wurde. In einem Schreiben (Schr.) v. 26.12.1965 an denselben erläuterte der Verein die Notwendigkeit des Bauvorhabens und teilte u. a. mit:

„…der Bau eines Gerätehauses ist im Laufe der Zeit immer dringlicher geworden, da die meisten vereinseigenen Gerätschaften bis jetzt bei einzelnen Vereinsmitgliedern untergebracht sind. Dies bedeutet ein erschwertes Arbeiten für Verein und Vorstand, da die Gerätschaften nicht immer bei Gebrauch zur Stelle sind und vor allem eine Kontrolle über sachgemäße Lagerung bzw. Wartung nicht gegeben sind. Es wird auch immer schwerer, infolge Platzmangel bei Vereinsmitgliedern Gerätschaften zu lagern, so dass wir uns gezwungen sehen, ein Vereinsgerätehaus zu erstellen. Die reinen Materialkosten werden rd. 9.000 DM betragen, wovon der Verein an Bargeld selbst ca. 3.100 DM aufbringen wird. Die Arbeitskosten werden bis auf Tischlerarbeiten durch Eigenleistung der Mitglieder ausgeglichen…“

Der Bauausschuss der Gemeinde Sehnde leitete den Antrag an den Landkreis Burgdorf weiter, von dem prompt mit Datum vom 17.01.1966 die Frage nach der Zustimmungserklärung des Grundstückseigentümers kam. Natürlich hatte man diese nicht und hätte sie auch nicht bekommen, so dass man wieder einmal eine Kopie der Zwangspachtverfügung vom 08.08.1950 mit entsprechender Begründung einreichte.

Nun muss man sagen, dass die Schlitzohrigkeit bei der Planung dieses Hauses nicht zu kurz gekommen ist. Dass für das als solches bezeichnete Gerätehaus ein großflächiger Raum mit vorgebauter, zugegebenermaßen nur kleiner Terrasse – nämlich der heutige kleine Festsaal – sowie insgesamt 6 Kippfenster im gesamten Bauwerk vorgesehen waren, fiel natürlich bald auch beim Bauamt des Landkreises Burgdorf auf. Mit Schr. v. 07.02.1966 erlaubte man sich die Feststellung:

„…dass die aufgezeichnete Grundrisslösung dem eines Wohnhauses gleichzustellen ist. Warum wird für ein Gerätehaus ein Schornstein u. Terrasse benötigt? Unter Berücksichtigung dieses Sachverhaltes erscheint zweifelhaft, dass die Nutzung des Gebäudes den kleingartenrechtlichen Vorschriften entsprechend erfolgen wird… Für eine eingehende Klarstellung des Sachverhaltes wollen Sie daher zunächst bemüht bleiben.“

Man bemühte sich, und unter dem Datum vom 13.06.1966 wurde der Kreisverwaltung auf zwei Schreibmaschinenseiten ausführlich dargelegt, warum man eben diesen Grundriss gewählt hatte. Es wurde zugegeben, dass der große Raum auch beim alljährlichen Sommerfest genutzt werden solle, reichte im Übrigen eine abgespeckte Zeichnung ein und verzichtete sowie auf den Schornstein als auch auf die geplante Fensterfront vor der sogenannten „Losbude“. Diese ist heute bekanntermaßen durch eine große Holzklappe verschlossen.

Ansonsten wurde auf den zwei Seiten detailliert aufgelistet, was in den jeweiligen Räumen untergebracht werden sollte, so u. a. in der Losbude die Spritzmittel, und in den beiden Räumen auf der Nordseite vorwiegend Haushaltsgegenstände, was später auch geschah, bis nach dem Bau des 2. Vereinsheims diese größtenteils im Büro untergebracht werden konnten. Für den „kleinen Festsaal“ war die Belegung mit so viel „Krempel“ vorgesehen, dabei u. a. die noch heute genutzte Wurstbude mit 2 Würstchenbratern und 1 Würstchenkocher, zwei komplette „Verkaufsstände (Buden) mit Planen und Fußboden“ für die Feste, und 1 „Schokoladentresen mit Plane und Eisenrohrdachgestänge“, dass auch die argwöhnischste Behörde zustimmen musste.

Das Finanzierungsvolumen von anfangs geschätzten 9.000,– DM ließ sich nicht lange halten; und in einem Schr. des Vereins v. 18.11.1966 an die Gemeinde Sehnde wird im Rahmen der Bitte an diese, einen Finanzierungsbeitrag von 8.000,– DM zu leisten, ein Finanzierungsvolumen von 16.414,– DM genannt. Statt der erhofften 8.000 kamen von der Gemeinde immerhin 3.000 DM und die Ermunterung, den Antrag ggf. zu wiederholen. Man muss aber gerechterweise hinzufügen (und wird an anderer Stelle auch erwähnt), dass die Gemeinde Sehnde in den folgenden Jahren immer wieder finanzielle Beiträge in begründeten Fällen geleistet hat, und sei es der Betrag von 75,– DM, welcher auf Bitten des Vereins mit Schr. v. 10.08.1967 bewilligt wurde und der Verschönerung des Kinderfestes zugedacht war.

Die Bauerlaubnis für das Gerätehaus wurde mit Datum vom 07.09.1966 erteilt, und am 14.07.1967 der Antrag auf Gebrauchsabnahme gestellt. Diese sollte nach vergeblichen Anläufen seitens der Herren der Kreisverwaltung am Dienstag, d. 21.11.1967 gegen 15 Uhr stattfinden, wurde aber nochmals und endgültig auf den 05.12.1967 um 15 Uhr verschoben. Der Gebrauchsabnahmeschein Nr. 1862/65 wurde unter dem Datum vom 13.12.1967 durch den Landkreis Burgdorf erteilt.

Das Gerätehaus ist viele Jahre wirklich als solches genutzt worden, und der Verfasser erinnert sich, dass vor Festen oder bei Verleih des Festsaals im Gerätehaus immer erst die Wurstbude und andere Gerätschaften aus dem Raum geschafft und anderweitig deponiert werden mussten. Für diese Gegenstände sind in den letzten Jahren auf Initiative des Arbeitsausschusses mit seinem umsichtigen Vorsitzenden Erwin Bock anderweitige Unterbringungsmöglichkeiten eingerichtet sowie das gesamte Gebäude „entrümpelt“ worden.

Im Winter 1996/97 hat E. Bock mit seinem zumeist einzigen und fleißigen Helfer, dem 1997 verstorbenen Dirk Hähnel, das gesamte Haus umgebaut und einen zusätzlichen schmucken Veranstaltungsraum mit Küche sowie sanitären Anlagen geschaffen. Dem Gerätehaus vorgebaut wurde links des halbrunden Tores eine fest installierte und mit Stellwänden gesicherte Theke, die „Lüttje-Lagen-Theke“, an der allerdings auch sämtliche andere Getränke und Speisen dargeboten werden können.

III. Das 2. Vereinsheim

Nach dem Brand und völligem Verlust des 1. Vereinsheims am 18.03.1972 wurde sofort mit der Planung eines Neubaus begonnen. Die vorgesehene, wegen des Brandes vom 18.03. am 26.03.1972 ausgefallene Jahreshauptversammlung wurde kurzfristig in das Gasthaus „Zur Linde“ verlegt und am 07.04.1972 durchgeführt. Der 1. Vorsitzende, Johann Kuhn, „sprach sein Bedauern aus, über den Brand unseres Vereinshauses und somit musste die für Sonntag den 26.03. angesetzte Versammlung im Vereinshaus ausfallen“, formulierte etwas holprig der Protokollführer. Der Vorsitzende forderte in der Versammlung alle Mitglieder auf, „auch im Jahre 1972 treu dem Verein zu dienen, damit der Aufbau des Vereinshauses bis zum 25. Jubiläum (im Jahre 1973, d. Verf.) beendet ist“.

Die Gartenfreunde Goldschald und Na… forderten im Laufe der Versammlung u. a. die Verlesung des Protokolls der Mitgliederversammlung vom 07.06.1971. „Da dieses vom 1. Schriftführer aus den Flammen gerettet wurde, musste es erst aus seiner Wohnung geholt werden. Nach einer Unterbrechung von 15 Minuten verliest der 2. Schriftführer das Protokoll…“, protokollierte dieser anschließend. Als erste Maßnahme wurde die Erhöhung der zu leistenden Arbeitsstunden für das Jahr 1972 auf 20 Stunden festgesetzt, was aber keine klare Sache war, denn das Stimmverhältnis war mit 18 Ja, 13 Nein und 7 Enthaltungen diffus. Der vormalige 1. Vorsitzende, Karl Gieselmann, versprach in der Versammlung jedenfalls öffentlich, im Jahr 1973 freiwillig 100 Arbeitsstunden ableisten zu wollen!

Es sei nicht verschwiegen, dass im Laufe der Versammlung auch „harte Worte“ fielen, weil der Vorsitzende des Arbeitsausschusses, Werner S., sich mit der Arbeitsleistung des „Arbeitsausschussmanns“ Go… nicht zufrieden zeigte und dies der Versammlung mitteilte. Der vorwitzige Gartenfreund Ja… wollte auf der Versammlung unbedingt schon wissen, was die Feuerversicherung bezahlt habe, wurde aber vom Vorsitzenden darauf hingewiesen, dass man angesichts einer geplanten Geldsammelaktion bei den Sehnder Geschäftsleuten nicht unbedingt schon alle Karten auf den Tisch legen müsse, und vertröstete auf die nächste Mitgliederversammlung. Die Versammlung schloss versöhnlich um 23:50 Uhr, obwohl man „…bei einem Umtrunk und einem Würstchen“, welch beides der 1. Kassierer bewilligte, (noch) „heftige Worte gewechselt“ hatte.

Mit Datum vom Mai 1972 ist die Zeichnung für den Neubau des Vereinsheims gefertigt und mit Datum vom 27.05.1972 geringfügig geändert worden. Die nächste Mitgliederversammlung fand am 04.07.1972, wieder im Gasthaus „Zur Linde“, statt. Vor 33 Mitgliedern gab der 1. Vorsitzende, Johann Kuhn, „bekannt, dass nun die Baugenehmigung erteilt sei, auch konnte er den Abschluss der Schadensregelung seitens der Feuerversicherung mitteilen. Gartenfreund (Gfr.) Kuhn dankte den Gfr. Kroll, Bartelt und Schmolze, die einen erheblichen Betrag an Geld- und Sachspenden gesammelt haben…“ Die Feuerversicherung hatte dem Verein 61.300 DM erstattet, und an Geld- und Sachspenden kamen noch einmal 4.400,– DM zusammen.

Ein Kuriosum ist, dass die traditionelle Weihnachtsfeier des Vereins im Jahre 1972 am 10. Dezember im Schützenheim an der Chausseestraße, und dazu noch unter erschwerten Bedingungen, stattfand. Es wurde nämlich in der Einladung gebeten, „für Ihr Kind und sich selbst Kaffeetasse, Mittelteller und Kaffeelöffel mitzubringen, da Geschirr nicht vorhanden ist“. Man wollte diese Veranstaltung trotz der Sorge um den Wiederaufbau des Vereinsheims aber auch nicht ausfallen lassen. Es waren Kinder bis zum Alter von 10 Jahren und eine (!) Begleitperson eingeladen.

Man machte in der Folgezeit nicht mehr viel Worte, sondern packte fleißig beim Bau des neuen Vereinsheims an. Auf der Jahreshauptversammlung des Jahres 1973, die am 16. März 1973 in der Gastwirtschaft Volker abgehalten worden ist, wurde die Erhöhung der Pflichtarbeitsstunden von 15 auf 20 Stunden im Jahr 1973 beschlossen. Dies reichte für den Bau sicher bei weitem nicht aus, weshalb der 1. Vorsitzende vor allem auch den Gartenfreunden dankte, die „tatkräftig“ geholfen hatten, und sprach dabei die Hoffnung aus, dass das gute Werk schon bis zum Sommer vollendet sein würde, weil man dann das 25. Jubiläum feiern wollte.

Zur Finanzierung des Neubaus hatte man ja die ausbezahlte Versicherungssumme für das abgebrannte Heim sowie die Barspenden der Sehnder Geschäftsleute, so dass man auf eine Barschaft von gut 65.000 DM kam. Das geschätzte Finanzierungsvolumen belief sich allerdings auf gut 150.000,– DM. Dass mit diesem Geld das heutige Vereinsheim gebaut werden konnte, erklärt sich nur aus den damals noch niedrigen Baukosten und der enormen Selbsthilfe der Mitglieder des Vereins. Der Verfasser erwarb im Jahre 1972 sein damaliges Reihenhaus zum Preis von 95.000 DM, so dass ein großes Haus in Einfachbauweise mit dem vorhandenen Geld wohl gebaut werden konnte. Die Akten des Vereins geben leider kein Bild über die Finanzierung und letztlich realistischen Gesamtkosten. Es ist aber überliefert, dass man, wie schon beim ersten Heim, Außenstehende „anzapfte“. Schon knapp einen Monat nach dem Brand wurde mit Schreiben (Schr.) v. 12.04.1972 die Fa. Kali-Chemie um materielle und finanzielle Hilfe zum Wiederaufbau angegangen, und mit Schr. v. 24.06.1972 die Gemeinde Sehnde zum selben Behufe.

Mit gleichlautenden Schreiben unter dem Datum vom 23.07.1973 sind die Firma Graf (Lehrte), der Bezirksverband der Kleingärtner und sogar die Niedersächsische Landesregierung in Hannover um finanzielle Hilfe mit der Begründung gebeten worden, es stünde zur Finanzierung der neu zu gestaltenden Außenanlage noch ein Betrag von 8.075,– DM offen. Den „Herren Kreistagsabgeordneten“ des damaligen Landkreises Burgdorf wurde zur Veranschaulichung eine noch offene Summe von 7.344,40 DM zum Zwecke der Finanzierung von Tischen und Stühlen genannt. Zumindest diese (oder die Kreiskasse?) haben in die Tasche gegriffen und den Betrag von 2.000 DM gespendet, wie aus dem diesbezüglichen Dankschreiben des Vereins vom 21.01.1974 hervorgeht. Unbescheiden wurden sie mit diesem Schreiben aber gebeten, nochmals in die Tasche (der Steuerzahler?) zu greifen, um einen Restbetrag aus der Anschaffung des Mobiliars in Höhe von 4.300 DM abdecken zu helfen. Das wurde vom Oberkreisdirektor unter dem Datum vom 15.02.1974 mit Bedauern und dem Hinweis auf fehlende Mittel abgelehnt.

Die nicht unerheblichen Kosten für die Inneneinrichtung des Hauses konnte man z. B. mindern, indem man sich von der Brauerei Härke in Peine den noch heute genutzten großen Tresen im Festsaal leihen ließ. Mit Vertrag vom 20.07.1973 wurde vereinbart, zum 24.07.1973 den Tresen frei Haus zu liefern und diesem dem Verein gegen ausschließliche Abnahme von Getränken der Brauerei Härke ohne Leihgebühr zu überlassen. In einer Vereinbarung vom 21.12.1973 zwischen dem Verein und der Brauerei Härke wurde der Wert des Tresens mit 8.233,87 DM beziffert. Als Gegenleistung und gleichzeitig Leihgebühr war im § 2 der Vereinbarung die Verpflichtung aufgenommen, im Laufe der nächsten 15 Jahre 3.000 Hektoliter HÄRKE-Bier abzunehmen.

Umgerechnet ist dies eine Menge von 300.000 Liter Bier, mit dem 1 Million Flaschen à 0,33 l gefüllt werden könnten. Verteilt auf 15 Jahre sind das 66.666 Flaschen jährlich, 5.555 Flaschen im Monat und, bei 30 Tagen pro Monat, rund 8 Kästen Bier täglich. Im Jahre 1973 war man wohl noch durstiger als heutzutage, aber selbst „Kampfsäufer“ hätten die Menge, ganz abgesehen von den Kosten, wohl kaum vertilgen können. Man hatte sich also erheblich verschätzt, und so ist der Vertrag im Jahr 1983, nach 10-jähriger Laufzeit, geplatzt: Der Verein hatte bis zum 31.12.1982 nach Berechnungen der Brauerei tatsächlich nur 216 hl abgenommen. Die Brauerei Härke forderte angesichts der Unmöglichkeit, den Vertrag noch erfüllt zu bekommen, Entschädigung in anderer Form. Nach längerem Schriftwechsel und persönlicher Intervention bei der Seniorin der Firma, Frau Härke, einigte man sich auf eine Abstandszahlung von 6.147,65 DM, die Mitte 1984 bezahlt wurde, und womit man stolzer Besitzer dieses Tresens geworden war. Man fühlte sich aber „über den Tisch gezogen“, und es versteht sich von selbst, dass fortan kein Tropfen HÄRKE mehr durch die Kehlen der erbitterten Sehnder Kleingärtner floss.

Eine weitere Geldquelle wurde mit Beschluss der Mitgliederversammlung vom 17.10.1973 im Gasthaus „Zur Linde“ in Anwesenheit von 31 Mitgliedern erschlossen. Unter Punkt 2 der Tagesordnung protokollierte der 2. Schriftführer, Helmut Schmolze:

„Zu Punkt 2 ergriff Gf. Strelow das Wort, er machte der Versammlung einen Vorschlag, der schon im Vorstand ausgearbeitet war, durch den Verkauf von Bausteinen Tische und Stühle anzuschaffen. Ein Baustein soll 25 DM u. 50 DM kosten, er soll dem Käufer in Form eines Wertscheins ausgehändigt werden. Der Geldbetrag wird dem Verein als zinsloses Darlehen zur Verfügung gestellt und dem Käufer auf Wunsch gegen Vorlage des Wertscheins zurückgezahlt, sobald der Verein hierzu in der Lage ist.“

Es wurde noch der weitere und endgültige Vorschlag eingebracht, nur Wertscheine im Werte von 25,– DM auszugeben; die Maßnahme wurde von der Versammlung sodann einstimmig gebilligt. Es ist dem Verfasser nicht bekanntgeworden, welcher Gesamtbetrag durch den Verkauf der Bausteine im Oktober 1973 erlöst worden ist, aber das Geld ist in der Tat zurückgezahlt worden, zuletzt in einer Schlussaktion am 06.12.1980, was allerdings nicht ausschloss, dass Gartenpächter auf die Rückzahlung verzichteten und das Geld so dem Verein spendeten.

Hier ist die korrigierte Extraktion der Seite 59, die die Fertigstellung, Einweihung und bauliche Beschaffenheit des zweiten Vereinsheims detailliert beschreibt:


Unter Punkt 3 wurde in der Versammlung der Termin der Einweihung erörtert, die alsbald stattfinden solle, um dem Verein durch Vermietung des Hauses wieder zusätzliche Einnahmen zu sichern. Erst einmal musste nun aber das neue Mobiliar beschafft werden. Immerhin hatte der Kassierer an dem Abend noch so viel Geld in der Kasse, dass auf Antrag des Gartenfreundes (Gfr.) Rü… eine Runde Bier beschlossen und finanziert werden konnte.

Mit Datum vom 19.01.1974 meldete das „Burgdorfer Kreisblatt“ unter der schlichten Überschrift „Ein Vereinsheim“ die tatsächlich erst an diesem Tage vollzogene Einweihung des neuen Vereinsheims. Am Freitag, dem 14.06.1974 um 20 Uhr, veranstaltete der Verein einen Tanzabend im neuen Vereinsheim, zu welchem „Freunde und Gönner unseres Vereins, die uns seinerzeit beim Wiederaufbau des Vereinsheims finanziell unterstützt haben“, wie es in der Einladung heißt, geladen waren. Die Einladungsliste umfasste die Namen von Persönlichkeiten quer durch das Sehnder Spektrum von Geschäftsleuten und Verwaltung.

Das Haus ist stabil mit 30-cm-Hochlochziegelsteinen sowie Versteifungen mittels Betonrahmen gemauert worden, steht auf dem erweiterten Fundament des ersten Hauses und trägt ein mit Teerpappe gedecktes flaches Spitzdach. Die Außenmaße betragen 27,50 x 11,60 m, also gut 310 Quadratmeter (qm), die Nutzfläche ist lt. Baubeschreibung mit 279,04 qm ausgewiesen. Der Bau umfasst nach DIN 277 ein Volumen von 1.263,40 cbm. Die Baukosten waren lt. Beschreibung auf 151.608,– DM geschätzt. Die am Bau mithelfenden Gartenfreunde, aber auch außenstehende Helfer, waren bei der Bau-Berufsgenossenschaft ordnungsgemäß namentlich angemeldet und somit gegen Unfälle versichert. Der Bauantrag ist mit Datum vom 19.05.1972 gestellt und unter der Nr. 75/58 bei der Kreisverwaltung in Burgdorf bearbeitet worden.

Raumaufteilung und Ausstattung

Das Vereinsheim bietet sich dem Besucher so dar: Der etwas in das Gebäude eingelassene Haupteingang befindet sich an der Ostseite des Gebäudes. Durch einen Windfang, in welchem sich links die Tür zur Sektbar und rechts die Garderobe befindet, betritt man den großen Festsaal von 182 qm, vor dessen gegenüberliegender Stirnwand der Tresen installiert ist. Hinter diesem befindet sich die 15 qm große Küche sowie links des Tresens und des Musikpodiums der Eingang zu den Toiletten. Zwischen Tresen und Toiletten öffnet sich eine Tür zu einem schmalen Durchgang, an dessen linker Seite der Raum mit der Elektroverteilung eingerichtet ist. Geradeaus betritt man durch eine Stahltür den Bürotrakt, in dem linkerhand der sogenannte „Bunker“, ein besonders gut gesicherter Raum, eingebaut ist. Es folgt links der große Büroraum, in welchem wegen dessen besonderer Sicherung das Geschirr des Vereins aufbewahrt wird. Der Bürotrakt kann durch eine doppelt gesicherte Tür auch von außen betreten werden.

Auf der Westseite sind die Außentoiletten eingerichtet, die die Mitglieder mittels eines käuflich zu erwerbenden Schlüssels aufschließen können. Dort waren bis 1997 auch die Frischwasserzapfstellen installiert, was sich wegen der durch Spritzwasser verursachten Verschmutzung der Fußböden auf Dauer als unpraktisch erwies.

Das Haus hat acht große Doppelfenster, die den Innenraum ausreichen erhellen, sowie 2 Fenster von minderer Größe und 7 kleine Fenster in den Toilettenräumen. Rechts und links des Haupteingangs sind insgesamt drei kleine runde Fenster eingebaut. Sämtliche Fenster sind in Einfachverglasung ausgeführt. Die Inneneinrichtung des großen Saales mit der halbhohen Holzvertäfelung der Wände sowie der Verkleidung der Decke wurde im Jahre 1983 neu geschaffen, und im Jahre 1997 ist, rechtzeitig zum 50. Jubiläum, die Außenfassade des Hauses erneuert worden. Eine dicke Schicht schneeweißer Kunststoffputz wurde nach Vorbehandlung der verbrauchten Fassade aufgebracht und gibt dem Haus ein gediegenes Aussehen. Zudem wurden sämtliche Fensterrahmen renoviert und konserviert.

Das Haus ist an die Frischwasserleitung wie auch die Abwasserentsorgung der Gemeinde Sehnde angeschlossen. Letztere Maßnahme ist in den Jahren 1996 und 1997 durchgeführt worden, als der Verein gezwungen wurde, sich an diese anzuschließen. Die Beheizung des Hauses erfolgt über an den Wänden angebrachte elektrisch betriebene Flachheizkörper von jeweils 2000 Watt Aufnahmewert durch die direkte Einspeisung von elektrischem Strom. Das bedingt enorme Energiekosten und lässt es nicht ratsam erscheinen, in den Wintermonaten Veranstaltungen im Hause durchzuführen. Nach heutigem Stand steht das Haus nach der Weihnachtsfeier von Anfang Dezember bis Mitte/Ende März nicht zur Nutzung zur Verfügung. Die Kosten für den Stromverbrauch sind seitens der HASTRA Anfang 1980 auf die heutige astronomische Höhe geschraubt worden, so dass bei einem sogenannten Kleinverbraucherpreis von 50 Pf/kWh jährlich enorme Rechnungen ins Haus stehen.

Es versteht sich von selbst, dass dem Verein zudem erhebliche jährliche Kosten nicht nur für die Instandhaltung, sondern auch für Versicherungen wegen der abseitigen Lage des Gebäudes entstehen. Um diese überhaupt tragen zu können, ist laufende Vermietung des Vereinsheims unbedingt erforderlich und findet im Durchschnitt zu ca. 15 Terminen jährlich statt.

Es darf abschließend und nicht ohne Stolz gesagt werden, dass uns unsere Vorgänger in Vorstand und Mitgliedschaft ein in dieser Größenordnung einmaliges Vereinsheim zumindest im Bereich Lehrte/Burgdorf hinterlassen haben, das den Aufwand an Arbeit und Finanzen zur Erhaltung und Ergänzung in jedem Falle lohnt.

In den Protokollbüchern des Vereins geblättert

Die Protokolle von Vorstandssitzungen, Mitglieder- und Jahreshauptversammlungen sind das Geschichtsbuch jeder Vereinigung, wie im vorliegenden Falle des Kleingärtnervereins „Heimatfrieden“ Sehnde. Mündliche Überlieferung verblasst mit der Fluktuation der Mitglieder, was bei den Kleingärtnern nicht nur durch den Wegzug vom Wohnort, sondern auch aus familiären, Gesundheits- und Altersgründen geschieht. Protokolle sind Dokumente, die vor Gericht Bestand haben müssen, die Entscheidungen innerhalb des Vereins begründen, und deren Rettung vor der Vernichtung durch Feuer in diesem Falle eine besonders dankenswerte Tat gewesen ist. Es sei nicht verschwiegen, dass der damalige Schriftführer, Rudolf Strelow, Protokolle und andere Akten im letzten Augenblick dem Feuer entrissen hat, welches am 18. März 1972 das erste Vereinsheim vollständig vernichtete.

Der Kleingärtnerverein „Heimatfrieden“ Sehnde ist in der glücklichen Lage, alle im Laufe der 50 Jahre förmlich niedergeschriebenen Protokolle noch im Besitz zu haben – vom Gründungsprotokoll bis zum heutigen Tage, in dicke Kladden handschriftlich eingetragen. Das dient allerdings nicht unbedingt der Lesbarkeit und muss eben umso aufmerksamer studiert werden.

In den Jahren nach der Gründung des Vereins befassten sich die Protokolle natürlich immer wieder mit der Anpachtung von Land zur Einrichtung einer Kolonie sowie Wahlen zum Vorstand. Die lange Geschichte dieser Bemühungen ist im Kapitel „Landbeschaffung“ dokumentiert und soll hier nur noch angesprochen werden, wenn sich Aspekte ergeben, die im o. a. Kapitel nicht geklärt werden konnten.

In den ersten Jahren sind nicht nur die Mitglieder- und Jahreshauptversammlungen, sondern auch Vorstandssitzungen und Besprechungen an anderem Orte im Protokollbuch festgehalten worden. Die Versammlungen fanden abwechselnd in den damaligen Sehnder Gasthäusern Ehlers (Bahnhofshotel), Plate, Höfer, Bödecker, „Zur Linde“ oder „Deutsches Haus“ statt, soweit diese über die dafür geeigneten Räumlichkeiten verfügten. Vorstandssitzungen dagegen auch schon mal im Clubzimmer des ehemaligen Bürgermeisters Heinrich Pook.

Im Protokoll zur Vorstandssitzung vom 16.05.1949 notierte der 1. Schriftführer Lischke u. a.:

„…Herr Buschmann als 1. Kassierer stellt folgenden Antrag: Ich beantrage hiermit, die Tätigkeit des Gartenfreundes Mollenhauer als 2. Vorsitzender ab sofort ruhen zu lassen und den Fall bei der nächsten Mitgliederversammlung zu beraten. Für Gartenfreund M. ist vorläufig vom Vorstand ein Ersatzmann zu bestimmen, vorbehaltlich der Genehmigung der Mitgliederversammlung.“

Mollenhauer wurde vorgeworfen, eigenmächtig Anpachtungsverhandlungen geführt zu haben. Nach einer Abstimmung ruhten die Pflichten des Mollenhauer bis auf Weiteres und wurden auf den Gartenfreund Karl Klemke übertragen. Dieser wurde am 25.05.1951 zum 1. Vorsitzenden gewählt, verstarb aber schon Ende 1952.

Im Protokoll der Vorstandssitzung vom 19.09.1950 wurde festgelegt, vorerst keinen Beitrag mehr zu erheben, weil bei einem Fehlschlag der Bemühungen um Pachtland und Auflösung des Vereins ein erheblicher Aufwand durch die Rückzahlung des Geldes entstehen würde. Aber schon mit Datum vom 03.10.1951 wurde protokolliert, den Beitrag doch zu erheben.

Am 11.05.1954 wurde beschlossen, dass jedes Mitglied zur bevorstehenden Verlosung der endlich nach jahrelangen Querelen in Aussicht stehenden Gärten zwei Pfähle von 50–60 cm Länge mitzubringen habe und dass ab sofort, mit Rückwirkung ab 1953, regelmäßig Beitrag bezahlt werden müsse, der vorerst auf 3,– DM jährlich festgesetzt worden ist.

Auf der Generalversammlung am 21.05.1954 wurde beschlossen, mit der Aufteilung des Landes noch zu warten und eine weitere Versammlung entscheiden zu lassen. Interessant ist, dass zur Sprache kam, man müsse das Kassenbuch zwecks Nachprüfung regelmäßig zur Kreisverwaltung in Burgdorf schicken. Weiter wurde die neue Beitragsregelung v. 11.05.1954 angesprochen. Man stelle sich die damaligen bescheidenen Verhältnisse vor, denn es wurde für die Nachzahlung des geringen Beitrags auch noch Ratenzahlung eingeräumt.

Auf der Mitgliederversammlung am 20.07.1954 wurden die Gärten nunmehr verlost, wobei durch die Ausgabe von Doppellosen die Möglichkeit eingeräumt wurde, einen Garten neben seinem „Wunschpartner“ zugeteilt zu erhalten. „Die Verlosung ging reibungslos vonstatten, so dass jedes Mitglied sein Recht bekam und keine Differenzen auftraten“, notierte der 1. Schriftführer Dröse.

Auf der Mitgliederversammlung am 03.11.1954 wurde beschlossen, der Kolonie den Namen „HEIMATFRIEDEN“ zu geben und die Hauptwege ebenfalls mit Eigennamen zu belegen. Der heutige Asternweg erhielt den Namen „Karl-Klemke-Weg“ und der Rosenweg den Namen „Wilhelm-Buschmann-Weg“. Erstmals wurde auch das Abonnement des „Niedersächsischen Kleingärtners“ zum Preis von 10 Pf. pro Ausgabe für alle Mitglieder obligatorisch gemacht.

Auf der Vorstandssitzung am 10.12.1954 wurde mitgeteilt, dass die Firma Kali-Chemie für den zu errichtenden Umfassungszaun Material im Werte von 2.000 DM spenden würde und die Zaunpfähle zum Abstecken der Kolonie 84,– DM gekostet hätten. Es war vorgesehen, von jedem Gartenpächter eine Umlage in noch zu beschließender Höhe in Raten zu erheben. Dazu sei gesagt, dass die Kleingärtner in den folgenden Jahrzehnten immer wieder zu solchen Opfern aufgerufen worden sind. Der Umlagebetrag wurde am 17.12.1954 auf 25,– DM, zahlbar in 5 Raten, festgesetzt. Im Übrigen wurde auf jeder Versammlung das Thema „Einfriedung der Kolonie“ angesprochen und dem Gartenfreund (Gfr.) Karl Gieselmann die Verhandlungsführung mit Anbietern übertragen.

Die Mitgliederversammlung vom 27.05.1955 beschloss einen Antrag an die ÜSTRA, eine bei der Gärtnerei Bosenick einzurichtende Bedarfshaltestelle der damals noch ab und bis Hannover verkehrenden Straßenbahn zu beantragen. Damals hatten eben noch die wenigsten Menschen ein Kraftfahrzeug.

Auf der Mitgliederversammlung vom 20.08.1955 wurde angesprochen, die Parzellen nicht zu aufwendig einzurichten, da bei der Weiterverpachtung ein Erlös von höchstens 500,– DM vorgegeben sei. Man war auch damals schon um die Weiterverpachtbarkeit der Parzellen besorgt. Der Versammlung schloss sich ein „Blumenfest“ an, auf welchem Kinder von Gartenbesitzern Lieder und Gedichte vortrugen; bei der heutigen Prinzipienlosigkeit undenkbar. „Hierauf ging es mit Spiel und Tanz bis 1 Uhr, wo der 1. Vorsitzende ‚Schluss der Vorstellung‘ gebot. Eine nette Versammlung hatte ihr Ende gefunden. Viele Gartenfreunde wünschen recht bald eine Wiederholung“, notierte die 2. Schriftführerin Martha Thiele.

Auf der Vorstandssitzung vom 28.12.1955 wurde beschlossen, am 11.02.1956 in der „Linde“ eine „fröhliche Narrenversammlung“ abzuhalten. Außerdem gab es auch schon damals das Problem des exzessiven Befahrens der Wege, und so wurde beschlossen, die Tore ab 28.01.1956 zu verschließen, die Haltestangen zu sichern und Schlüssel bei namentlich genannten Gartenfreunden bereitzuhalten. Außerdem wurde beschlossen, eine Gartenspritze für die Gemeinschaft anzuschaffen, die Geburtsstunde der späteren „Spritzkolonne“ um die Gfr. Höft und Fricke.

Die Mitgliederversammlung vom 11.07.1956 wurde von 66 Mitgliedern besucht. Es sei dazu gesagt, dass in den Protokollen der Anfangsjahre die Anwesenden nur selten zahlenmäßig erfasst worden sind, dass jedoch nach der Vergabe der Gärten die Mitgliederzahl in etwa auf das heutige Niveau herunterging. Es wurde an dem Tag auf Antrag des nunmehrigen 1. Schriftführers Rudolf Strelow beschlossen, eine Vereinsfahne anzuschaffen und einen Fahnenmast aufzustellen.

Strelow hatte auch bemerkt, dass auf allen vorherigen Versammlungen noch nie die Satzung des Vereins vorgelesen und genehmigt worden war. Das wurde nunmehr nachgeholt und diese einstimmig beschlossen. Es darf gleich hinzugefügt werden, dass die Satzung am 09.03.1957 beim Amtsgericht Lehrte eingetragen worden ist und zu diesem Zwecke sich die Gfr. Karl Gieselmann, Willi Vierus, Rudolf Strelow und Wilhelm Schaffner nach Lehrte begaben. Rudolf Strelow erinnert sich, dass man sich nach dem Hoheitsakt der Eintragung einschließlich des ausführenden Gerichtsbediensteten zum Umtrunk in eine Gaststätte begab. Man sprach dabei in erheblichem Maße dem Alkohol zu und erreichte mit Mühe endlich den Lehrter Bahnhof. Da der Zug nach Sehnde schon auf dem Abfahrtsgleis bereitstand, überquerten die fröhlichen Zecher verbotenerweise die Gleise, anstatt den Weg durch den Tunnel zu nutzen. Das erregte bei den Bahnbediensteten erhebliches Aufsehen und führte während der Fahrt nach Sehnde zu einer Durchsuchung des Zuges, um die Übeltäter einer Bestrafung zuzuführen zu können. Diese hatten sich gewitzt im Zuge verteilt, um nicht sofort als die gesuchte Gruppe identifiziert werden zu können, und Strelow erinnert sich dankbar, dass zufällig im Zuge mitfahrende Sehnder Bekannte ihn so in die Mitte nahmen und in ein Gespräch einbezogen, dass er dem Bahnpersonal nicht als einer der „Rechtsbrecher“ auffiel und einer Bestrafung entging. Wie man sich doch schon damals für seinen Verein aufopferte!

Auf der Versammlung vom 11.07.1956 wurde weiter beschlossen, ein Ehrengericht ins Leben zu rufen und die Modalitäten dazu auf der nächsten Jahreshauptversammlung festzulegen. Auf Antrag des Gfr. Höft wurde nun auch noch das erste Ehrenmitglied des Vereins ernannt: Es war dies der später weithin unbekannte Herbert Riehn, der „dank seiner aufopfernden Arbeit beim Aufbau unseres Vereins zum Ehrenmitglied“ ernannt wurde. Riehn stammte offensichtlich aus Thüringen und verzog bald darauf in seine Heimat. Überliefert ist später noch der gelegentliche Versand eines Weihnachtspakets an das in der damaligen russischen Besatzungszone wohnende Ehrenmitglied, das erst aufgrund der Recherchen des Verfassers dieser Arbeit in die Ehrentafel des Vereins aufgenommen werden konnte. Erstmals diskutiert wurde auf der Versammlung auch über die Erhebung eines Geldbetrages für versäumte Pflichtarbeitsstunden zum Wohle der Gemeinschaft. Man gab den „Sündern“ auf Beschluss der Versammlung letztmaligen Aufschub, weil der Aufbau des 1. Vereinsheims anstand, zu welchem jede Hand gebraucht wurde.

Auf der Jahreshauptversammlung am 30.01.1957 wurde nunmehr in geheimer Wahl ein Ehrengericht gewählt. Es setzte sich aus den Gfr. Günter Höft, Fritz Brandes, Josef Krüger, Walter Rommel und Willi Theobald sowie Rolf Warmbold als Ersatzmann zusammen und sollte bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Vorstand und Mitgliedern tätig werden. Das Ehrengericht sollte für drei Jahre amtieren, und es war vorgesehen, Arbeitsrichtlinien für dieses auszuarbeiten. Es ist nicht überliefert, dass diese Instanz jemals ihr Amt ausüben musste. Erstmals wurde auf der Versammlung ein Arbeitsausschuss vom Vorstand berufen, dem die Gfr. Rommel, Wußmann, Sondermann und Westphal angehören sollten, und zum Fachberater wurde Gfr. Günter Höft berufen.

Auf der Mitgliederversammlung am 03.08.1957 wurde erstmals ein Vereinsvergnügen angeregt, für das der 17.08.1957 als Termin festgesetzt wurde. Man bildete auch sogleich einen Festausschuss, dem die Gfr. Krüger, Methke und Schmolze angehören sollten. Es kam weiter zur Sprache, dass die Befreiung von der Arbeitsleistung gegen Zahlung von 1,– DM pro nicht geleisteter Stunde so nicht mehr gehandhabt werden könne. Es gab eben auch schon damals Mitglieder, die sich die immerhin geringe „Ablösesumme“ leisten konnten.

An der Jahreshauptversammlung am 26.10.1957 nahmen 48 „ordentliche Mitglieder“ teil, denen sich ein verspätetes „wahlberechtigtes Mitglied“ um 20:55 Uhr zugesellte, wie das Protokoll vermerkt. Auf dieser Versammlung wurde erstmals vor der Durchführung von Wahlen ein Wahlausschuss gewählt. Mit der JHV im Jahre 1990 wurde darauf wieder verzichtet.

Auf einer Versammlung am 17.01.1958 im Gasthaus „Zur Linde“ wurde die gemeinsame Bekämpfung „unserer Erdratten und Maulwürfe im Gartengelände“ gegen eine Jahresgebühr von 3,– DM pro Garten beschlossen. „Am 15. Februar 1958 soll das übliche Kappenfest gefeiert werden. Der Eintrittspreis beläuft sich auf 1,50 DM pro Person. Mitglieder können einen ihrer Angehörigen mitbringen, Gäste werden nicht geladen“, ist weiter protokolliert. Ein Vergnügungsausschuss wurde gebildet, dem die Gfr. Krüger, Methke und Kuhn angehören sollten.

Man hatte sich weiter vorgenommen, am 08. Juni 1958, „dem 10-jährigen Geburtstag unseres Vereins die Einweihung unseres Vereinshauses zu feiern“, wie das Protokoll vermerkt, was aber letztendlich erst am 15.10.1960 vollzogen werden konnte. Wie auch später probiert, wurde zu diesem Behufe beschlossen, eine Spendensammlung durchzuführen. Man legte sogleich eine Spendenliste auf, „wo jeder einen seinen Verhältnissen angepassten Betrag einzeichnen soll“.

Im weiteren Verlauf der Versammlung wurden sodann 10 Wegeobmänner durch den Vorstand berufen, deren jeder für eine bestimmte Nummernfolge von Gärten zuständig sein sollte.

Die Mitgliederversammlung am 30.05.1958 besprach das „diesjährige Blumenfest“, das am 02. August stattfinden, aber nicht öffentlich sein sollte. Es durften Gäste eingeladen werden, aber „jedes Mitglied ist für die von ihm eingeladenen Gäste voll verantwortlich“.


Auf der Jahreshauptversammlung am 04.10.1958 kam erstmals die Ankündigung der Grundeigentümerin des Vereinsgeländes, Frau Eleonore Bock, zur Sprache, dass diese beabsichtige, das Gelände zu verkaufen. Der Verein wollte alle Mitglieder schriftlich befragen, ob diese und zu welchem Preis bereit seien, ihre Parzelle zu kaufen. Der Verkauf des Geländes erfolgte dann doch erst 15 Jahre später, und der Verein griff beim Preis von 5,– DM pro qm auch dann nicht zu.

Bei einer Mitgliederversammlung am 07.08.1959 wurde wieder das noch heute leidige Thema der Pflichtarbeitsstunden diskutiert. Man wollte in Zukunft die Parzelleninhaber der Nummernfolge nach zur Arbeit einteilen, oder aber pro versäumter Stunde nunmehr 2,– DM pro Stunde einziehen. Weiter wurde beschlossen, die einmalige Umlage beim Eintritt in den Verein von 25,– auf 50,– DM zu erhöhen. Dieser Betrag wurde über Jahrzehnte erhoben und erst zum 01.01.1995 auf 100,– DM verdoppelt. Für den 19. September war wieder ein Blumenfest vorgesehen.

Die Jahreshauptversammlung am 02.12.1960 beschloss, den vormaligen 1. Vorsitzenden des Vereins, Hermann Thiele, zumindest zum (2.) Ehrenmitglied zu ernennen, weil nach einer Diskussion der Vorschlag, diesen zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen, abgelehnt worden war.

Das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 17.03.1961 ist erstmals, sowie viele weitere, vom 2. Schriftführer Helmut Schmolze in feinem Sütterlin niedergeschrieben worden, und erleichtert dem Chronisten nicht gerade das Lesen. Die Versammlung beschloss, vor der Kolonie den noch heute genutzten Parkplatz anzulegen. Der Bauausschuss wurde mit dieser Aufgabe betraut.

Das Protokoll der Mitgliederversammlung am 26.05.1961 vermerkt Worte des 1. Vorsitzenden, Karl Gieselmann, über „üble Gerüchte und die Unkameradschaft im Verein“ und der Gartenfreund B… wiederholte in Abwesenheit des Beschuldigten die Äußerungen, die der Gf. D… ihm gegenüber fallen gelassen hätte. Gfr. Fricke beantragte auf der Versammlung übrigens die Auflösung der Spritzkolonne, worüber der Vorstand aber erst noch beraten wollte.

Laut Protokoll der Mitgliederversammlung vom 01.12.1961 stiftete der Gartenfreund Alfred Kirner dem Verein „eine große Vereinsfahne“ und Gfr. Griepentrog schenkte dem Verein 20,– DM. Rudolf Strelow erinnert sich in diesem Zusammenhang, dass der wenig begüterte Alfred Kirner sich immer wieder einmal bemüßigt fühlte, dem Verein Gutes zu tun. Es wurde beschlossen, dem Ehrenmitglied Riehn, der damals wohl schon in die Ostzone verzogen war, ein Weihnachtspaket im Werte von 25,– DM zu schicken sowie jedem Teilnehmer an der Versammlung ein Würstchen und für 1,– DM Getränke kostenlos zukommen zu lassen. Leider schloss die Versammlung unfriedlich; sie musste nach „heißen Auseinandersetzungen“ vom Vorsitzenden geschlossen werden, wie das Protokoll vermerkt. Es muss zu dieser Versammlung ein Nachspiel gegeben haben, denn der Gartenfreund H… wurde zum 23.01.1962 zwecks Aussprache schriftlich in das Gasthaus „Zur Linde“ gebeten.

Die Mitgliederversammlung am 18.04.1962 wurde erstmals im endlich fertiggestellten 1. Vereinsheim abgehalten und beschloss, „ein Vergnügen starten zu lassen unter dem Motto ‚Tanz in den Mai‘“, vermerkt das Protokoll und schließt: „Es wurden noch einige Themen besprochen, die aber alle unwichtig waren“. Womit man doch so seine Zeit verbringen kann! Die Termine von Veranstaltungen sind in den ersten Vereinsjahren offensichtlich sehr kurzfristig angesetzt worden, und so sollte der Tanz in den Mai schon 12 Tage später, am 30.04., stattfinden.

Auf der Mitgliederversammlung am 20.07.1962 meinte der Vorsitzende Gieselmann, es sei nun die Zeit gekommen, „wo auch die Sehnder Bevölkerung sich in unserem Gelände erfreuen soll“. Es wurde ein Blumen- und Laubenfest für den 18. und 19. August beschlossen, und dieses dürfte die Reihe der öffentlichen Vereinsveranstaltungen begründet haben.

Die Jahreshauptversammlung am 23.11.1962 beschloss, die Anzahl der Pflichtarbeitsstunden auf 25 für das kommende Jahr festzulegen sowie eine Ablösung von 3,– DM pro Stunde für nicht geleistete Arbeit. Es waren nur 26 Mitglieder anwesend, von denen 25 für diese Festlegung stimmten. Es sei schon vorweg gesagt, dass ein Jahr darauf für das Jahr 1964 immerhin noch 20 Arbeitsstunden beschlossen worden sind.

Seit Einrichtung der Kolonie wurde immer wieder über die Entwässerung des nördlichen Teils der Kolonie beraten. Das Ausheben der Gräben um die Kolonie war eine der Maßnahmen, die die Kleingärtner zum Zwecke der Entwässerung durchführten, aber in regenreichen Zeiten standen immer mehrere Gärten in der Nähe des Vereinsheims unter Wasser. Im Frühjahr 1963 setzte die Schneeschmelze so plötzlich ein, dass das Wasser in den Gräben nicht ausreichend abfloss und nur unter spontanem Einsatz mehrerer Mitglieder, die den Graben an der Nordseite öffneten, konnte eine Überflutung des Festplatzes sowie Eindringen des Wassers in das neue Vereinsheim abgewendet werden. (Protokoll v. 15.3.63). In der Versammlung wurde übrigens auch die Anhebung des Jahresbeitrags von sage und schreibe 3,20 DM auf 6,30 DM beschlossen.

Am 06.06.1963 wurde der schlecht besuchte „Tanz in den Mai“ 1963 besprochen und beschlossen, am 17. und 18. August ein Sommerfest zu veranstalten, welche Bezeichnung für die folgenden Feste beibehalten worden ist. Außerdem lehnte der 1. Vorsitzende das Ansinnen von Antragstellern ab, zuviel geleistete Arbeitsstunden auf das kommende Jahr zu übertragen; die verfielen offensichtlich.

Im Jahre 1964 dürfte erstmals eine Weihnachtsfeier beschlossen und durchgeführt worden sein. Laut Protokoll vom 27.11.64 wurde das Höchstalter der Kinder, die vom Weihnachtsmann eine „Süße Tüte“ geschenkt bekommen sollten, auf 10 Jahre festgelegt. Wieder folgte, wie schon der „Tanz in den Mai“ im Jahre 1962, fast unmittelbar auf den Beschluss die Veranstaltung. Man konnte damals eben improvisieren und organisieren!

In der Mitgliederversammlung vom 09.04.1965 teilte der 2. Vorsitzende, Fritz Kuhn, der Versammlung mit, dass der 1. Vorsitzende, Karl Gieselmann, kurzfristig sein Amt niedergelegt habe, worauf Kuhn mit der Führung der Geschäfte auch des 1. Vorsitzenden betraut worden ist. Gieselmann hatte schon vorher seinen Garten aufgegeben und zog sich hiermit aus der Vereinsarbeit zurück. Er nahm aber bis zu seinem Ableben am 11.03.1990 regelmäßig an den Jahreshauptversammlungen teil und wurde dort ebenso regelmäßig mit der Führung des Wahlvorstands betraut.

Es sei nicht verschwiegen, dass Gieselmann nicht gerade ein Mann des Ausgleichs gewesen ist, und so vermerkt das Protokoll vom 04.03.1966 neben der Wahl des vormaligen 2. Vorsitzenden, Fritz Kuhn, zum nunmehrigen 1. Vorsitzenden, auch „heftige Auseinandersetzungen“; nachdem Gieselmann in die Debatte um eine Beitragserhöhung für Mitglieder ohne Garten eingegriffen hatte. Da wollte die Versammlung aber nicht nachtragend sein, und auf Vorschlag von Rudolf Strelow ist der Gfr. Karl Gieselmann gleich noch zum Ehrenmitglied ernannt worden; dem nunmehr dritten.

Die Mitgliederversammlung vom 16.09.1966 beschloss, erstmals eine Tanzveranstaltung zum Erntedankfest durchzuführen und legte den Termin auf den 1. Oktober, 20 Uhr, sowie ein Eintrittsgeld von 1,50 DM fest. Die Kinder sollten sich zu diesem Anlass ab 18:30 Uhr zu einem Laternenumzug treffen. Außerdem gab es wieder die gewohnte „kräftige Diskussion“, diesmal um die Frage einer Erdrattenplage.

Auf der Jahreshauptversammlung am 17.02.1967 wurde u. a., wie schon in den Jahren vorher mit ähnlicher Begründung, der Antrag gestellt, angesichts einer gut gefüllten Vereinskasse „könne der Vorstand einige Runden bewilligen“. Dazu sei gesagt, dass die Einladungen bis zum Jahr 1978 immer mit der Floskel schlossen: „Es wird um pünktliches Erscheinen gebeten.“ Zur Jahreshauptversammlung am 20.11.79 wurde geladen mit der Floskel „Im Anschluss an die Versammlung laden wir Sie zu einem kleinen Imbiss und Umtrunk ein“, welch guter Brauch die regelmäßigen diesbezüglichen Anträge und Abstimmungen überflüssig machte und bis heute beibehalten wird. Die Arbeitsstunden wurden für das Jahr 1967 auf 20 Stunden festgelegt und beschlossen, wieder den „Tanz in den Mai“, das Sommerfest und den Ernteball zu veranstalten.

Die Jahreshauptversammlung vom 29.03.1968 beschloss die Änderung der Satzung, die bis dato bei Wahlen immer die gleichzeitige Wahl des gesamten Vorstands vorsah. Nunmehr stand, wie noch heute gepflogen, alle zwei Jahre nur die Hälfte des Vorstands zur Wahl, was den Vorteil hat, dass bei Neuwahlen immer ein eingearbeiteter „Kern“ von Vorstandsmitgliedern die Neulinge in das Geschäft einweisen kann. Im Übrigen wurde zu diesem Termin die Zahl der Arbeitsstunden auf 15 gesenkt.

Hier ist die korrigierte Extraktion der Seite 65:


Im Jahre 1968 verzichtete man auf die Durchführung des Blumenkorsos anlässlich des Sommerfestes, weil man meinte, zum vorgesehenen Termin nicht genug Blumen zum Schmücken der Wagen zu haben. Der Korso sollte zum Erntefest nachgeholt werden. Leider ist in den Protokollen nicht erwähnt, wann man diesen schönen Brauch eingeführt hat. Der Chronist neigt zu der Ansicht, dass dieser mit der Durchführung des 1. Blumen- und Laubenfestes im Jahre 1962 eingerichtet worden ist.

Im gleichen Jahre „stimmte“ offensichtlich die Kasse, denn man beschloss, am Sonntag, 15.09.1968, einen Ausflug zum Vogelpark Walsrode zu unternehmen, der nur für Mitglieder ohne Garten kostenpflichtig sein sollte. Der Verfasser erinnert sich in dem Zusammenhang an eine Busfahrt zum Safari-Park in Stukenbrock bei Bielefeld im Frühjahr 1981, zu deren Finanzierung pro Person 10,– DM sowie für mitfahrende Kinder ein geringer Unkostenbeitrag erhoben worden ist. Die Zeiten sind lange vorbei! Im Übrigen „verlief die Fahrt (nach Walsrode, d. Verf.) ohne Zwischenfälle, leider hatten wir sehr schlechtes Wetter, was sehr bedauert wurde“, wie das Protokoll am 19.11.1968 vermerkt, und im Jahre 1969 sollte „wieder“ ein Kappenfest veranstaltet werden.

Auf der Jahreshauptversammlung am 03.04.1969 lehnten die Mitglieder eine Teilnahme am Gartenwettbewerb des Bezirksverbands der Kleingärtner mehrheitlich „nach kurzen Meinungsvorschiedenheiten“ ab und ließen sich auch vom anwesenden 1. Vorsitzenden des Bezirksverbands, Hans Anis, nicht umstimmen. Die anschließend verliehenen 10 Silbernen Ehrennadeln des Bezirksverbands nahm man allerdings an.

Die Jahreshauptversammlung (JHV) am 16.04.1971, die mit nur 28 Mitgliedern äußerst schwach besucht war, beschloss, die JHV künftig sonntags abzuhalten. Dieser Beschluss hatte nicht lange Bestand, denn als der Chronist im Jahre 1977 dem Verein beitrat und in allen folgenden Jahren, wurden die JHV jeweils freitags abgehalten.

Im Jahr 1972 fand die Jahreshauptversammlung am 07.04.1972 wieder im Gasthaus „Zur Linde“ statt, weil das Vereinsheim am 18. März 1972 vollständig durch Brand vernichtet worden ist. Man sprach schon gleich über den Neubau eines Hauses und schwor sich Treue zum Verein, um das 25. Jubiläum des Vereins im Jahr 1973 möglichst schon im neuerbauten Heim begehen zu können. Die Zahl der Pflichtarbeitsstunden wurde auf 20 heraufgesetzt, und der vormalige 1. Vorsitzende Karl Gieselmann versprach, sogar 100 Arbeitsstunden abzuleisten. Unter Punkt „Verschiedenes“ sind abschließend „heftige Wortwechsel“ vermerkt. Da keine diesbezügliche Eintragung im Protokoll enthalten ist, nimmt der Chronist an, dass im Jahre 1972 und auch im Jahr 1973 das Sommerfest ausgefallen ist, weil man andere Sorgen hatte.

Am 24. Mai 1974 konnte die Jahreshauptversammlung wieder im Vereinsheim abgehalten werden, welches am 19. Januar desselben Jahres eingeweiht worden war. Es wurde auch wieder ein Sommerfest angekündigt, das zu Ehren des 25. Jubiläums an drei Tagen, vom 14. bis 16. Juni gefeiert werden sollte. Im Übrigen wurde auf der Versammlung die Anhebung des Jahresbeitrags von 12,30 DM auf 24,– DM beschlossen und eine Gebührenliste für die Verleihung des Vereinsheims erstellt. Die Arbeitsstunden wurden auf 10 für das kommende Jahr gemindert, eine Abstandszahlung von 5,– DM pro Stunde und eine Vorauszahlung auf die zu leistenden Stunden in Höhe von 50,– DM beschlossen. Diese Maßnahme ist im Jahre 1978 abgeschafft, im Jahre 1995 allerdings als große Neuigkeit wieder angewendet worden.

Die Jahreshauptversammlung am 26.03.1976 leitete wegen krankheitsbedingter Abwesenheit des 1. Vorsitzenden Fritz Kuhn der am 24.05.1974 neu in den Vorstand gewählte 2. Vorsitzende Günter Plapper. Dieser stellte den Antrag, Fritz Kuhn zum (vierten) Ehrenmitglied zu ernennen, was die Versammlung einstimmig billigte. Die Versammlung beschloss, die Zahl der Arbeitsstunden auf 13 zu erhöhen und die Helfer auf den Sommerfesten nicht mehr zu bezahlen, sondern die Hilfe auf die Arbeitsstunden anzurechnen.

Der 1. Vorsitzende Fritz Kuhn verzichtete auf die Wiederwahl, und neu in den Vorstand hinzugewählt wurde Günter Bartelt zum 1. Vorsitzenden. Auf Vorschlag von H. Kroll wurde (wieder) ein Festausschuss gewählt, der den Vorstand bei der Ausrichtung von Feierlichkeiten entlasten sollte. Mit heutigem Stand hat der Festausschuss nur noch die Aufgabe, für die Tombola anlässlich des Sommerfestes Spenden der Sehnder Geschäftsleute einzusammeln. Es wurde sodann auch noch ein Vergnügungsausschuss gewählt.

Im Übrigen wurde mit dieser Versammlung der Modus geändert und die Jahreshauptversammlungen auf den späten Herbst gelegt, was sich für im jeweils folgenden Jahr gültig werdende Beschlüsse günstiger auswirken würde.

Um diesem Beschluss Genüge zu tun, fand im selben Jahr, nämlich am 26.11.1976, eine weitere Jahreshauptversammlung statt, die der neue 1. Vorsitzende, Günter Bartelt, leitete. Die Arbeitsstunden wurden auf 14 für 1977 bei 70,– DM Vorauszahlung erhöht. Es wurde beschlossen, die Zahlungen an den Verein ab 1977 im Einzugsverfahren abzuwickeln, was eine wichtige und moderne Änderung darstellte. In den Vorjahren hatte der 1. Kassierer nämlich ständig über den zögerlichen Eingang der Zahlungen klagen müssen. Erstmals lud der Vorstand zum Schluss der Versammlung zu Imbiss und Umtrunk, welches Lockmittel in den folgenden Jahren die Abwicklung der Tagesordnung immer beschleunigen half.

Das Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 18.11.1977 bietet auf den ersten Blick ein ganz neues Schriftbild. Auf der Versammlung fand bei den Schriftführern ein Generationswechsel statt; dem ausscheidenden 2. Schrift- und somit Protokollführer Helmut Schmolze folgte der 20 Jahre jüngere Eckhard Müßigbrodt, Verfasser dieser Chronik. Das feine Sütterlin wich den nüchternen lateinischen Buchstaben, aber auch der Inhalt der Protokolle wurde erweitert. Müßigbrodt fasste von Anfang an die Protokolle auch als Geschichtsbuch des Vereins auf und protokollierte ausführlicher als seine Vorgänger.

Zu berichten gibt es von dieser Versammlung, dass laut Protokoll dem langjährigen 1. Schriftführer Rudolf Strelow am 7./8.5.77 auf dem Landesverbandstag der Kleingärtner in Cuxhaven die „Goldene Ehrennadel“ des Landesverbandes verliehen worden ist. Eine Ehre, die im Jahre 1983 auch dem 1. Kassierer Helmut Kroll widerfuhr sowie im Jahre 1998 für Hans Huszar und Eckhard Müßigbrodt vorgesehen ist. Weiter wurde auf dieser Versammlung die Vorauszahlung auf die zu leistenden Arbeitsstunden abgeschafft, der Stundensatz allerdings bei 12 Arbeitsstunden von 5,– DM auf 8,– DM pro Stunde erhöht. Dieser wurde in der Folge nachträglich für nicht abgeleistete Stunden erhoben und schon im Jahre 1980 auf 10,– DM pro Stunde weiter erhöht.

Im Jahre 1978 sind erstmals Vertreter der Gemeinde Sehnde und der Kali-Chemie anlässlich des Sommerfestes ausdrücklich eingeladen und im Rahmen des Möglichen vom Verein bewirtet worden. Das sollte der Erhaltung einer guten Atmosphäre zwischen Kleingärtnern und Gemeinde sowie Industrie dienen, wurde aber von etlichen Mitgliedern argwöhnisch zur Kenntnis genommen und war auch Gegenstand einer Anfrage auf der JHV am 05.11.1982.

Dieses, sowie die Forderung der Gemeinde Sehnde nach einer jährlichen Grundsteuerzahlung in Höhe von über 900,– DM sowie eine Nachzahlungsforderung in Höhe von 3.600,– DM, wurde von der Jahreshauptversammlung am 17.11.1978 protokolliert. Die Gemeinde Sehnde erließ dem Verein später die Nachforderung, und für die Grundsteuer wurde seitens der Gemeinde ein Zuschuss in fast gleicher Höhe gezahlt. Die Familie des 2. Vorsitzenden Günter Plapper hatte in dem Jahre eine prächtige Erntekrone gefertigt, die nach dem Erntefest der Gemeinde Sehnde übergeben und in der Empfangshalle des Rathauses aufgehängt worden war. Im Herbst 1982 fertigte Frau Christel Skarba eine neue Erntekrone, die noch heute das Büro im Vereinsheim ziert. Erstmals wird auch protokolliert, dass sich der Versammlung ein Imbiss und Umtrunk anschloss, so dass die jährlichen Anträge und Abstimmungen über die Runde Freibier entfallen konnten.

Die Mitgliederversammlung am 15.06.1979 wurde einzig zu dem Zweck einberufen, das Problem der Tierhaltung auf den Parzellen sowie die Verschmutzung der Wege mit Hundekot zu besprechen. Es wurde eine Tierhaltungssatzung beschlossen und mit großer Mehrheit verabschiedet. Alle Tierhalter mussten schriftlich um Genehmigung der Tierhaltung nachsuchen. Das mit Querelen beschwerte Problem der Tierhaltung ließ der spätere Vorstand unter dem 1. Vorsitzenden Hans Huszar auslaufen, indem man die Tierhaltung, die nur wenige Pächter betrieben, nach deren Ausscheiden aus dem Verein nicht mehr erlaubte.

Im Jahre 1981 wurden vom Verein zwei Gemeinschaftsfahrten durchgeführt. Man fuhr im Frühsommer in zwei Bussen zum Safari-Park Stukenbrock bei Bielefeld, den Externsteinen und dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald, und im Sommer mit der Bahn nach Kassel zum Besuch der Bundesgartenschau. Auf der Jahreshauptversammlung vom 13.11.1981 gab der Vorstand bekannt, dass mit dem Sommerfest 1981 die schöne Tradition der Höhenfeuerwerke wegen der Haftungsbedingungen abgebrochen werden solle. Außerdem sollten das Kappenfest und die Veranstaltung zum Vatertag in Zukunft wegen zu geringer Resonanz fortfallen, das Kappenfest aber auch wegen der unkalkulierbaren Witterungsbedingungen im Februar und der hohen Heizkosten im Winter. Die Tradition der Vatertagsveranstaltungen lebte später wieder auf, als der Bezirksverband jährlich wechselnd diese jeweils an einen Verein zur zentralen Ausrichtung vergab.

Hier ist die Korrektur und Aufbereitung von Seite 67, die unter anderem die Gründung der „Silberdistel“ und die Einführung des Boßelturniers dokumentiert:


Auf der Jahreshauptversammlung am 05.11.1982 wurde eine neue, vom Landesverband der Kleingärtner ausgearbeitete Satzung des Vereins diskutiert und per Abstimmung angenommen. Neu war mit dieser Satzung, dass das Pachtjahr vom 01.11. bis 31.10. eines jeden Jahres lief. Diese Satzung genügte anscheinend schon 12 Jahre später nicht mehr den Anforderungen und wurde am 15.11.1994 durch eine neue, vom Bezirksverband der Kleingärtner ausgearbeitete, unter Abschaffung der Mitgliedsbücher ersetzt.

Im Jahre 1983 führte man aufgrund schlechter Erfahrungen bei der Neuvergabe von Gärten ein vertraglich geregeltes Probejahr ein. Dem Verfasser ist nicht erinnerlich, dass aufgrund dieses Zusatzvertrages auch nur eine Parzelle vorzeitig seitens des Vereins gekündigt worden ist, und so wurde diese Regelung ab Anfang der 90er nicht mehr angewendet. Am 05.12.1983 ist ein Zusammenschluss von Frauen Vereinsangehöriger unter dem Namen „Silberdistel“ feierlich mit Gründungsurkunde gebildet worden, der in den Folgejahren durch Initiativen wie Ostereiersuchen, Kuchenbacken für die Feste, Veranstaltung von Grillabenden aber auch Handreichungen zur Vorbereitung der Feste durchaus zur Bereicherung des Vereinslebens beigetragen hat. Mit dem Ausscheiden der Initiatorin, Frau Christel Skarba, aus dem „aktiven“ Gärtnerleben, blich diese Vereinigung bald dahin.

Im Jahre 1984 wurde auf Anregung des 1. Kassierers Helmut Kroll und nach Abstimmung auf der wegen einer erneuten Satzungsänderung erforderlich gewordenen Mitgliederversammlung am 13.04.1984 erstmals das inzwischen schon zur Tradition gewordene Skat- und Kniffelturnier veranstaltet. Ebenfalls im Jahre 1984 ist auf Initiative eines Interessentenkreises die Tradition des Boßelturniers eingeführt worden. Am ersten Samstag im Oktober, dem 06.10.1984, fand das erste Boßelturnier in unserer Kolonie statt, „das trotz schlechten Wetters gut besucht war“, notierte der Protokollführer anlässlich der JHV am 09.11.1984. (Die Schirmherrschaft für diese Veranstaltung übernahm übrigens bis zu seinem Rücktritt als Ortsbürgermeister der allseits beliebte Hans Reineke.) Helmut Kroll verteilte auf dieser Versammlung den Text unseres Vereinsliedes und stimmte es an. Das Lied verschwand aber wieder in der Versenkung, und der Text ist heute für den Chronisten unauffindbar.

Auf der Jahreshauptversammlung am 19.11.1985 beschloss man, das Erntefest mit Festball wegen zu geringer Resonanz in Zukunft nicht mehr durchzuführen. Infolge Einbrüchen mit großem Schaden in das Vereinsheim im Winter 1984/85 kündigte die Versicherung die Verträge und genehmigte Neuabschlüsse nur gegen erhebliche Aufschläge sowie verstärkte Sicherung des Hauses. Auf dieser Versammlung wurde die geldliche Ableistung der Arbeitsstunden auf den heute noch geltenden Stundensatz von 15,– DM festgelegt. Dass der Verein der Müllabfuhr des Landkreises angeschlossen ist und Gebühren bezahlt, ist auch nicht so neu. Der 1. Vorsitzende Bartelt gab bekannt, dass der Verein in 1985 Müllabfuhrgebühren für zwei Haushaltseinheiten entrichten musste. Der Antrag eines Mitglieds, die Parzellen ebenfalls an die Müllabfuhr anzuschließen, fand aus naheliegenden Gründen keine Mehrheit.

Mitte 1986 wurde aus dem Chronisten nicht eindeutig ersehbaren Gründen am 18. Juli eine zusätzliche Mitgliederversammlung abgehalten, die er auch nicht als 2. Schriftführer protokollierte. Die Versammlung beschloss einen Katalog der Spesen, die Vorstandsmitglieder anlässlich „Dienstreisen“ auf Kosten der Vereinskasse erstattet erhalten sollten. Es sei dazu gesagt, dass diese Sätze in der Tat jahrelang eingehalten und abgefordert worden sind, der derzeitige Vorstand aber schon seit Jahren, bis auf eine Telefon-Pauschale, auf die Erstattung von eigentlich im Interesse des Vereins entstandenen Kosten verzichtet.

Auf der Versammlung wurde der schon im Vorjahr angekündigte Antrag auf Anschaffung eines leistungsfähigen Gartenhäckslers für den Verein mit großer Mehrheit abgelehnt. Im Jahre 1986 verzichtete man erstmals auf das Engagement einer Musikkapelle für den Festball anlässlich des Sommerfestes. Auf der JHV am 18.11. des gleichen Jahres wurde über den Anschluss der Parzellen an die Stromversorgung der HASTRA diskutiert und abgestimmt, wobei der Vorstand von der Mehrheit der Anwesenden beauftragt wurde, Angebote einzuholen. Es sei aber schon vorweg gesagt, dass diese Initiative im Sande verlief, obwohl im Frühjahr 1987 eine Fragebogenaktion des Vereins durchgeführt wurde und auf der JHV des Jahres 1987 nochmals, diesmal allerdings mit negativem Ausgang, abgestimmt worden ist. Im Jahre 1996 meldete sich wieder eine Firma, die die Kolonie mit Strom versorgen wollte, welche Initiative ebenfalls wegen des zu geringen Interesses seitens der Unterpächter vergeblich war.

Hier ist die extrahierte und korrigierte Fassung der Seite 70. Diese Seite ist besonders ereignisreich – von großen Vorstandswechseln über „kreative“ Toröffnungen bis hin zu einem dramatischen Abgang des Kassierers:


Die Jahreshauptversammlung am 17.11.1987 ergab große Veränderungen im Vorstand. Der 1. Vorsitzende Günter Bartelt und der über Jahrzehnte gediente 1. Schriftführer Rudolf Strelow gaben ihre Ämter auf. Zum 1. Vorsitzenden wurde der schon vorher als 2. Vorsitzender amtierende Hans Huszar, und zum 1. Schriftführer der ebenfalls schon als 2. Schriftführer amtierende Eckhard Müßigbrodt gewählt; beide üben ihre Ämter zum jetzigen Zeitpunkt noch aus. 2. Vorsitzender wurde Martin Niedenzu und 2. Schriftführerin Frau Angelika Fritz. Der neue Vorstand führte sich gleich mit einer Erhöhung des Jahresbeitrags ein, welcher von 24,– DM auf 36,– DM geändert wurde.

Das Erntefest im 40. Jubiläumsjahr 1988 wurde nur noch intern gefeiert und war von immerhin 90 Gästen besucht. Auf der Jahreshauptversammlung am 15.11.1988 wurde der langjährige Schriftführer, der um das Kleingartenwesen in Sehnde verdient gemachte Gartenfreund Rudolf Strelow, zum (fünften) Ehrenmitglied ernannt. Die langjährigen Mitarbeiter im Arbeitsausschuss, Harry Droeger und Willy Datschkus, wurden zwar dieser Ehrung nicht teilhaftig, aber immerhin mit großem Beifall in den „Ruhestand“ verabschiedet.

Das Protokoll der Jahreshauptversammlung am 21.11.1989 erwähnt erstmals als durchzuführende Maßnahme für das Jahr 1990 das Renovieren und Tapezieren des Büros im Vereinsheim. (Der Chronist wartet nun allerdings schon seit 8 Jahren auf das Jahr 1990). Ebenfalls für das Jahr 1990 wurde die Fragebogenaktion betreffend den gewünschten Arbeitseinsatz angekündigt, welche Maßnahme immer noch zu Beginn eines jeden Jahres durchgeführt wird. Weiter wurde auf der Versammlung über einen Antrag abgestimmt, Gartenpächtern im Alter von mehr als 65 Jahren die Pflichtarbeitsstunden zu erlassen. Dieser wurde abgelehnt, kam aber auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 12.04.1991 wieder auf den Tisch. Nach längerer Diskussion einigte man sich darauf:

„Gartenpächter im Alter von 70 und mehr Jahren oder zu 80 % schwerbeschädigte Pächter können auf schriftlichen Antrag von den Pflichtarbeitsstunden und der Zahlung des Ausgleichs befreit werden.“

Diese Bestimmung wird vom Vorstand allerdings sehr restriktiv gehandhabt und kam bisher nur ganz wenigen Unterpächtern zugute. Weiter wurde auf der JHV am 21.11.1989 eine erneute Anhebung des Jahresbeitrags auf nunmehr 50,– DM beschlossen sowie ausgiebig über das leidige und uralte Thema des Befahrens der Wege mit Kraftfahrzeugen diskutiert.

Dieses wurde auf der JHV am 20.11.1990 wieder aufgegriffen: Der Vorstand stellte seinen Antrag, die Tore in Zukunft halbseitig mittels Vorhängeschlössern verschlossen zu halten und Schlüssel nur bei Nachweis unabdingbarer Fahrten auszugeben, zur Diskussion. Diese wurde ausgiebig geführt und endete mit der Zustimmung von über 90 % der Anwesenden. Es sei vorweg gesagt, dass dieser Beschluss bald verwässert wurde, weil viele Mitglieder ständig „unabdingbare Fahrten“ im Gartengelände durchzuführen hatten und die „Hüter der Schlüssel“ die ständige Abforderung von Schlüsseln bald leid waren. Ganz gewiefte Zeitgenossen hoben außerdem die Tore mitsamt der Haltestangen aus den Scharnieren und hatten so auch ohne Schlüssel „freie Fahrt“. Der Vorstand hatte die Erfindungsfähigkeit der Mitglieder unter- und die Leidensfähigkeit der Schlüsselverwalter überschätzt!

Unvergessen bleibt den Teilnehmern der Versammlung allerdings der spektakuläre Abgang des 1. Kassierers. Dieser war bei der Abstimmung seines Antrags, Mitgliedern ohne Garten einen ermäßigten Jahresbeitrag einzuräumen, unterlegen. Daraufhin fertigte er an Ort und Stelle seine Austrittserklärung, legte also die Mitgliedschaft im Verein sowie sein Amt spontan nieder, griff sich seine Unterlagen sowie den Mantel und stürmte aus dem Saal. Der 2. Kassierer wurde von der Versammlung mit der Führung der Geschäfte beauftragt, und auf der schon erwähnten außerordentlichen Mitgliederversammlung am 12.04.1991 wurde Alfons Scheithauer zum 1. Kassierer gewählt. Erstmals ist im Jahre 1990 bei Neuwahlen auf die Wahl und Einsetzung eines Wahlausschusses verzichtet worden.

Im Jahre 1991 wurde auf den Ball zum Erntedankfest erstmals verzichtet, weil die Resonanz immer geringer geworden war. Außerdem kam auf der JHV am 19.11.1991 wieder einmal das Thema „Stromanschluss der Parzellen“ zur Sprache, wurde aber durch Vergessenlassen erledigt. Ein Gartenfreund „hakte“ auf der JHV des folgenden Jahres nochmals nach, aber der Vorstand fühlte sich in dieser Frage überfordert.

Im Jahre 1992 ist der schon länger im Gespräch gewesene Gartenschredder mit Motorantrieb bestellt und 1993 geliefert worden. Dafür fiel erstmals und endgültig der „Tanz in den Mai“ wegen immer geringerer Beteiligung sowie unmittelbarer Konkurrenz durch Einführung des Zeltfestes auf dem Sehnder Schützenplatz aus, und es wurde der „Maischoppen“ am 1. Mai neu in die Festfolge aufgenommen.

Auf der Jahreshauptversammlung am 17.11.92 brachte der Pächter des Gartens Nr. 18, wie schon im Vorjahr, das Problem der regelmäßigen Überschwemmung seiner Parzelle nach starken Regenfällen oder infolge der Schneeschmelze zur Sprache. Dieses war nicht neu, dem Vorstand wie auch vorherigen Vorständen bekannt, und so wurde Anfang 1994 dem Unterpächter das Angebot eines Tausches der Parzelle und Bezahlung einer Ablöse durch den Verein unterbreitet, das dieser annahm. Weil auch der Pächter des Gartens Nr. 19 seine Parzelle aufgab, sind beide Gärten nicht mehr weiterverpachtet, sondern in ein „Freizeitparadies“ mit großem Teich, der überschüssiges Wasser speichern soll, umgewandelt worden.

Im Jahre 1993 wurde der Anschluss der Kolonie an die Abwasserringleitung der Gemeinde Sehnde erstmals zum Thema, wenn auch noch nicht zwingend, wie bald darauf, und der dazu geladene Ortsbürgermeister Friedel Simon stellte auf der Jahreshauptversammlung am 16.11.93 Denkmodelle für den Anschluss vor. In dem Jahr verlangte die Kreissparkasse Hannover erstmals für den Einzug der Gelder des Vereins zu Anfang 1994 den Einsatz eines Datenträgers in Form einer auf PC bespielten Norm-Diskette. Für die Zukunft kann also nur noch derjenige Unterpächter zum Kassierer gewählt werden, der einen PC im Hause hat und bereit ist, diesen auch für Zwecke des Vereins zu nutzen. Dasselbe widerfährt allerdings auch einem zukünftigen 1. Schriftführer, weil dessen Arbeit ohne PC kaum noch denkbar ist und vom derzeitigen Amtsinhaber schon seit 4 Jahren mit Hilfe eines solchen abgewickelt wird. Die vorliegende Festschrift hätte ohne den Einsatz eines Computers gar nicht gestaltet werden können.

Im Jahre 1994 wurde das Thema der Vorauszahlung des Entgelts für nicht geleistete Arbeitsstunden wieder aufgegriffen. Die Jahreshauptversammlung am 15.11.94 beschloss die sofortige Wiedereinführung dieser Maßnahme, die 1977 schon einmal eingestellt worden war. Auf dieser Versammlung wurde wieder einmal eine neue, diesmal vom Bezirksverband der Kleingärtner Lehrte redigierte Satzung beschlossen, die zusammen mit dem Unterpachtvertrag und der Gartenordnung in Zukunft anstatt eines Mitgliedsbuchs in Lose-Blatt-Ausführung neuen Unterpächtern ausgehändigt wird.

Am 30.06.95 war eine außerordentliche Mitgliederversammlung erforderlich, weil der Landkreis Hannover nunmehr den Anschluss des Vereinsheims an die Abwasserringleitung der Gemeinde forderte. Vor 52 anwesenden Mitgliedern kam zu dem Thema auch der eingeladene Ortsbürgermeister Friedel Simon zu Wort. Da man davon ausgehen musste, dass alle erforderlichen Arbeitsmaßnahmen durch den Verein finanziert werden müssten, wurde allerdings die meiste Zeit zur Diskussion der Finanzierungsmöglichkeiten und -modalitäten benötigt.

Es wurden Umlage-Modelle erörtert, weil klar war, dass die ins Gespräch gekommenen Beträge niemals aus der Vereinskasse bezahlt werden konnten und die Aufnahme eines diesbezüglichen Kredits sich für den Verein verbot. Man war sich einig, dass die Gemeinde Sehnde die Maßnahme auf jeden Fall vorfinanzieren müsse; und wie an anderer Stelle schon gesagt, fand man schließlich zu anderer Zeit die Lösung, dass die Gemeinde Sehnde die Kosten der Leitung bis zum Vereinsheim und der Verein die Kosten der notwendigen Abwasserpumpe sowie alle Installationen und Baumaßnahmen um das Vereinsheim herum übernahm. Das kostete den Verein 20.000,– DM, bedeutete eine in dessen jüngerer Geschichte einmalige finanzielle Kraftanstrengung und war das Ende aller Rücklagen.

Da man aber gerade bei den Finanzen war, verlas der 1. Vorsitzende, Hans Huszar, einen an den Verein gerichteten Brief der Gemeinde Sehnde, in der diese eine mehrstufige erhebliche Anhebung der Pacht für die Kolonie androhte, die wenig später nach Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung in etwas abgemilderter Form auch wirksam wurde.

Im Winter 1995/96 wurden als Defensivmaßnahme wieder die Tore an den Hauptwegen abgeschlossen, welche Maßnahme in den folgenden Wintern wiederholt wurde. Weiter haben in diesem Winter die Gartenfreunde Erwin Bock und Dirk Hähnel in monatelanger Arbeit das Gerätehaus zu einem schmucken Haus für kleine Veranstaltungen umgebaut. Die Gemeinde Sehnde ließ in dem Winter von einer Firma die Abwasserleitung im Asternweg verlegen, und im Jahre 1996 wurde die erste Stufe der Pachtanhebung, eine Verdoppelung der bisherigen Zahlung, wirksam. In dem Jahre wurde die Abwasserpumpe installiert sowie der Teich in den Gärten Nr. 18 und 19 ausgehoben.

Es stellte sich im Jahr 1996 immer dringender die Frage, ob der Aufwand zur Ausrichtung des Sommerfestes in der überlieferten und schon vorher immer weiter abgespeckten Form wegen immer geringerer Resonanz überhaupt noch lohnt. Über diese Frage soll nach dem Sommerfest 1998 und den Festlichkeiten anlässlich des 50. Jubiläums neu nachgedacht werden.

Auf der Jahreshauptversammlung am 08.11.1996 wurde die Anhebung der Pflichtarbeitsstunden auf 15 Stunden für die Jahre 1997 und 1998 beschlossen. Der 1. Vorsitzende stellte weiter das Angebot der Fa. Wienecke, Sehnde, vor, alle Parzellen der Kolonie mit Strom zu versorgen. Erstmals zeichnete sich größeres Interesse für eine solche Maßnahme ab, denn der Preis für die Ausführung bis an die Pforten der Parzellen erschien ungewöhnlich günstig. Eine weitere Mitgliederversammlung am 04.04.1997, wiederum in Gegenwart von Vertretern der Fa. Wienecke, befasste sich nur mit diesem Thema. Es war vorgesehen, eine Strominteressenten-Gemeinschaft zu bilden, die unabhängig vom Vorstand des Vereins die Stromanlage und die Abrechnung mit Firmen sowie der HASTRA besorgen sollte. Zu dem Zeitpunkt waren 25 Unterpächter definitiv für die Stromversorgung der Parzellen, 25 dagegen und 20 hatten ihre Meinung nicht geäußert. Die Fa. Wienecke versprach die Ausarbeitung einer abgespeckten Version der Stromversorgung, was bis Ostern 1998 noch nicht erfolgt ist.

Im Jahre 1997 ist die Fassade des Vereinsheims renoviert und mit einer Schicht Kunstharzputz versehen worden, die dem Haus ein strahlendes Weiß vermittelt hat. Die fast schon der Fäulnis preisgegebenen Fensterrahmen aller Fenster im Vereinsheim wurden gestrichen und die Fensterhöhlen farblich auf die Rahmen abgestimmt. Die Außentoiletten mussten infolge der geänderten Abwasserabführung baulich verändert werden, und die Wände sowie Fußböden derselben wurden teilweise neu verfliest.

Am 14.07.1997 ist erneut eine Frauengruppe innerhalb des Vereins gebildet worden, welche sich sporadisch trifft, und die sogleich beim Sommerfest am 16. u. 17.08.1997 u. a. im Rahmen der Kinderbelustigung aktiv geworden ist.

Auf der Jahreshauptversammlung am 14.11.1997 wurde von den Anwesenden eine Sonderumlage in Höhe von 30,– DM beschlossen, die der Mitfinanzierung der Jubiläumsveranstaltung aus Anlass des 50. Jubiläums des Vereins dienen soll.

Der Verfasser hofft, mit den Auszügen aus den Protokollen der vergangenen 50 Jahre nicht nur eine Geschichte des Vereinslebens geliefert zu haben, sondern hofft weiter, die eine oder andere Maßnahme oder Gruppierung im Verein nicht nur einfach der Vergessenheit entrissen zu haben, sondern dass die Kenntnis davon zum Nachdenken über Neuanfänge anregt. Mögen nachfolgende Generationen von Kleingärtnern anlässlich weiterer Jubiläen dereinst wieder einen Chronisten finden, der die hier vorliegende Geschichte des Kleingärtnervereins „Heimatfrieden“ Sehnde weiterzuschreiben in der Lage ist!

Hier ist die extrahierte und korrigierte Fassung der Seite 73, die den Beginn eines neuen Kapitels über die Festkultur des Vereins markiert:


Feste, Veranstaltungen und Ausflüge der Sehnder Kleingärtner

Zu einem richtigen Verein gehört auch eine richtige Feier! Natürlich gibt es Vereine, deren Selbstzweck nicht unbedingt darauf ausgerichtet ist, Feste zu feiern, aber zumindest bei den Kleingärtnern bietet sich aufgrund ihres Selbstverständnisses und aus Tradition über den Jahreslauf eine Festesfolge an. So werden die Kleingärtner sicher den Mai in irgendeiner Form begrüßen, sie werden ein Sommer- oder Blütenfest feiern, und sie werden im Herbst den Erntedank nicht vergessen.

Die Kleingärtner im Kleingärtnerverein „Heimatfrieden“ Sehnde waren, wie wir noch sehen werden, um die Erfindung von Festen und Anlässen zum Feiern im Laufe ihrer 50-jährigen Geschichte nicht verlegen. Man verstand zu feiern und feierte gerne, wie die letzten der seit mindestens den 60er Jahren aktiven Gärtner noch in Erinnerung haben. Es sei dabei allerdings daran erinnert, dass den Sehnder Kleingärtnern erst mit dem Bau der „Baracke“ im Jahre 1962 ein eigenes Vereinsheim zur Verfügung stand, das als erstes der später folgenden Feste den „Tanz in den Mai“ am 03.04.1962 erlebte. Vorher nutzte man zum Feiern die Säle der Sehnder Gastronomie. Stand nach der Gründung in schlechter Zeit im Jahre 1948 der Gedanke der Einrichtung einer Kolonie im Vordergrund und musste bei den Sehnder Kleingärtnern besonders lange gehegt werden, so war schon bald nach der Einrichtung der Kolonie Ende 1954, im Jahre 1955 das erste Fest fällig.

Am 20. August 1955 feierte man erstmals in der Vereinsgeschichte – wie sollte es bei Kleingärtnern auch anders sein – ein „Blumenfest“. Leider vergaß der Protokollführer die Angabe der Gaststätte, in der dieses veranstaltet worden ist, aber der Verfasser neigt zu der Ansicht, dass man sich zu diesem Zwecke im Gasthaus „Zur Linde“ versammelt hatte.

Vor der Feier kam allerdings die Pflicht. An dem Tage hatten sich bis 18:15 Uhr 137 Personen eingefunden, um an der „ordentlichen Mitgliederversammlung“ teilzunehmen, die dem Blumenfest vorausging. Der damalige 1. Vorsitzende, Hermann Thiele, eröffnete die Versammlung und ließ dann erst einmal die Jugend zu Wort kommen. Horst Winnefeld sprach den Eingangsprolog „Natur“ von J.W. Goethe. Dann wurde „heftig debattiert“, und nach einem weiteren zu besprechenden Thema gab es „wieder ein recht scharfes Duell zwischen Vorstand und Gartenfreunden“, wie die Protokollführerin Martha Thiele vermerkte, um fortzufahren: „Zum Abschluss des geschäftlichen Teils sprach Vorsitzender Hermann Thiele noch die netten Verse von Goethe ‚Zum Lichte empor!’“ Man hatte damals eben noch Stil beim Debattieren und beim Feiern!

Dann konnte mit frohem Sinn gegen 20:30 Uhr zum Vesper geschritten werden. Zum Auftakt unseres Blumenfestes kamen unsere kleinen Gartenfreunde Karl-Heinz Gieselmann auf dem Akkordeon, Bärbel Schaletzki, Edelgard Lauenstein und Karin Fricke mit hübschen Gedichten zu Worte. Hierauf ging es mit Spiel und Tanz bis 1 Uhr, wo der 1. Vorsitzende „Schluss der Vorstellung“ gebot. Eine nette Versammlung hatte ihr Ende gefunden. „Viele Gartenfreunde wünschen recht bald eine Wiederholung“, protokollierte Martha Thiele von der ersten Gemeinschaftsveranstaltung der Sehnder Kleingärtner.

Dem Wunsch der Gartenfreunde wurde bald entsprochen, und so fand am 11.02.1956 eine „Fröhliche Narrenversammlung“ im Gasthaus „Zur Linde“ statt. Diese „Versammlung“ begründete die Reihe der Faschingsvergnügen, wobei nicht überliefert ist, ob diese nach der ersten Veranstaltung in jedem folgenden Jahr stattgefunden haben. Zumindest im Jahre 1958 wurde nach einer Niederschrift vom 15.01.1958 ein „Kappenfest“ veranstaltet, das wohl die Tradition, aber nicht den Namen der „Fröhlichen Narrenversammlung“ fortführte.

Am 17.08.1957 veranstaltete man das erste „Vereinsvergnügen“ im Sommer, das wiederum im Saale stattfinden musste, weil man noch kein Vereinsheim und damit keine Versammlungsstätte hatte. Es wurde auch sogleich ein „Festausschuss“ gebildet, der in den ersten Jahren die Aufgabe hatte, Feste zu organisieren und durchzuführen. Dieser Ausschuss dürfte irgendwann seine Arbeit eingestellt haben bzw. wurde nicht mehr aufgestellt, denn im Jahre 1976 wurde ein solcher wieder (einmal) neu eingerichtet, zu welchem in dem Jahre auch gleich noch ein „Vergnügungsausschuss“ hinzukam.

Im Jahre 1958 wurde am 2. August auch wieder ein „Blumenfest“ gefeiert, das (noch) nicht öffentlich zugänglich war.

Hier ist die extrahierte und korrigierte Fassung der Seite 76:


Vom Jahre 1962 ist der erste „Tanz in den Mai“ überliefert, der im erst im Januar eingeweihten ersten Vereinsheim am 30. April veranstaltet worden ist. Es ist nicht überliefert, ob diese Veranstaltung schon der Öffentlichkeit zugänglich war, das bald darauf folgende „Blumen- und Laubenfest“ am 18. und 19. August war es jedenfalls auf ausdrücklichen Wunsch der Vereinsleitung. Der „Tanz in den Mai“ im Jahre 1963 stand Mitgliedern, Partnern und von diesen geladenen Gästen frei. Beim Maitanz im Jahr 1964 wurde laut Einladung „nach mechanischer Musik“, im Jahr 1965 nach Schallplattenmusik getanzt, und 1966 spielte erstmals eine Dreimann-Kapelle. In dem Jahre wurde beim Maitanz sogar eine Tombola veranstaltet.

Der Maitanz ist über die Jahrzehnte regelmäßig veranstaltet worden, wobei evtl. die Jahre 1972 und 1973 eine Ausnahme bildeten, in welchen man (wieder) kein Vereinsheim hatte, und man gönnte sich dazu noch bis Mitte der 80er Jahre in der Regel eine Musikkapelle. Diese Art der Musikbegleitung wurde dann einfach zu teuer, und bis zum Jahr 1992 legte daraufhin ein Disk-Jockey Platten auf. Im Jahre 1993 verzichtete man wegen der Konkurrenz des Zeltfestes auf dem Sehnder Schützenplatz und anderer Veranstaltungen in der Umgebung ganz auf den „Tanz in den Mai“. Es wird seitdem am 1. Mai ein „Maischoppen“ im Freien angeboten, der sich über die Jahre und bei gutem Wetter eines gewissen Zuspruchs erfreute.

Ab 1963 wurden dann die öffentlichen „Sommerfeste“ gefeiert. Diese Tradition wurde am 17. und 18. August 1963 begründet und ist den letzten „Überlebenden“ der Gründergeneration noch in bester Erinnerung. Als der Verfasser 1977 in den Verein eintrat und eine Parzelle übernahm, wurde das Sommerfest an zwei Tagen, jeweils Sonnabend und Sonntag, bei überragendem Publikumszuspruch gefeiert. An beiden Tagen war abends Tanz im Vereinsheim, wobei der am Sonntag gegen 24 Uhr, und damit das Sommerfest beendet war.

Im Jahr 1964 wurde erstmals anlässlich des Sommerfestes eine Tombola veranstaltet, welche heute noch das Sommerfest bereichert, und im Jahre 1965 ist erstmals das Höhenfeuerwerk am Sonntagabend nachweisbar. Die Feuerwerke sowie die Darbietungen des Kaspertheaters, gespielt vom unvergesslichen Emil Schmidt, dessen Theaterfiguren leicht „sächselten“, waren in den ersten Jahren die Höhepunkte der Veranstaltungen am Sonntagnachmittag bzw. -abend. Eine unübersehbare Menge von Kindern saß auf Stühlen vor der Kasperbühne und freute sich natürlich auch schon auf den am Ende der Vorstellung folgenden „Bonbonregen“, der sich vom Dach des Vereinsheims auf die Kinder ergoss, wie sich abends zum Feuerwerk nochmals eine ebensolche Menschenmenge auf dem Festplatz drängte.

Überhaupt wurde für die Kinder gesorgt. Kindervergnügen war nämlich an beiden Festtagen angesagt. Am Sonnabend amüsierten sich die Kleinen ab 15:30 Uhr im Festsaal beim Kindertanz – und der Verfasser erinnert sich, dass dieser auch Anfang der 80er Jahre noch stattfand. Beliebt waren immer die Ponykutschfahrten durch die Kolonie für Kinder aber auch Erwachsene, die Mitte der 90er Jahre eingestellt werden mussten, weil der Ponybesitzer nicht mehr zur Verfügung stand. Am Sonntagabend wurde bis Mitte der 80er Jahre nochmals von allen „Überlebenden“ nach den Klängen einer Kapelle das Tanzbein geschwungen.

Berühmt war in den ersten Jahren, wahrscheinlich ab 1962, auch der Blumenkorso anlässlich des Sommerfestes. Die geschmückten Handwagen sowie die hübsch angezogenen Kinder versammelten sich an der Realschule in der Waldstraße und zogen dann durch das Viertel, in dem auch die meisten Kleingärtner wohnten, zur Kolonie. Zum Sommerfest 1968 wurde nach einer Protokollnotiz auf den Blumenkorso verzichtet, weil im Sommer nicht genug Blumen zum Schmücken der Wagen blühten. Der Korso sollte zum Erntefest nachgeholt werden und ist in den folgenden Jahren nicht mehr nachweisbar. Da war eine hübsche Tradition wahrscheinlich schon wieder zu Ende. Am Sonnabend, 20.8.1968, ab 19 Uhr, gönnte man sich zur Abwechslung ein Mettessen. Zu diesem waren die Helfer des vergangenen Sommerfestes persönlich eingeladen, um ihnen auf diese Weise den Dank für die geleistete Arbeit abzustatten.

Anfang 1972 brannte das erste Vereinsheim ab. Man ging gleich an den Wiederaufbau bzw. völligen Neubau eines Hauses und hatte in dem sowie im folgenden Jahr keine Ader zum Feiern. 1972 und 1973 fielen infolgedessen die Sommerfeste aus. Dafür fand am Sonnabend, dem 19.1.1974, die Einweihungsfeier des neuen Vereinsheims mit Tanz und gemütlichem Beisammensein statt. Dieser schloss sich schon am 16.2.1974 das Kappenfest an, zu welchem kein Eintrittsgeld erhoben wurde.

Hier ist die Korrektur und Aufbereitung von Seite 79. Dieser Abschnitt gibt einen wunderbaren Einblick in die Hochphase der Vereinsfeste mit Boney M., Abba und dem legendären „Willi aus Hannover“:


Im Jahre 1974 wurde das Sommerfest sogar an drei Tagen gefeiert. Man beging (verspätet, denn der Verein war schon im Jahre 1973 25 Jahre alt) das 25. Jubiläum des Vereins. Leider ist von diesem Fest keine Festesfolge überliefert, so dass der Verfasser nur annehmen kann, dass am Freitag vor dem Sommerfest ein Kommers oder Ähnliches stattfand.

Das Sommerfest war bis Mitte der 80er Jahre ein Ereignis in Sehnde. Getanzt wurde in allen Sälen, das heißt, im Vereinsheim spielte eine Kapelle, und der kleine Saal des Gerätehauses war zur Disko ausgeschmückt und aufgemotzt. Unvorstellbar, was dort los gewesen ist! Platz bekamen eh’ nicht alle Besucher im Haus, also saß man draußen, wohin man sich auch zum Knutschen zurückzog, soweit man sich nicht in den Raum quetschen konnte, und ging zum Tanzen und Trinken in den Saal. Wenn im Vereinsheim die Feiernden schon dahinschlafften, ging im Gerätehaus noch immer die Post ab! Unvergessen von den Disk-Jockeys ist der Willi aus Hannover, der auch schon mal fröhlich ausflippte, und die zahlreich anwesenden jungen Damen zu seiner Musik durchschwenkte.

In den 70ern bis Mitte der 80er Jahre tanzte man zur Musik von Boney M. oder Abba, das war Musik zum Feiern für junge aber auch nicht mehr ganz junge Leute! Am Sonntagnachmittag spielte über viele Jahre die Musikkapelle der Kali-Chemie, zuweilen im Wechsel mit einem jugendlich besetzten Akkordeon-Orchester, in welchem mehrere Kinder der Familie des langjährigen Gartenpächters und 1. Kassierers Alfons Scheithauer mitwirkten. Als die Werkskapelle wegen der Auflösung des Sehnder Betriebs ebenfalls aufgelöst wurde, setzte der „Sehnder Musikverein“ die Tradition fort und erfreut auch heute noch alljährlich, nun allerdings am Sonntagmorgen, die zahlreichen Besucher.

Im Jahre 1976 wurden erstmals die Helfer des Sommerfestes nicht mehr bezahlt, sondern leisteten mit dem Einsatz ihre Pflichtarbeitsstunden ab. Es ist nicht überliefert, in welcher Höhe Zahlungen erfolgten, diese können aber nicht so gewaltig gewesen sein, weil aus den Protokollen des Vereins hervorgeht, dass man sich mit der Verpflichtung von Helfern für das Sommerfest schon immer schwertat. Außerdem muss man sich vor Augen halten, dass zum Sommerfest 1965 am ersten Festtag laut Besetzungsliste 45 Positionen zu besetzen waren, einige Mehrfachbesetzungen nicht berücksichtigt. Am 2. Festtag waren es dann kaum weniger Helfer. Wer wollte die alle realistisch bezahlen!

Im Jahre 1982 wurde beim Sommerfest erstmals auf die Veranstaltung eines Höhenfeuerwerks am Sonntagabend verzichtet. Es wurden Haftungsgründe genannt, die wohl vorher keine Rolle gespielt haben, aber der Verzicht bedeutete den allmählichen Niedergang des 2. Festtags. Im Jahre 1986 wurde nunmehr an beiden Festtagen zum Festball auf die Musikdarbietungen einer Kapelle verzichtet sowie Disk-Jockeys engagiert, und die Gattin des Verfassers meint dazu, dass damit auch das Tragen von festlicher Robe zumindest am ersten Festabend nachließ. Man hatte vorher wirklich Stil, und dass Frauen in Männerkleidung tanzten, war durchaus noch nicht üblich.

Anfang der 90er Jahre ist der Tanz im Gerätehaus aufgegeben worden, um die immer mehr ausbleibenden Gäste anlässlich des Festballes zum Sommerfest im Vereinsheim zu konzentrieren. Es ist dem Verfasser nicht mehr erinnerlich, wann die letzte Disko gefeiert worden ist, aber im Jahre 1988, anlässlich des 40. Jubiläums zumindest, wurde noch im Gerätehaus zusätzlich getanzt.

Das 25. Sommerfest fiel mit dem 40-jährigen Jubiläum des Vereins im Jahre 1988 zusammen und wurde am 13. und 14. August 1988 gefeiert. Noch einmal gönnte man sich eine Kapelle für den Festball im Vereinsheim, und in der gut besuchten Disko wurden Platten aufgelegt. Vor geladenen Gästen von der Gemeindeverwaltung, Politik und befreundeten Vereinen aus dem Bezirk eröffnete der 1. Vorsitzende, Hans Huszar, am 13.8.88 den Festabend. Umrahmt wurde die offizielle Veranstaltung von einer Tanzgruppe des SV Bolzum in Trachtenkostümen. Im Laufe des Abends wurden verdiente Gartenfreunde aus dem Verein durch den 1. Vorsitzenden des Bezirksverband Lehrte der Kleingärtner, Peter Woitke, mit Ehrennadeln für ihre Arbeit belohnt und geehrt. Die zwei Festtage waren des Anlasses würdig und werden den Teilnehmern unvergesslich bleiben.

Leider ließ der Besuch des Festballes zum Sommerfest im Laufe der 90er Jahre weiter nach, so dass nun schon Überlegungen Raum greifen, selbst den Festball nicht mehr zu veranstalten, sondern das Sommerfest nur noch als Lauben- und Platzfest zu veranstalten, und auch die Tombola einzustellen.

Es scheint, dass die Einrichtung der Kappenfeste anfangs nicht in jedem Jahr ihre Fortsetzung fand, denn mit der Einladung zur Weihnachtsfeier 1967 wurde gleichzeitig bei allen Mitgliedern angefragt, ob sie die Ausrichtung und den Besuch eines Kappenfestes wünschten, zu welchem Zwecke sie sich in eine Teilnehmerliste einzutragen hatten. Die Umfrage war offensichtlich erfolgreich, denn am Sonnabend, 24.02.1968, fand das Kappenfest statt. Es war Kappenzwang angesagt, zum Tanz spielte die Kapelle Willi Metz. Metz ist Mitglied und Gartenpächter im Verein gewesen. Er starb am 07.02.1988, zur Jahreszeit der Kappenfeste im gerade begonnenen 76. Lebensjahr, und die Familie zeigte sein Ableben unter der Überschrift „Seine Erfüllung im Leben war die Musik“ an. Der Verfasser erinnert sich, dass noch Anfang der 80er Jahre die Kappenfeste unter Kappenzwang gefeiert wurden, und man an der Kasse einen großen Karton mit allerlei närrischer Kopfbedeckung zum Kauf bereithielt. Die Kappenfeste erfreuten sich einer regen Teilnahme, und der Saal im Vereinsheim war noch Anfang der 80er Jahre zu diesem Anlass immer brechend voll.

Im Dezember 1964 ist die erste Weihnachtsfeier im eigenen Vereinsheim veranstaltet worden. Geladen waren alle Kinder bis zum Alter von 10 Jahren, sowie nur eine Begleitperson pro Familie. Man muss dazu sehen, dass die als 1. Vereinsheim dienende Baracke noch nicht so viel Platz bot wie das heutige Vereinsheim, die Familien evtl. auch mehr Kinder als heute hatten, und man außerdem in den 60er Jahren auch noch dankbar für jedes noch so kleine Geschenk gewesen ist, und sei es die „Bunte Tüte“. Die Altersgrenze wurde übrigens auch mit den beengten Verhältnissen und nicht mit einem evtl. Zwang zum Sparen begründet.

Die Weihnachtsfeier hat eine Tradition begründet, die bis heute angehalten hat. Der festlich geschmückte und erleuchtete Saal übt noch immer seine Anziehungskraft auf Alt und Jung aus, wenn der Besuch in manchen Jahren auch manchmal schwächer als erwartet ist. Noch immer kommt jedenfalls der Nikolaus persönlich und wird von den Kleinen durchaus mit Respekt gesehen. Alle vom Nikolaus bescherten Kinder haben ohne Zwang ein Gedicht oder ein Lied auswendig gelernt und dürfen diese, auf einem Stuhl stehend, zur Freude aller Anwesenden in das Mikrofon sprechen bzw. singen. Traditionell wird zur Weihnachtsfeier der jeweilige Ortsbürgermeister mit Gattin eingeladen.

Am 14.12.1975 fand die Weihnachtsfeier im neuen Vereinsheim statt, und endlich konnten alle Mitglieder mit Ehepartnern teilnehmen. Es gab da allerdings noch einen Haken: weil beim Brand des ersten Vereinsheims auch das Geschirr vernichtet worden ist und nicht so schnell Ersatz beschafft werden konnte, wurde gebeten, Tassen, Teller und Löffel mitzubringen.

Ein schöner Brauch war, dass man immer Musikanten fand, die die gesungenen Weihnachtslieder auf ihren Musikinstrumenten begleiten konnten. War dies in den 70er Jahren (und davor?) das unvergessene Mitglied Otto Daberkow, der trotz Einarmigkeit sein Keyboard bespielte, war es später die schon erwähnte Musikgruppe um die Kinder der Familie Scheithauer, die auf ihren Akkordeons perfekte Unterhaltung boten. Leider ist diese schöne Tradition Ende der 80er Jahre unterbrochen worden, und seitdem wird mit Schallplattenmusik experimentiert, zu welcher es schwierig ist, rechtzeitig anzustimmen.

Für Sonnabend, den 02.10.1965, ist das erste Erntefest mit Tanz überliefert, zu dem mit dem Hinweis auf das schon im vorherigen Jahr veranstaltete Erntefest eingeladen wurde. Es ist ein Unkostenbeitrag in Höhe von 1,– DM erhoben worden. Im Jahre 1966 fand das Erntefest am 01.10. statt, der Unkostenbeitrag betrug nun 1,50 DM und vorher, um 18:30 Uhr, trafen sich die Kinder vor dem Vereinsheim zum Laternenumzug.

Nach der Aktenlage scheint es so, dass das Erntefest nicht kontinuierlich über die Jahre gefeiert worden ist. Für das Fest im Jahre 1976 wurde mit dem Text „Wie auf der letzten Mitgliederversammlung angeregt, wollen wir für uns und unsere Freunde ein Erntefest feiern…“ Als der Verfasser im Jahre 1977 erstmals ein Erntefest bei den Sehnder Kleingärtnern mitfeiern konnte, war dies ein rauschendes Fest, das aus allen Nähten platzte. Die Besucher standen in mehreren Reihen hintereinander an der Theke im Vereinsheim, denn wie schon 1976 galten zu diesem Fest besonders günstige Preise. Die billig erstandenen Weinflaschen wurden gleich an der Theke von Hand zu Hand gereicht und umgehend ausgetrunken.

Im Jahre 1978 tanzte man bei freiem Eintritt laut Einladung „unter der Erntekrone“, und die Preise waren „wieder so ausgerichtet, dass wir eben unsere Unkosten decken können.“ Aber auch hier nagte der „Zahn der Zeit“. Dem Zeitgeist folgend war diese Art von Veranstaltungen wohl nicht mehr attraktiv genug, und so wurde im Jahre 1985 das Erntefest ein letztes Mal mit einem öffentlichen Ball gefeiert. Man experimentierte noch einige Jahre mit einer internen Tanzveranstaltung, zu welcher unser Harry Droeger Schallplatten auflegte, aber im Jahre 1991 wurde zum Erntefest nicht mehr getanzt. In den folgenden Jahren lud der Vorstand nun zum Erntekaffee am Nachmittag des Erntefest-Sonntags, um zumindest eine Tradition zu wahren.

Am 31.12.1974 feierte man erstmals im Rahmen des Vereins in das Neue Jahr. Es wurde zu einer „Silvester-Party“ im Vereinsheim geladen, bei einem Kostenbeitrag von 30,– DM pro Person. Dafür wurde laut Einladung „außer einem festlich geschmückten Saal zum Abendessen eine köstliche Spezialitätenplatte, dazu ein Getränk Ihrer Wahl aus unserem reichhaltigen Angebot“ bei offenem Ende geboten. Als der Verfasser im Jahre 1977 dem Verein beitrat, wurde allerdings schon keine Silvesterparty mehr veranstaltet.

Im Jahre 1984 wurde man im Verein noch einmal kreativ. In dem Jahre wurden auf Betreiben des damaligen 1. Kassierers Helmut Kroll sowohl das Skat- und Kniffel- als auch das Boßelturnier aus der Taufe gehoben.

Skat und Kniffel sind sofort zum festen Bestandteil im Veranstaltungskalender des Vereins geworden. Das Turnier findet in der Regel Mitte November statt, unmittelbar nach der Jahreshauptversammlung. Eingeladen sind Mitglieder sowie deren Partner, aber auch die Kinder, die sich gern beim Kniffeln betätigen. Bei mäßigem Einsatz gewinnt jeder Teilnehmer einen Preis, und in der Regel wird nach der Preisverleihung gemeinsam ein Gericht der Saison, meistens natürlich Braunkohl, gegessen. Das erste Turnier dieser Art wurde allerdings am 07.01.1984 veranstaltet, zu welcher Jahreszeit das Vereinsheim heute schon „winterfest“ verschlossen ist.

Der Ostfriesen-Sport Boßeln ist inzwischen auch schon im Burgdorfer Land heimisch geworden. Da wollten die Sehnder Kleingärtner nicht abseits stehen. Erstmals am 06.10.1984, in der Regel aber in der 2. Septemberhälfte, meistens sogar bei gutem Wetter, werden auf den Wegen die vereinseigenen Kugeln geschoben. Von nah und fern kommen Mannschaften und räumen auch meistens die ausgesetzten Pokale ab, denn die Kleingärtner lassen eben ihren Gästen gern den Vortritt. Waren es zuerst von den Sehnder Geldinstituten gestiftete Wanderpokale sowie Pokale, welche der Verein stiftete, die ausgespielt worden sind, so geht es nach heutigem Stand nur noch um Verein gestiftete Pokale sowie attraktive Plaketten für die Kinder. Der einzige heute noch ausgespielte Wanderpokal in Form einer entrollten Urkunde, der für die beste Kleingärtnermannschaft im Bezirk, hängt meistens bei einem der Lehrter Vereine.

Am 15.09.1968 wurde erstmals eine Gemeinschaftsfahrt per Bus zum Vogelpark Walsrode durchgeführt. Die Fahrt war nur für die Mitglieder ohne Garten kostenpflichtig, litt aber, wie ein späteres Protokoll vermerkt, unter dem schlechten Wetter an dem Tage.

Anfang der 80er Jahre packte die Kleingärtner die Reiselust erst richtig. Die Kassenlage war damals offensichtlich gut, und so bot der Verein seinen Mitgliedern einen Busausflug zum Safari-Park Stukenbrock, den Externsteinen und dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald für 10,– DM pro Person an, in welchem Preis sogar eine Mittagsmahlzeit und eine Kaffeetafel enthalten war. In zwei vollen Bussen machte man sich am 17. Mai 1981 auf den Weg und verlebte am Ziel schöne Stunden, wobei natürlich der Safari-Park mit dem großen Vergnügungspark eine besondere Anziehungskraft ausübte.

In dem Jahre fand in Kassel die Bundesgartenschau statt, und die war das nächste Reiseziel für die Sehnder Kleingärtner. Am 30.08.1981 fuhr eine große Gesellschaft mit der Bundesbahn auf einem Sammelticket äußerst preiswert nach Kassel, wo man bei herrlichem Wetter ebenfalls schöne Stunden verbrachte.

Im August 1984 fand erst der nächste Ausflug statt, diesmal wiederum zum Vogelpark bei Walsrode und in die blühende Heide. Für den 07.09.1985 war eine Fahrt nach Bodenwerder mit Dampferfahrt auf der Weser angekündigt. Es ist dem Verfasser nicht mehr erinnerlich, ob diese Fahrt auch wirklich durchgeführt worden ist. Jedenfalls war danach auch Schluss mit den Gemeinschaftsfahrten per Omnibus.

In den Jahren 1985, 1986 und 1987 bot dann der 1. Kassierer, Helmut Kroll, der damals bei der Bundesbahn beschäftigt gewesen ist, mehrtägige Gemeinschaftsfahrten mit der Bundesbahn an. Es hatte sich in den Jahren eine Keglergruppe des Vereins etabliert, und zum Hier ist die extrahierte und korrigierte Fassung der Seite 83, die das Kapitel über die Ausflüge abschließt:


… Kegelverein gehört natürlich auch der Kegler-Ausflug. Diese Fahrten standen allerdings allen Mitgliedern im Verein zur Verfügung. Für den 04. bis 06.10.1985 war eine Fahrt nach Ürzig an der Mosel angesetzt, für den 03. bis 05.10.1986 eine ebensolche Fahrt in den Spessart, für den 08. bis 11.10.1987 eine Fahrt nach Bayerisch Eisenstein, und für den 08. bis 10.09.1989 nach Bühlertal im Schwarzwald.

Es ist dem Verfasser nicht mehr erinnerlich, ob die Fahrten in den Jahren 1985, 1986 und 1989 durchgeführt wurden, die Fahrt im Jahre 1987 fand wirklich statt. Der Verfasser verzichtete damals als Familienvater auf die Teilnahme an den relativ teuren Fahrten, erinnert sich aber noch, dass er den Zug mit den Sehnder Kleingärtnern sowie Mitgliedern anderer Sehnder Vereine im Würzburger Hauptbahnhof anlässlich seines dienstlichen Aufenthalts dort beim fahrplanmäßigen Halt besuchte. Die Reisegesellschaft im Zuge war schon „sehr animiert“, und es erhob sich ein großes „Hallo“ beim Anblick eines Sehnders auf dem Bahnsteig.

Später beschränkte sich die Reiselust der Kleingärtner auf gelegentliche Ausflüge per Fahrrad zu den jeweiligen Vatertagsveranstaltungen in Ilten bzw. Lehrte, die Teilnahme an diversen Boßelturnieren dortselbst sowie den Besuch der Veranstaltungen zum „Tag des Gartens“ im Bezirksverband.

Das Verhältnis zur Sehnder Industrie, Geschäftswelt und Verwaltung

Das Verhältnis zur Sehnder Industrie und Geschäftswelt kommt in den einzelnen Kapiteln wiederholt zur Sprache, soll aber in diesem Rahmen zusammenfassend gewürdigt werden.

Der erste Kontakt der Sehnder Kleingärtner mit der Industrie am Orte ging schief. Mit Schreiben vom 03.08.1948 hatte man die Firma Kali-Chemie um die Überlassung von Pachtland im Flurstück Beekfeld gebeten, aber diese ließ die Kleingärtner in ihrer Antwort wissen, dass sie dieses Land als ihr Interessengebiet betrachte, und lehnte mit Hinweis auf andere pachtbare Ländereien ab. Es sei schon vorweg gesagt, dass die Kali-Chemie sich in den folgenden Jahren durchaus als Förderer des Sehnder Kleingartenwesens zeigte.

Der nächste Kontakt erfolgte in Form einer Bitte an die Zuckerfabrik Sehnde, sich finanziell an den Kosten der Umfriedung der neu einzurichtenden Kolonie zu beteiligen, was diese mit Schr. v. 13.11.1954 ablehnte:

„…Es handelt sich in Ihrem Falle um einen Verein mit Eigen- und Sonderinteressen und es ist für uns selbstverständlich, nur Bestrebungen zu unterstützen, die dem öffentlichen Interesse oder der Allgemeinheit dienen. Wir dürfen wohl annehmen, dass Sie unseren Standpunkt verstehen…“,

beschied man barsch die Kleingärtner. Da die Zuckerfabrik im Besitz der Bauern war, die vorher vehement gegen die Abgabe von Pachtland an die Kleingärtner angegangen waren, kann man auch dieser „Sonderinteressen“ unterstellen. Es sei hier ebenfalls vorweg gesagt, dass dies nach Aktenlage auch der letzte offizielle Kontakt dieser Art mit der Zuckerfabrik gewesen ist.

Der Kontakt mit der Peiner Industrie in persona der Brauerei Härke ging, wie im Kapitel „Vereinsheime“ geschildert, ebenfalls daneben und veranlasste die Sehnder Kleingärtner, hinfort kein „HÄRKE-Bier“ mehr zu trinken.

Die Sehnder Gemeindeverwaltung zeigte sich in den Gründungsjahren zögerlich mit der Unterstützung des Wunsches der Kleingärtner nach Kolonieland, aber das Verhältnis wurde nach Einrichtung der Kolonie besser, und so manche Mark aus dem Steuersäckel kam nunmehr auch den Kleingärtnern zugute. Gute persönliche Kontakte zu Verwaltung und Rat waren also später die Regel, und der langjährige populäre Ortsbürgermeister Hans Reineke durfte für seine gönnerhafte Haltung gegenüber den Kleingärtnern am 07.10.1989 im Rahmen des vereinsinternen Ernteballes die „Goldene Ehrennadel“ des Landesverbandes entgegennehmen, eine große und umso höher einzuschätzende Ausnahme von den Verleihungsbedingungen!

Das Verhältnis zu Reinekes Nachfolger im Amt, Friedel Simon, ist ebenso gut und freundschaftlich, und er sowie seine Gattin sind gern gesehene Besucher unserer Veranstaltungen sowie Gäste bei unserer Weihnachtsfeier. Hans Reineke, oftmals begleitet von seiner leider schon verstorbenen Gattin Lore, tat sich jahrelang als Schirmherr des Boßelturniers hervor und pflanzte anlässlich unseres 40. Jubiläums die Weide auf der Rasenfläche gegenüber des Vereinsheims.

Über viele Jahre sind Vertreter von Rat und Gemeinde zu einer „Tour d’Horizon“ bei den Sommerfesten des Vereins eingeladen und vom Vorstand des Vereins im kleinen Saal des Gerätehauses an gedeckten Tischen nach den Möglichkeiten des Vereins bewirtet worden. Das sollte für eine gute Atmosphäre sorgen.

Zur Verwaltung der Gemeinde und jetzigen Stadt Sehnde besteht ein sachlich guter Kontakt, was diese allerdings nicht hinderte, ihre vermeintliche Pflicht zu tun und den Kleingärtnern in drei Stufen in den Jahren 1996, 1998 sowie im Jahre 2000 die Pacht für das stadteigene Gelände kräftig zu erhöhen. Diese Maßnahme haben die Kleingärtner allerdings niemand persönlich angelastet oder übel genommen. Man sieht durchaus die Zwänge, denen die Verwaltung angesichts knapper Kassen unterliegt.

Die Kontakte zur Sehnder Gemeindeverwaltung entwickelten sich befriedigend, nachdem man dort einsah, dass die Sehnder Kleingärtner durchaus in der Lage waren, „etwas auf die Beine zu stellen“. Als im Jahre 1956 die sechs Bohrbrunnen für Brauchwasser niedergebracht wurden, stellte die Verwaltung 1.000,– DM zur Verfügung. Im Jahre 1961 sind den Kleingärtnern drei Sitzbänke spendiert worden, und für das Ausheben der Grenzgräben um das Vereinsgelände in Eigenarbeit eine Belohnung von 2.200 DM in bar gewährt worden. Im Jahre 1962 gab es einen Zuschuss von 3.000,– DM zum Bau des Gerätehauses.

Im Jahre 1963 wurde elektrischer Strom zum Vereinsheim gelegt, zu welchem Zwecke die Gemeinde Sehnde einen Zuschuss von 2.545,– DM gewährte. In welcher Form bzw. Höhe der Bau des 2. Vereinsheims gesponsert worden ist, kann anhand der Akten nicht nachvollzogen werden, wird aber als erfolgt vorausgesetzt, weil aus den Akten des Vereins hervorgeht, dass die Gemeinde Sehnde mit Datum vom 14.10.73 um die Bezuschussung der Bestuhlung des Vereinsheims gebeten worden ist, und sich dieser Bitte sicher nicht ganz verschlossen hat.

Als im Jahre 1996 die Installierung einer Abwasserleitung zwischen dem Vereinsheim und der Chausseestraße zwingend wurde, übernahm die Gemeinde Sehnde die Kosten der Leitung einschließlich der Verlegungsarbeiten, so dass die Kleingärtner „nur“ die Abwasserpumpe bezahlen mussten. In dem Falle sah man seitens der Kleingärtner allerdings die Gemeinde als Eigentümer des Grundstücks der Kolonie mehr in der Pflicht, denn als freiwilligen Sponsor. Es sei aber nicht verschwiegen, dass die Gemeinde Sehnde über lange Jahre einen Teil der vorher vereinnahmten jährlichen Pachtzahlung als Zuschuss an den Verein wieder zurückgab. Diese Subvention entfiel mit der dreistufigen Pachterhöhung im Jahre 1996, bei der man sich allerdings durch die Kleingärtner großzügigerweise in der Höhe etwas „abhandeln“ ließ. Mit Stand von Mitte 1998 gibt es seitens der Stadt Sehnde keinerlei laufende direkte Zuschüsse mehr.

Auch kleine Geschenke halfen in früheren Jahren, die Freundschaft zu erhalten, und so spendierte die Gemeinde Sehnde schon im Jahre 1958 den Betrag von 100,– DM zur Prämiierung der besten Kleingärten. Für die Kinderbelustigung anlässlich des Sommerfestes 1967 spendete die Gemeinde Sehnde den Betrag von 75,– DM, für das Kinderfest 1969 sogar 100,– DM, und im Jahre 1970 wenigstens noch 50,– DM. Über die Zuschüsse hinaus, die die Gemeinde Sehnde gewährte, griff auch der Ortsrat gelegentlich zu einem kleinen Obolus in die Tasche, so mit Datum vom 03.09.76 in Höhe von 100,– DM, und sicher auch noch zu späteren, nicht überlieferten Gelegenheiten.

In diesem Zusammenhang darf noch erwähnt werden, dass die Damen und Herren des damaligen Burgdorfer Kreistags im Jahre 1974 2.000,– DM für die Bestuhlung des neuerbauten 2. Vereinsheims (aus eigener Tasche?) spendierten.

Zu den Sehnder Geschäftsleuten besteht schon seit der Einführung der Veranstaltung einer Tombola anlässlich der Sommerfeste im Jahre 1964 ein gutes Verhältnis, was sich in reichlichen Spenden zu diesem Behufe niederschlägt, während die Kleingärtner wiederum bevorzugt in Sehnder Geschäften ihren Bedarf einkaufen.

Zur Errichtung des 2. Vereinsheims trugen Sehnder Geschäftsleute im Jahre 1972 durch Bar- und Sachspenden in Höhe von 4.400,– DM bei. Der Verein dankte dies mit der Einladung zu einem Tanzabend für Freitag, 14.6.74, in das neue Vereinsheim. Für die Bestuhlung des 2. Vereinsheims im Jahre 1973 machte die Firma Möbel-Stamme in Sehnde ein in der Höhe unbekanntes „großzügiges Angebot“, wie aus den Akten überliefert ist. Auf diesem Mobiliar saßen erstmals die Kinder anlässlich der Weihnachtsfeier am 16.12.1973. Leider gab es aber noch ein Manko: Geschirr musste mitgebracht werden, weil dieses beim Brand des 1. Vereinsheims mit vernichtet worden ist.

Die Sehnder Geldinstitute, darunter auch die Sehnder Bank, die Ende der 70er Jahre in der Volksbank aufging, spendierten im Jahre 1969 je eine Sitzbank für die Kolonie, und der Verfasser meint sich zu erinnern, dass beide der noch hier vertretenen Institute in den ersten Jahren nach der Einführung der Boßelturniere je einen Wanderpokal gestiftet haben. Wo mögen die wohl gelandet sein? Bestimmt bei einem der Lehrter Kleingärtnervereine!

Das Verhältnis zur Kali-Chemie

Ein besonderes Verhältnis entwickelte sich allerdings zwischen den Kleingärtnern und der Firma Kali-Chemie in Sehnde. Diese ist über Jahrzehnte der größte Arbeitgeber am Orte gewesen, und so waren wohl auch die meisten Kleingärtner dort beschäftigt. Diese wussten deshalb immer rechtzeitig, ob und wo es bei der Firma etwas zu holen gab, und so ist im Jahre 1954 wahrscheinlich von dieser wesentlich zur Errichtung des Zaunes um die Kolonie beigetragen worden. Wer mit offenen Augen durch die Kolonie geht, dem fällt auf, dass die unverrottbaren Pfosten der Zäune im Innenbereich aus abgeschnittenen Kleinbahnschienen bestehen. Wo kommen die wohl her?

Im Jahre 1956 konnte man von der Kali-Chemie günstig die Baracke erwerben, die dann das erste Vereinsheim darstellte. 1.000,– DM erhielten die Kleingärtner im Jahre 1960 zur Vollendung des Hauses von der Kali-Chemie geschenkt, doppelt so viel, wie man für die Baracke bezahlt hatte und wofür man mit Schr. v. 12.07.60 dankte.

Im Jahre 1963 ließ sich die Firma nicht lange bitten und spendierte 3.000,– DM zur Einrichtung der Stromversorgung für das Vereinsheim. In einem diesbezüglichen Schr. heißt es u. a.:

„…Die obige Spende soll nicht zuletzt ein Ausdruck unseres Dankes für die treuen Dienste der Mitglieder Ihres Vereins für unsere Firma sein, die ja zum allergrößten Teil an wichtigen Arbeitsplätzen unseres Werkes als Betriebsangehörige tätig sind…“.

Mit Datum vom 19.12.72 bescheinigte der Verein der Kali-Chemie herzlich dankend, Elektromaterial im Werte von 2.224,72 DM, nun schon für das 2. Vereinsheim, gespendet zu haben.

Auch kleine Geschenke wurden dankend angenommen, so ein Zuschuss in Höhe von 50,– DM zum Sommerfest 1967 und ein ebensolcher zum Sommerfest 1970. Mit Schr. v. 24.03.58 ist dem Verein ein kleiner Schrank und ein gebrauchter Tisch kostenlos überlassen worden, und mit Schr. v. 15.01.59 wurde der Verkauf einer gebrauchten Schreibmaschine an den Verein angekündigt, für welche dieser 30,– DM bezahlen sollte.

Ein gutes Verhältnis verband die Kleingärtner, von denen ja viele bei der Kali-Chemie beschäftigt waren, mit dem kaufmännischen Leiter G. Richtsteig, ein besonders gutes aber wohl mit Direktor Reinhold Schmidt. Über die Jahre, nachweisbar schon im Jahre 1957, als er dem Verein für die laufende Zusendung der Zeitschrift „Niedersächsischer Kleingärtner“ dankte und Bezahlung dafür mit Schr. v. 07.01.1957 anbot, bis letztmals nachweisbar im Jahre 1973, als er für die Glückwünsche zum 80. Geburtstag per gedruckter Karte, aber mit seiner markanten Unterschrift dankte. Direktor Schmidt muss im Juni Geburtstag gehabt haben, denn immer Anfang Juli bedankte er sich beim Verein für meistens einen großen Rosenstrauß, es waren aber auch schon mal Erdbeeren oder Himbeeren, die ihn erfreuten. Im Juli 1968 dankte er für die Glückwünsche zum 75. Geburtstag sowie zur gleichzeitig stattgefundenen Goldenen Hochzeit, aber mit dem 80. Geburtstag riss der überlieferte Kontakt zu ihm ab.

Es sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt, dass die Werkskapelle Friedrichshall bis Anfang der 80er Jahre das Sommerfest mit musikalischen Darbietungen bereicherte und die Männer zum Dank dafür Würstchen- und Getränkegutscheine ausgehändigt erhielten. Die Werkskapelle ging mit der Schließung der Bergwerksanlage Mitte der 80er Jahre auseinander; die Tradition wird heute vom Musikverein Sehnde, unter anderer Zusammensetzung, weitergeführt.


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Ein gutes überörtliches Verhältnis pflegt der Verein schon seit seiner Gründung mit dem Bezirksverband der Kleingärtner Lehrte und dessen angeschlossenen Vereinen zwischen Sehnde im Süden und Uetze im Nordosten. Es findet ein reger Besuchsaustausch zu Veranstaltungen wie z. B. den jeweiligen Boßelturnieren statt, und zu den Jubiläen der Vereine werden Delegationen entsandt. Die Veranstaltungen zum Vatertag werden im Bezirk abwechselnd jährlich in einer anderen Kolonie veranstaltet, und ebenso verhält es sich mit dem alljährlichen „Tag des Gartens“, der im Jubiläumsjahr 1998 erstmals von „Heimatfrieden“ Sehnde ausgerichtet wird.

Es hat auch schon überbezirkliche Kontakte zwischen den Kleingärtnern gegeben, wie z. B. im September 1991 der Besuch des Bezirksverbands Wesermarsch mit 50 Personen, die sich im Sehnder Vereinsheim mit den Kleingärtnern aus dem Bez. Verb. Lehrte trafen und u. a. zu dieser Gelegenheit gemeinsam das Straßenbahnmuseum in Wehmingen besichtigten.

Weniger ausgebaut sind die Kontakte zum Landesverband Hannover der Kleingärtner, die in der Regel über den Bezirksverband laufen, und zum Bundesverband der Kleingärtner besteht hier überhaupt keine Beziehung.

Nicht vergessen werden soll zum Schluss das gute Verhältnis zur hiesigen Presse. Herr Richard Herzberg, der Verleger des „Sehnder Anzeiger“, hat immer ein offenes Ohr für die Kleingärtner und veröffentlicht gern die Vorankündigungen von Veranstaltungen in seinem jeden Donnerstag erscheinenden Blatt. Darüber hinaus ist er auch meistens „vor Ort“, wenn die Kleingärtner feiern, um darüber anschließend in Wort und Bild zu berichten.

Es ist klar, dass alle diese Aktivitäten mit den jeweils Verantwortlichen in den Vereinen stehen und fallen. Der Kleingärtnerverein „Heimatfrieden“ Sehnde hatte das Glück, über die Jahrzehnte immer von aufgeschlossenen Persönlichkeiten geführt worden zu sein, was der Gemeinschaft über Jahrzehnte zum Segen gereicht hat.

Die Helfer vor und hinter den Kulissen

Das Vorstandsblatt kann der Übersichtlichkeit wegen nur einige wenige Namen der Personen aufführen, die, meistens über Jahre, die Geschicke des Vereins genau so geprägt haben wie die jeweils vier Amtsträger an vorderer Stelle. Es steht außer Frage, dass die im Vorstandsblatt genannten Personen über Jahre während ihrer Amtszeit engagiert für den Verein gearbeitet haben und eingetreten sind. Viele Stunden und Tage müssen im Interesse des Vereins geopfert werden, natürlich ohne Bezahlung und dazu noch mit dem Risiko behaftet, am Leib oder zumindest am eigenen Kraftfahrzeug auf „Dienstreise“ Schaden zu nehmen. Die exponierten Personen sind womöglich Kritik, auch ungerechtfertigter, ausgesetzt und riskieren im Extremfalle, wie schon gehabt, für Entscheidungen eine gerichtliche Nachprüfung zu riskieren. Da keiner gezwungen wird, ein Ehrenamt anzunehmen, beklagt sich auch keiner der Hauptverantwortlichen.

Ein kleiner Verein mit geringem Beitragsaufkommen aber großen Ambitionen, wie der unsere, ist auf freiwillige Helfer auch hinter den Kulissen angewiesen. Sei es der im Vorstandsblatt nicht erwähnte Vertreter des Kassierers, der vor allem beim Sommerfest in den letzten Jahrzehnten seine eigenen Aufgaben hatte, sei es der Vertreter des Schriftführers, der aus Überlieferung für das Protokoll der Jahreshauptversammlung sowie aller weiterer Mitgliederversammlungen verantwortlich ist und der im Falle von Versicherungsschäden innerhalb der Kolonie als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Der Vertreter des 1. Vorsitzenden leitet gar kraft Amtes als 2. Vorsitzender den Arbeitsausschuss.

Alle Mitglieder zusammen dienen dem Verein durch die Ableistung der Pflichtarbeitsstunden, oftmals über das jährlich festgesetzte Maß hinaus und ohne Bezahlung zu fordern. Mit den ungenannten Helfern hat der Verfasser darüber hinaus einige Personen im Sinn, die über Jahre, ohne im Licht der Öffentlichkeit zu stehen, eigenverantwortlich wesentliche Dienste für den Verein geleistet haben. Es ist dem Verfasser allerdings nicht möglich, die Helfer der „ersten Stunde“ namentlich hervorzuheben, weil etliche von diesen schon seit vielen Jahren aus dem Verein ausgeschieden sind, etliche sogar schon nicht mehr leben, und im Übrigen auch die Erinnerung der Lebenden an diese zu verblassen beginnt. Deshalb sollen hier wenigstens die Personen genannt werden, von denen der Verfasser in der Überlieferung gehört hat bzw. deren Wirken er in seiner über 20-jährigen Mitgliedschaft kennengelernt hat.

Da ist aus den 50er Jahren der Name der zeitweiligen 2. Schriftführerin Martha Thiele, liebevoll „Marthchen“ genannt, überliefert worden. Da ist der Name Günter Höft überliefert, der in den 50er Jahren die „Spritzkolonne“ zusammen mit Karl Fricke bildete. Vom 26.10.57 bis 18.11.77 amtierte 20 Jahre lang Helmut Schmolze als 2. Schriftführer und prägte über zwei Jahrzehnte das Gesicht der Protokolle von Jahreshaupt- sowie Mitgliederversammlungen mit seinem markanten, aber trotzdem lesbaren Sütterlin. Helmut Schmolze beteiligte sich an den Umlagenaktionen der 60er und 70er Jahre als „Geldeintreiber“ und verteilte rechtzeitig vor den Festen im Dorf Plakate an die Geschäftsleute zum Aushang in den Schaufenstern. Er sammelte sorgfältig in einer dicken Mappe alle Anschreiben an die Gartenpächter sowie Doppel der Aushänge, was dem Verfasser beim Recherchieren für die Chronik sehr hilfreich war.

Desgleichen ist Martin Wußmann über mehrere Jahre zwischen 1957 und 1962 in den Aufbaujahren des Vereinsheims als im Arbeitsausschuss tätig geführt worden, ebenso wie Wolfgang Westphal, der noch heute seine Parzelle zusammen mit seiner Frau bewirtschaftet.

Der spätere 1. Vorsitzende Günter Bartelt bekleidete von 1966 bis 1976 schon das Amt des 2. Kassierers, bevor er am 26.03.76 zum Vorsitzenden gewählt wurde, welches Amt er weitere 11 Jahre verwaltete. Im Jahre 1976 tauchen erstmals die Namen Willy Datschkus, Harry Droeger und Georg Rüffer im Vorstandsblatt auf, aber nicht als Amtsträger, sondern als Mitarbeiter im von Günter Plapper geführten Arbeitsausschuss. Willy, Harry und „Schorse“ sind über Jahre die „Seelen vom Verein“ gewesen. Willy Datschkus war sozusagen der Hausmeister des Gerätehauses, Harry Droeger das „Mädchen für alles“, und Schorse Rüffer fühlte sich für das Vereinsheim verantwortlich, ebenso wie Harry Droeger, die beide auch die Vermietungsarbeiten des Vereinsheims über Jahre zeitweilig zur Aufgabe hatten. Georg Rüffer war jahrelang für die Sauberkeit des Vereinsheims verantwortlich und wurde dieser Verantwortung gerecht, indem er z. B. zusammen mit seiner Frau beim zweitägigen Sommerfest am Sonntagmorgen schon in aller Frühe das vom Tanzabend verwüstete Haus wieder „auf Vordermann“ brachte. Harry Droeger beaufsichtigte jahrelang und selbst dann noch, als er als Unterpächter ausgeschieden war, beim Sommerfest die Ponykutschfahrten, wo er mit milder Hand dafür sorgte, dass alle drängelnden Kinder mal eine Runde oder mehr fahren konnten. Harry Droeger hinterließ dem Verein als Vermächtnis die von ihm gebastelten außerordentlich stabilen Regale im Büro.

Von 1976 bis 1983 bekleidete der im Jahr 1997 verstorbene Fritz Hilke mit seinem unverwüstlichen Humor das Amt des 2. Kassierers und war einer der wenigen Unterpächter, der auf seiner Parzelle keine Laube errichtet hatte. Der erst in diesem Jahr verstorbene Josef („Jupp“) Ladmann übte von 1985 bis 1987 das Amt des 2. Kassierers aus und bereicherte mit seinem rheinischen Humor unvergesslicherweise so manche Vorstandssitzung. Er verstand es wunderbar, uns gelegentlich durch ausschweifende Redebeiträge zu nerven, war dabei aber immer liebenswürdig. Das Amt des 2. Kassierers ging weiter an Friedhelm („Addi“) Adebahr, in welchem er den nicht immer bequemen 1. Kassierern Helmut Kroll und Alfons Scheithauer „dienen“ musste.

Dem Arbeitsausschuss gehörten seit November 1988 Erwin Bock und Egon Wolter an. Egon Wolter hat dem Verein als feiner Kumpel diesen und jenen Ausstattungsgegenstand vererbt, ist durch das Anlegen des „Schlüsselbuches“ unsterblich geworden, hat sich aber inzwischen aus dem Garten verabschiedet. Erwin Bock war gleich nach Übernahme seiner Parzelle engagiert bei der Sache und ist seit nunmehr 10 Jahren die „Seele des Vereins“. Nicht immer ganz bequem, hat er konsequent das Wohl des Vereins im Auge, und unter anderem mit seinem Helfer Dirk Hähnel vor zwei Jahren das Gerätehaus zu einem feinen zweiten Veranstaltungssaal ausgebaut. Ihm ist auch weitgehend die allerdings noch der Vollendung harrende Ausgestaltung der aufgelassenen Gärten Nr. 18 und 19 zu verdanken. Unermüdlich ist er fast jeden Tag am Gerätehaus tätig anzutreffen, und dabei oftmals über die mangelnde Unterstützung seines Tuns klagend. Ohne ihn, das dürfte feststehen, ginge im Verein (fast) nichts mehr.

Es sollen auch die in zweiter Linie gestandenen Frauen nicht vergessen werden. Dass die Ehefrauen der Vorstandsmitglieder, wie auch die der meisten anderen Mitglieder, ebenfalls für den Verein engagiert sind, sollte hiermit einmal gewürdigt werden, sei es, dass diese zu den Festen selbstgebackenen Kuchen spenden, sei es, dass sie zur Weihnachtsfeier, aber auch bei anderen Gelegenheiten die Küche betreuen und den Kaffeeaussschank übernehmen, sei es, dass sie die Kinderbetreuung anlässlich der Sommerfeste zu ihrer Aufgabe machen.

Frauen der 2. Reihe waren die schon erwähnte Martha Thiele, Christel Skarba und Angelika Fritz. Martha Thiele bekleidete von 1954 bis 1957 das Amt der 2. Schriftführerin, Angelika Fritz von 1989 bis 1992 sogar das der 2. Vorsitzenden und damit auch der Leiterin des Arbeitsausschuss. In dieser Funktion hatte sie allerdings das Glück, mit Egon Wolter und Erwin Bock zwei umsichtige und selbstständig denkende „Arbeitsmänner“ als Mitarbeiter zu haben. Christel Skarba gehörte von 1981 bis 1985 dem Arbeitsausschuss an, erledigte die Vermietungen des Vereinsheims und hielt dieses zusammen mit ihrem unvergessenen Ehemann Ernst Skarba in Ordnung. Ernst Skarba bleibt dem Verfasser als das Energiebündel in Erinnerung, der die Boßelkugel mit einem Wurf durch den gesamten Dahlienweg zwischen den Gärten Nr. 70 und 82 trieb.

Es soll in der Reihe der engagierten Frauen auch Silvia Röthenbacher nicht vergessen werden, die von 1990 bis 1997 das Amt der 2. Schriftführerin ausübte, aber leider vom 1. Schriftführer, mit Ausnahme der Protokollierung einiger Mitgliederversammlungen, mangels Aufträgen „ausgehungert“ worden ist. Sie hat über mehrere Jahre mit Charme aber auch wachsendem Frust die Vermietungen des Vereinsheims durchgeführt und ist in der wichtigen Tätigkeit erst 1996 durch Joachim Gruba und dessen Frau abgelöst worden. Joachim und seine Frau sind in dieser Aufgabe Pedanten in punkto Sauberkeit, was dem Ansehen und damit der Möglichkeit, das Vereinsheim lukrativ zu vermieten, dienlich ist.

Eine Frau, die weder Mitglied ist, noch im Vorstand tätig, darf in der Aufzählung der um den Verein verdient gewordenen Frauen auf keinen Fall unerwähnt bleiben: Elisabeth Bock, die Ehefrau des 2. Vorsitzenden Erwin Bock. Ohne ihr Engagement wären Tage wie die sporadisch veranstalteten Frühshoppen gar nicht möglich, und sie ist es, die als Erwins „Gute Seele“ diesen bremsen und beruhigen muss, dabei auch noch „ihr Fett abbekommt“, wenn Erwin wieder mal, von seinen Aufgaben im Verein überstrapaziert, ausrastet.

Hier ist die extrahierte und korrigierte Fassung der Seite 99, die eine charakterisierende Rückschau auf die wichtigsten Amtsträger der Vereinsgeschichte hält:


Nachdem nun etlicher der Helfer hinter den Kulissen gedacht worden ist, seien auch noch einige Sätze der Charakterisierung der Menschen erlaubt, die in vorderer Front dem Verein dienten, nämlich die jeweils 1. Vorsitzenden, 1. Kassierer und 1. Schriftführer.

Die 1. Vorsitzenden Mollenhauer, Pook, Klemke und Thiele sind dem Verfasser nicht persönlich bekannt geworden. Nach Aktenlage waren sie die Verantwortlichen für die Gründerjahre des Vereins sowie die Einrichtung der Kolonie. Umfangreiche Schriftwechsel, Besprechungen mit Funktionären der Kleingartenbewegung, mit Kommunalpolitikern, mit Herren der Kreisverwaltung Burgdorf, mit den störrischen Landbesitzern, und Anfang der 50er Jahre der sich jahrelang hinschleppende Instanzenweg vor verschiedenen Gerichten, die helfen sollten, das Gartenland zu erstreiten, nahmen viel Zeit in Anspruch. Damals hatte noch kaum jemand einen privaten Fernsprechanschluss geschweige denn ein Auto, und Gebühren sowie Reisespesen mussten aus eigener Tasche bestritten werden. Hermann Thiele wurde am 02.12.1960 die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Eine Herkulesarbeit leisteten die 1. Schriftführer Lischke, Dröse und Hoppenworth, die dem Verein zahlreiche schriftliche Zeugnisse über den Kampf um die Kolonie hinterlassen haben. Leichter hatten es da eventuell die 1. Kassierer Buschmann, David, Früchtling und Schaffner, denn der Verein lebte im Wesentlichen „von der Hand in den Mund“. Schwierig war allerdings das Eintreiben der Mitgliedsbeiträge, weil Bankeinzug erst in den 70er Jahren Allgemeingut geworden ist. Durch alle Protokolle der frühen Jahre ziehen sich die Mahnungen an die Mitglieder, die Zahlungen pünktlich oder überhaupt zu leisten.

Karl Gieselmann, der den Verein als 1. Vorsitzender von 1957 bis 1966 leitete, aber auch später immer zur Verfügung stand, war den Kleingärtnern ein energischer aber auch gütiger Vorsteher. Leicht aufbrausend, wenn es ihn eben überkam, aber auch großzügig, wenn die schwitzenden Helfer eine Runde Bier von ihm spendiert bekamen, war er einer derjenigen, die das immer gute und für die Sehnder Kleingärtner lukrative Verhältnis zur Kali-Chemie begründeten. Gerne nahmen die Kinder von ihm gespendete Bonbons oder andere Leckereien, wenn sie auf sein Geheiß anlässlich von Festen das herumliegende Papier und anderen Unrat aufgesammelt hatten. Dem Verfasser ist er nach seinem Beitritt zum Verein als regelmäßiger Besucher der Mitgliederversammlungen in Erinnerung, der als Ältester jedesmal dem Wahlvorstand vorsah, und in der Funktion die Kleingärtner immer zu Einigkeit und Treue ermahnte. Karl Gieselmann erhielt am 04.03.1966 die Ehrenmitgliedschaft übertragen.

Friedrich Kuhn, der dem Verein von 1960 bis 1966 als 2. Vorsitzender, und dann als Nachfolger von Karl Gieselmann von 1966 bis 1976 als 1. Vorsitzender diente, ist dem Verfasser nicht persönlich bekanntgeworden. Kuhn begleitete die Aufbaujahre mit dem Bau der beiden Vereinshäuser sowie des Gerätehauses und ist dafür 1976 mit der Ehrenmitgliedschaft belohnt worden.

Kuhns Nachfolger Günter Bartelt war dem Verfasser von 1977 (gewählt 1976) bis 1987 ein milder Herr, und unter seine „Regierungszeit“ fiel die Veranstaltung von Gemeinschaftsfahrten sowie die Einrichtung des Boßel- sowie des Skat- und Kniffelturniers, an welch letzterem er, im Gegensatz zum heutigen Vorsitzenden, auch als Skatspieler gelegentlich mal mit mehr, meistens mit weniger Erfolg, teilnahm.

Hans Huszar, 1. Vorsitzender seit 1987, davor schon zwei Jahre 2. Vorsitzender, geht in die Geschichte des Sehnder Kleingärtnervereins als „der gute Mensch vom Pfingstanger“ ein. Unerschütterlich in seiner Gutmütigkeit, ist er sogar Erwins oftmals unwirscher Rhetorik gewachsen, ein Mann des Ausgleichs, der in den Stürmen der Vorstandssitzungen die Ruhe bewahren kann. Zusammen mit Gattin Vera ist er sich seiner Verpflichtungen stets bewusst, und deshalb bei allen Bällen der Kleingärtner das erste Paar auf der Tanzfläche. Ein gutes Verhältnis hat er auch zu übergeordneten Stellen geschaffen, wie dem Bezirksverband der Kleingärtner zu Lehrte und dessen 1. Vorsitzenden, Peter Woitke, was dem Verein immer zugute gekommen ist. In seine Regentschaft fallen unzählige und kaum aufzählbare Anschaffungen und Verbesserungen an Vereinsheim und Gerätehaus, aber, man muss es auch sagen, mehrere Erhöhungen von Beitrag und Gebühren. Dass die Stadt Sehnde den Kleingärtnern in den letzten Jahren mehrfach in Stufen steigende Pachterhöhungen auferlegt hat, kann Hans Huszar allerdings nicht angelastet werden. Vor der schon angekündigten Übergabe seines Amtes in jüngere Hände hat Hans Huszar es zu seiner Aufgabe gemacht, das 50. Jubiläum des Vereins zu einem Ereignis für die Kleingärtner werden zu lassen.

Wahre „Urgesteine“ des Sehnder Kleingartenwesens sind, neben Karl Gieselmann, der langjährige 1. Kassierer Helmut Kroll sowie der ebenso langjährige 1. Schriftführer Rudolf Strelow gewesen.

Helmut Kroll bekleidete sein Amt sage und schreibe über 28 Jahre, vom 01.12.1961 bis zum 02.11.1989. Schon vorher war er als Kassenprüfer tätig gewesen. Sein Kleingartenbüro hatte er in der Güterabfertigung des Sehnder Bahnhofs. Als Bediensteter der Bundesbahn und Manager des Güterverkehrs der damals noch aktiven Sehnder Industrie war er in Kleingartenangelegenheiten mehr auf dem Bahnhof als sonstwo zu sprechen. Immer gütig, zuweilen auch etwas hektisch, war er ein pedantischer Wahrer der finanziellen Interessen des Vereins. Da er geistig in der Lage war, über den Tellerrand der Kleingärtnerei hinauszuschauen, gab er vor allem dem geselligen Leben entscheidende Impulse.

So dürften die in den 60er Jahren ein- oder zweimal veranstalteten Silvesterbälle der Kleingärtner auf seine Initiative zurückzuführen sein, so wie er später häufig eine Wiederbelebung dieser Veranstaltungen anregte. Er war es, der auf Durchführung der gemeinschaftlichen Busausflüge drängte, der die Bahnfahrt zur Bundesgartenschau nach Kassel initiierte, der später mehrtägige Fahrten mit der Bahn zu Zielen vorwiegend in Süddeutschland anbot und durchführte, der die schon erwähnten Boßel- sowie Skat- und Kniffelturniere einführte sowie in den ersten Jahren auch veranstaltete. Dem Verfasser unvergessen bleibt er als der Pedant, der bei den Kassenabrechnungen nach den Festen, vor allem des Sommerfestes, bei dem allerhand Kleingeld zusammenkam, so seine Eigenheiten hatte. Das Kleingeld ließ er sich bei der Abrechnung von den Verwaltern der Verkaufsstände zwecks besserer Übersicht in Zehnerhäufchen ordnen, strich diese nach Registrierung aber, anstatt das Kleingeld gleich in dafür vorgesehenes Papier einzurollen, in einen Leinenbeutel, um es zu Hause nochmals zu häufeln und dort erst in Papier einzurollen. Hektisch, wie er manchmal war, schied Helmut Kroll, wie schon an anderer Stelle erwähnt, aus dem Amt und dem Verein.

Nun gut, Helmut Kroll hat über Jahrzehnte das Vereinsleben geprägt, und das kann man auch von Rudolf Strelow sagen. Vom 28.01.1956 bis 19.11.1985, mit 29 Jahren sogar noch ein Jahr länger als H. Kroll, bekleidete er das Amt des 1. Schriftführers. Es sei gleich vorweg gesagt, dass ihm dieses Korsett immer zu eng war, und so hat Rudolf Strelow im Grunde genommen den Verein in seiner Gesamtheit gemanagt, wie man heute auf gut Deutsch sagt. Strelow hat sich um alles gekümmert, ohne jemand bevormunden zu wollen, sondern meistens aus der Notwendigkeit und seinem besseren Wissen heraus. Als Angestellter bei der Kali-Chemie knüpfte er die Fäden, an denen manche großzügige Gabe der Firma hängen blieb.

Er übererfüllte seine Aufgabe als 1. Schriftführer jederzeit, forcierte den Kauf und Wiederaufbau der Baracke, die das erste Vereinsheim bildete, sowie den Aufbau des heutigen Vereinsheims nach dem Brand und Vernichtung der Baracke, fertigte dazu maßstabsgerechte Zeichnungen, war bei der Einrichtung aller regelmäßig veranstalteter Feste im Leben des Vereins dabei und leitete auch die Gemeinschaftsfahrten mit dem Bus in den 80er Jahren. Die von H. Kroll angebotenen mehrtägigen Fahrten waren dann allerdings sein Metier nicht mehr. Rudolf Strelow hat mit nur wenigen gelegentlichen Helfern in den 80er Jahren die Wände des Vereinsheims sowie des Gerätehauses mit der halbhohen Vertäfelung bekleidet, nicht unbedingt, aber nach seinem Selbstverständnis durchaus auch Aufgabe seines Amtes. Strelow war später, d.h. schon zu Ende der 70er Jahre, zumindest im Kleingartenleben, eventuell seinem pommerschen Naturell entsprechend, nicht unbedingt ein geselliger Mensch, aber seine Parzelle bewirtschaftet er, nachdem er sein Amt am 17.11.1987 niederlegte, bis auf den heutigen Tag. Er sowie Helmut Kroll wurden für ihre Verdienste mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landesverbandes der Kleingärtner ausgezeichnet, und Rudolf Strelow darüber hinaus am 15.11.1988 sogar die Ehrenmitgliedschaft des Vereins verliehen. Solche Diener ihrer Sache wie Helmut Kroll und Rudolf Strelow gibt es (wahrscheinlich) in unserem Kreise nie wieder!

Dem 1. Kassierer Helmut Kroll folgte der ruhige, treue und sparsame schlesische Hausvater Alfons Scheithauer im Amt. Vom 12.04.1991 bis 14.11.1997 führte er die Kasse und verteidigte diese gegen die Begehrlichkeiten seiner Mitstreiter im Vorstand, die aber schließlich nur zum Wohle des Vereins begehrlich waren. Mark auf Mark wurde von ihm auf die „Hohe Kante“ gelegt, um vielleicht einmal als Krönung unserer Arbeit den Festplatz in würdiger Weise wasserfest herrichten zu können. Der Traum war aus, als die Gemeinde Sehnde, ihrerseits aufgefordert vom Landkreis Hannover, den Anschluss des Vereinsheims an die Abwasserringleitung der Gemeinde forderte und sich der Verein mit ca. 20.000,– DM an der Baumaßnahme beteiligen musste. Dem konnte kein Sparbuch standhalten, und weil die Fassade des Vereinsheims im Jahre 1997 auch noch renoviert werden musste, schmolz der „Alfonsturm“ (in Anspielung auf den „Juliusturm“) dahin. Alfons Scheithauer gab sein Amt und die geplünderte Kasse in Ehren, aber aus Gesundheitsgründen, in die Hände von Horst Spilker, dem Wunschkandidaten des Vorstands.

Es sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt, dass die einzigen, seit Einrichtung der Kolonie im Herbst 1954 von derselben Hand bewirtschafteten Gärten, die Nr. 49 von Wolfgang Westphal und Nr. 60 des langjährigen Schriftführers Rudolf Strelow sind. Es folgen die Gärten Nr. 81, der seit 1961 von Willi Naujokat, und Nr. 54, der seit 1964 von Alfred Olschewski bewirtschaftet wird, wobei in allen vier genannten Gärten auch die Ehefrauen zu gleichen Teilen mitwirtschaften. Es folgen die Gärten Nr. 22 (Scheithauer), 35 (Kampmann), 79 (Werner) und 82 (G. Hoffmann).

Da die für die Gemeinschaft wirkenden Gartenfreunde keinen materiellen Nutzen aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit ziehen können und dürfen, stattet der Verein im Zusammenwirken mit dem Bezirksverband der Kleingärtner seinen Dank für Treue und im Interesse der Gemeinschaft geleistete Arbeit in Form der Verleihung von goldenen und silbernen Ehrenzeichen ab. Die Ehrenmitglieder sowie Träger der Goldenen Ehrennadel des Landesverbandes sind an anderem Orte hervorgehoben gewürdigt; hier sollen zumindest noch die durch die Goldene Verbandsnadel für 10-jährige Vorstandstätigkeit, besondere Verdienste für die Organisation bzw. 30-jährige Treue zum Verein Geehrten in der Reihenfolge der Ehrung hervorgehoben benannt werden.

  • Im Jahr 1974 wurden ausgezeichnet: Friedrich Kuhn, Rudolf Strelow, Werner Sonar, Helmut Kroll, Helmut Schmolze, Johann Kuhn, Karl Gieselmann, Hermann Thiele und Wilhelm Schaffner.
  • Im Jahre 1979 wurden ausgezeichnet: Günter Bartelt, Hermann Früchtling, Friedrich Fietkau, Georg Rüffer, Karl Fricke, Günter Höft, Max Stenzel, Stanislaus Pikarski, Kurt Martin, Wolfgang Westphal, Martin Wußmann.
  • Im Jahre 1983 wurden ausgezeichnet: Günter Plapper, Harry Droeger, Willi Metz, Werner Heindorf und Bernhard Hilse.
  • Die vorerst letzten Goldenen Verbandszeichen erhielten: Alfons Scheithauer (1988), Willi Naujokat (1989), Alfred Olschewski (1989) und Willi Datschkus (1995) verliehen.

Weitere Ehrungen sind im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung am 22. August 1998 vorgesehen.

In aller Unbescheidenheit will sich der Verfasser dieser Schrift, der aus Schlesien stammende Eckhard Müßigbrodt sowie seine (Hannoversche) Ehefrau Heidemarie, die ebenso den Verein zu ihrer Sache gemacht hat, nicht unerwähnt lassen. Er dient dem Verein seit nunmehr 21 Jahren im Vorstand, vom 17.11.77 bis 17.11.87 als 2. Schriftführer, und seit letzterem Datum bis zum heutigen Tage als 1. Schriftführer. Er wurde am 07.06.98 für seine Verdienste mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landesverbandes ausgezeichnet und hofft, mit der Niederschrift und redaktionellen Erstellung dieser Chronik dem Verein gedient und sich selbst vielleicht ein kleines Denkmal in Sehnde gesetzt zu haben.

Der Verfasser setzt voraus, dass die in diesem Kapitel erwähnten Mitarbeiter des Vereins die natürlich etwas subjektive Charakterisierung nicht übel nehmen, denn wissentlich wehtun oder anschwärzen will der Verfasser wirklich keinen der mehr oder weniger verdienten „Veteranen“ des Kleingartenwesens in Sehnde, und wünscht allen Vorgenannten noch viele schöne Jahre mit ihrem Garten oder im „Ruhestand“.

Meilensteine des KGV „Heimatfrieden“ Sehnde (1948–1998)

Die Aufbaujahre (1948–1962)

  • 1948: Gründung des Vereins in schwieriger Nachkriegszeit. Zäher Kampf um Pachtland gegen Widerstände von Landbesitzern und Industrie.
  • 1954: Endlich wird die Kolonie eingerichtet. Die ersten Zäune entstehen (charakteristisch aus alten Bahnschienen der Kali-Chemie).
  • 1955: Das erste Blumenfest markiert den Beginn der großen Festtradition.
  • 1956: Erwerb einer alten Baracke von der Kali-Chemie, die als erstes Vereinsheim dient.
  • 1962: Einweihung des ersten festen Vereinsheims und der erste legendäre „Tanz in den Mai“.

Blütezeit und Rückschläge (1963–1975)

  • 1963: Die Kolonie wird elektrifiziert.
  • 1964/65: Einführung der Tombola und des ersten Höhenfeuerwerks.
  • 1972 (März): Eine Zäsur: Das Vereinsheim brennt vollständig nieder. Der Verein steht vor dem Nichts, schwört sich aber den Wiederaufbau.
  • 1974 (Januar): Einweihung des neuen (zweiten) Vereinsheims, das bis heute das Zentrum bildet.
  • 1974 (Mai): Das verspätete 25. Jubiläum wird drei Tage lang gefeiert.

Professionalisierung und neue Traditionen (1976–1989)

  • 1976/77: Großer Vorstandswechsel. Die Protokolle wechseln von Sütterlin auf lateinische Schrift (durch E. Müßigbrodt). Umstellung auf Bankeinzug.
  • 1981: Große Gemeinschaftsfahrten (u.a. Safari-Park, BUGA Kassel) zeigen den starken Zusammenhalt.
  • 1984: Geburt zweier Klassiker: Das erste Boßelturnier und das Skat- & Kniffelturnier werden eingeführt.
  • 1987/88: Hans Huszar übernimmt die Führung. Das 40. Jubiläum wird gefeiert.

Moderne Herausforderungen (1990–1998)

  • 1992/93: Das Ende des „Tanz in den Mai“ (Konkurrenzdruck) – dafür Einführung des Maischoppens.
  • 1994/95: Finanzielle Kraftanstrengung: Der Anschluss an die Abwasserleitung kostet 20.000 DM und leert die Rücklagen („Alfonsturm“).
  • 1997: Renovierung der Fassade; das Vereinsheim erstrahlt in neuem Weiß.
  • 1998: Der Verein bereitet sich mit Stolz auf sein 50-jähriges Bestehen vor.

Das Vermächtnis der „Urgesteine“

Hinter all diesen Daten stehen Namen wie Karl Gieselmann, der energische Vorsteher, Helmut Kroll, der pedantische Finanzwächter vom Bahnhof, und Rudolf Strelow, der den Verein fast drei Jahrzehnte lang „gemanagt“ hat. Sie und die vielen ungenannten Helfer (und besonders die Frauen in der „zweiten Reihe“) haben aus einem Stück Land eine Gemeinschaft geformt.

Wie der Chronist Müßigbrodt so schön schrieb: Diese Geschichte soll nicht nur Vergangenes bewahren, sondern zu Neuanfängen anregen.

Quellen: Chronik des Kleingärtnervereins Heimatfrieden e.V. Sehnde zum 50. Jubiläum, verfasst von Eckhard Müßigbrodt, Sehnde 1998.